Alter Gewerkschafter macht IG-Metall-Geschichte lebendig

Jens Mütze (l.) kann im Ratssaal  nicht nur Gewerkschafter zur 125-Jahr-Feier der IG Metall begrüßen. Auch die Politik, Arbeitgebervertreter und  gesellschaftliche Gruppen sind dabei.
Jens Mütze (l.) kann im Ratssaal nicht nur Gewerkschafter zur 125-Jahr-Feier der IG Metall begrüßen. Auch die Politik, Arbeitgebervertreter und gesellschaftliche Gruppen sind dabei.
Foto: privat
Werner Schmidt hat die SA-Schergen in der Nazi-Zeit erlebt und den Wiederaufbau der Gewerkschaften. Seine Rede bei der 125-Jahr-Feier der IG Metall Hagen bewegte.

Hagen.. Es ist kein richtiges Hagener Jubiläum, auch wenn von Hagen aus – als altem Industriestandort – entscheidende Impulse für die Gewerkschaftsbewegung gekommen sind. Es gibt in den Kellern der IG-Metall-Zentrale an der Körnerstraße auch kein geordnetes Archiv, dass das bundesweite 125-jährige Jubiläum der IG Metall aus Hagener Sicht beleuchten kann. Dass es dennoch gestern bei der Feierstunde tiefe Einblicke in die Geschichte der Arbeiterbewegung in der Volmestadt gab, lag an einem Mann – an Werner Schmidt

Der war von 1954 bis zum Ruhestand im Jahr 1989 als IG-Metall-Funktionär in Hagen tätig, zuletzt als Bevollmächtigter, also Chef der hauptamtlichen Verwaltungsstelle. Und auch wenn die anderen Redner wie der aktuelle IG-Metall-Chef Jens Mütze („Tarifbindung ist und bleibt die Gerechtigkeitsfrage Nummer 1“) oder Oberbürgermeister Erik O. Schulz („Es ehrt sie, dass sie sich auch für Firmenansiedlungen engagieren und dafür, dass alle Jugendlichen in Arbeit kommen“), sicherlich viel Richtiges zur Bedeutung der IG Metall sagten – in Werner Schmidts Worten wurde Geschichte lebendig.

Jugend strömte in Gewerkschaften

Jahrgang 1927 ist er. Er hat als Zehnjähriger in der Nazi-Zeit erlebt, wie die SA in die Wohnung seiner Eltern kam und die Gewerkschaftskasse, die der Vater verwaltete, plünderte. Er hat nach dem Krieg den Wiederaufbau der Gewerkschaftsarbeit in Hagen miterlebt. Mit Walter Freitag, dem früheren IG-Metall- und DGB-Chef für ganz Deutschland, hat er zusammengearbeitet und von ihm ist er geprägt worden. Werner Schmidt konnte von einer Zeit berichten, in der die Gewerkschaften ein Blüte erlebten, weil alte Richtungsstreitigkeiten beendet wurden und man als Einheitsgewerkschaft auftrat: „Die Jugend strömte damals in die Gewerkschaften – in viel höherem Maße als noch vor dem Krieg.“

15.000 IG-Metall-Mitglieder gab es schnell nach 1945 in Hagen. Die Gewerkschaft war damit ein entscheidender Faktor. Werner Schmidt hat alle Kämpfe mitgemacht: Für den arbeitsfreien Samstag, für die Arbeitszeitverkürzung, aber auch gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik.

Sozialpläne erkämpft

Er hat die Blütezeiten erlebt, aber auch den Niedergang der Stahlwerke. Die Hasper Hütte sei eines der ersten Werke im Ruhrgebiet gewesen, in dem Massenentlassungen verkündet worden seien. 1000 Stellen seien auf einmal abgebaut worden. 20 000 Industrie-Arbeitsplätze insgesamt habe Hagen verloren, erinnerte sich Schmidt: „Aber wir haben es durch harte Verhandlungen geschafft, dass Sozialpläne verabschiedet wurden, die Besitzstände gewahrt haben.“

Werner Schmidt hat über Jahrzehnte gekämpft – für die Arbeiter, aber auch für die Demokratie an sich. Und so ließ es aufhorchen, als er sagte: „Wir müssen auch heute zeitweilig um unsere Demokratie fürchten.“ Denn zur Demokratie gehöre, „dass man um den besten Weg streitet und nicht die Schreier und Verführer wählt.“

 
 

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