Ackerfläche schrumpft weiter

Das Archivbild zeigt Wintergerste auf einem Acker in Breckerfeld. Das Getreide ist schon geerntet. Die späten Kahlfröste des Winters, vor allem im Januar, machten den Pflanzen deutlich zu schaffen. Vor allem, weil eine wärmende Schneedecke fehlte.
Das Archivbild zeigt Wintergerste auf einem Acker in Breckerfeld. Das Getreide ist schon geerntet. Die späten Kahlfröste des Winters, vor allem im Januar, machten den Pflanzen deutlich zu schaffen. Vor allem, weil eine wärmende Schneedecke fehlte.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Das Wetter machte der Wintergerste zu schaffen – Preissteigerungen möglich.

Hagen. Der vergangene Winter: bitterkalt und weitgehend ohne wärmende Schneedecke auf den Äckern; der März: sehr trocken, dafür der Juni: vom Regen durchnässt. Keine optimalen Zeiten für die Bauern der Region, vor allem, was Wintergerste betrifft. Zwar sprießt dafür das Sommergetreide. Trotzdem warnt Friedhelm Flüs, Hagener Landwirt und ehemaliger Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, vor möglichen Preissteigerungen.

„Mit Winterweizen und Wintergerste gibt es ein Problem“, sagt Flüs, „die Pflanzen sind zum Teil ausgefroren. Viele mussten wir untermachen. Im Jahr davor gab es Schnee, der das Feld abdeckte, da kam die Kälte nicht ran.“ In Hagen ist die Wintergerste demnach schon gedroschen.

Menge an Sommergetreide wächst

Im Gegenzug wächst die Menge an Sommergetreide, die geerntet werden kann; die NRW-weite Anbaufläche von Sommergerste wuchs im Vergleich zu 2011 um 352 Prozent, wie das Landesamt für Statistik mitteilte. Auch Mais wurde mehr angebaut, sowohl Körnermais als auch Silomais. Allerdings: „Ich bin mal gespannt, wohin sich die Getreidepreise noch entwickeln werden“, so Flüs, „denn es gibt ja eine Dürre in den USA und ähnliche Entwicklungen in Russland.“

Der landesweite Trend, den Maisanbau auszuweiten, schlägt sich laut Flüs in Hagen kaum nieder. „Vermaisung spielt hier keine Rolle, statt dessen haben wir aber eine Verbauung – Ackerflächen werden zugebaut. Für einen Landwirt tut das schon in der Seele weh, wenn die Eigentümer das Land verkaufen und dann drauf gebaut wird.“ Anbauflächen für Mais, der dann zur Energiegewinnung genutzt wird, sind für Flüs aber eine „starke Konkurrenz“ für Getreide & Co.

Zu der Entwicklung passt, dass die Ackerfläche in Hagen schrumpft. 2006 lag die Anbaufläche noch bei rund 32,1 Quadratkilometern, rund 20 Prozent des Stadtgebietes, wie die Verwaltung informiert. Im Jahr 2008 lag die Ackerfläche dann schon nur noch bei 31,9 Quadratkilometern (19.9 Prozent); 2011 betrug sie noch 31,4 Quadratkilometer (19,6 Prozent).

Strom aus der Steckdose

In ganz NRW allerdings wird mehr und mehr Mais angebaut, mit 291.034 Hektar erreicht die Maisanbaufläche aktuell einen neuen Rekord (plus 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert). „Bin mal gespannt, ob sich das auf einem vernünftigen Niveau einpendelt“, so Flüs. Für ihn ist der Anbau von Mais für Energie ein Indiz der modernen Gesellschaft, die in den Supermarkt geht statt zum Bauern. „Beim Strom ist es genauso, wir wollen nur Strom aus der Steckdose. Aber die Ackerflächen sollen doch eigentlich eine wachsende Menschheit ernähren.“

 
 

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