Aicher-Gruppe besichtigt Federn-Standorte

450 Mitarbeiter aus Oege und Olpe waren gestern Morgen in den Saalbau gekommen, um sich über die Zukunft ihres Werkes informieren zu lassen.
450 Mitarbeiter aus Oege und Olpe waren gestern Morgen in den Saalbau gekommen, um sich über die Zukunft ihres Werkes informieren zu lassen.
Foto: WP
Wohin geht unsere berufliche Reise? Auf diese Frage erhofften sich am Donnerstag im Letmather Saalbau rund 450 Mitarbeiter der ThyssenKrupp Federn und Stabilisatoren GmbH der Standorte Oege und Olpe bei der erstmals gemeinsam einberufenen Belegschaftsversammlung eine Antwort. Schon früh am Morgen waren dazu die Kollegen aus dem Siegerland mit Bussen aufgebrochen.

Hohenlimburg. Als sicher gilt seit Monaten, dass sich der ThyssenKrupp-Konzern angesichts der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens weltweit von seinen Federn-Standorten trennen will. Das bestätigte gestern auch der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Willi Segerath.

Die Werke in Mexiko, Brasilien und China sollen an den italienischen Sogefi-Konzern verkauft werden; für die Standorte in Oege, Olpe und Leeds interessiert sich die in Süddeutschland beheimatete Aicher-Gruppe mit dem Stahlwerk „Annahütte“.

„Annahütte“ liefert das Vormaterial für den Standort Olpe. „Dort dürfte es bei einer Übernahme die wenigsten Probleme geben“, sagte gestern Morgen Hubert Rosenthal (IG Metall Hagen), der Mitglieder der Begleitkommission ist. „Das ist dort schnell zu schaffen.“

In Oege sieht der erfahrene IG-Metall-Funktionär, der sich seit zwanzig Jahren mit einem möglichen Verkauf des Federn-Werkes in Oege beschäftigt, durchaus größere Probleme. „Da ist die Aicher-Gruppe auf das Know-how der Belegschaft aus Oege angewiesen. Von den hier gefertigten Produkten hat das Unternehmen weniger Ahnung.“

Richtig ist aber, dass Firmeninhaber Max Aicher mit einer dreißigköpfigen Delegation die drei europäischen Standorte durchleuchtet und bereits intensive Gespräche geführt hat. Hubert Rosenthal hat dabei allerdings einen guten Eindruck vom Unternehmenschef, der nicht nur in Fachkreisen als Patriarch gilt, gewonnen. „Bei ihm zählt noch das Wort. So meine Einschätzung.“

Gleichwohl gibt es Probleme bei der Feinjustierung für eine mögliche Übernahme. So bei den Arbeitszeitkonten der Arbeitnehmer, die Aicher deutlich verändern will. Die Minusstunden sollen von 150 auf 24 reduziert werden, um schneller Kurzarbeit einführen zu können; die Mehrarbeitsstunden auf 250 hochgeschraubt werden. Hubert Rosenthal: „Dann fällt bei den Kollegen die Mehrarbeitszulage weg.“

Die Betriebsräte um Axel Berg (Oege) und Bernd Döppeler (Olpe) werden vom 1. bis 5. Juli zu weiteren Informationsgesprächen nach Freilassing reisen, um sich dort mit der Geschäftsführung der Aicher-Gruppe auszutauschen, um endlich weitere Erkenntnisse zu bekommen. Die waren gestern von den beiden Federn-Geschäftsführern Dr. Klaus Wolf und Matthias Koll nicht zu erhalten.

Die Unruhe unter den Arbeitnehmern ist deshalb groß, wie Axel Berg im Gespräch mit dieser Zeitung deutlich machte. Deshalb soll der Fragen- und der Forderungskatalog, der gestern vorgestellt und der Geschäftsführung vorlegt wurde, endlich beantwortet werden. „Wir wollen so schnell wie möglich Klarheit haben“, so Berg. Dazu sollen auch weitere gemeinsame Belegschaftsversammlungen beitragen. Axel Berg: „Die nächste wird in Olpe stattfinden. Und das muss nicht erst in einem Vierteljahr sein.“

 
 

EURE FAVORITEN