Kalle Pohl im Hasper Hammer: Abseits des „Dummsau“-Klischees

Kalle Pohl präsentierte sich im Hasper Hammer als äußerst vielseitiger Komödiant, der sowohl als Musikant, Lyriker und mit großer schauspielerischer Geste überzeugte.
Kalle Pohl präsentierte sich im Hasper Hammer als äußerst vielseitiger Komödiant, der sowohl als Musikant, Lyriker und mit großer schauspielerischer Geste überzeugte.
Foto: Michael Kleinrensing
  • Kalle Pohl begeisterte mit seinem Auftritt im Hasper Hammer
  • Der rheinische Komödiant präsentierte Feinsinniges und Hintergründiges
  • Selbstverständlich spielte auch sein Alter Ego „Vetter Hein Spack“ eine Schlüsselrolle
  • Kalle Pohl begeisterte mit seinem Auftritt im Hasper Hammer
  • Der rheinische Komödiant präsentierte Feinsinniges und Hintergründiges
  • Selbstverständlich spielte auch sein Alter Ego „Vetter Hein Spack“ eine Schlüsselrolle

Haspe.. Man sollte ihn nicht unterschätzen: Wer den rheinischen Humor-Profi mit schütterer Schrubber-Frisur und zu früh beendetem Körperwachstum auf seine Alter-Ego-Rolle als „Vetter Hein Spack“ und damit auf „Dummsau“-Niveau reduziert, geriet am Samstagabend im Hasper Hammer gewaltig ins Staunen. Mit seinem orthografisch bedenklichen Programm „Selfi in Delfi“ bescherte der inzwischen 65-jährige Kalle Pohl („Selfies sind eine moderne Form der Selbstbefriedigung“) dem Publikum einen feinsinnigen Abend. Ein Programm, bei dem der gesunde Menschenverstand eben doch noch nicht durch irgendeine stupide App-Lösung ersetzt wurde.

Mario-Barth-Persiflage

Als Meister der blitzschnellen Rollenwechsel bewies der Entertainer, der vor allem mit RTL-TV-Formaten bundesweite Bekanntheit erlangte, eine breites, tief- und hintergründiges Spektrum, das von sentimentaler Melancholie bis zur frotzelnden Handpuppen-Blödelei mit der Zicke „Dolores“ reichte. In welcher Ecke der vielschichtigen Humorbranche er sich dabei selbst am liebsten angesiedelt sehen würde, machte er mit einer genialen Persiflage auf den omnipräsenten Stand-up-Comedian Mario Barth höchstselbst deutlich: Anhand eines platten Witzes aus dem weiten Feld des Geschlechter-Miteinanders parodierte und zelebrierte er den Barth’schen Erzählstil, bis es der Hasper Zuhörerschaft die Tränen in die Augen trieb. Letztlich entlarvte er mit dem eulenspiegelartigen Blick des erfahrenen Satirikers seinen Kollegen als hyperaktiven Bühnenclown ohne substanzielle Botschaft. „Da bleibe ich doch lieber Komödiant, auch wenn der Comedian viel erfolgreicher ist“, resümierte er seine eigene Rolle, die auch viel eher seinem Talent-Spektrum entspricht.

Präzise, pointengespickte Dialoge zur Expertenflut im Fernsehen oder der gesellschaftlichen Diskriminierung der Unbefugten wechselten sich ab mit akkordeonbegleiteten Liedtexten und Reimen, die in der Tradition des Altmeisters Heinz Erhard stehen. Die Klaviatur der frechen Ironie beherrscht Kalle Pohl ebenso perfekt wie den nachdenklichen Blick auf die Absurditäten und Schwächen des menschlichen Miteinanders. Und das alles angenehm oberhalb der Gürtellinie und ohne in billigen Klamauk abzudriften.

Abarbeiten an „Hein Spack“

Selbstverständlich – und genau das wird von Pohl auch erwartet – arbeitete er sich dabei auch immer wieder an seiner Kunstfigur „Hein Spack“ und dessen ganz besonderer Sichtweise auf die Dinge des Lebens ab: „Von meinem Vetter kriegst du alles, das Problem ist – er hat nichts.“ Selbst das Orakel in Delphi wollte ihm bei einer geschnorrten Bildungsreise nicht die Lottozahlen verraten. Doch die Dialoge mit „Spack“ und „Tante Mimi“, die Pohl mit blitzartigen Rollen- und Stimmwechseln auf die Bühne zauberte, enttarnten immer wieder die Fassaden des Alltags, und Pohl hat auch keine Angst davor, dass manche Pointen erst mit Verzögerung zünden.

Zwiesprache, Dreier-Dialoge, Talkrunden, ja gar eine eigene Musical-Inszenierung in der afrikanischen Steppe – das schauspielerische Talent des Komödianten, der als Neunjähriger in der elterlichen Garage seine Bühnenpremiere feierte, zog das Hammer-Publikum in seinen Bann. Schelmisches, Tiefgründiges, ja sogar Philosophisches, das nachwirkt. Kalle Pohl, der schon wiederholt das Hasper Kulturzentrum füllte, darf gerne wiederkommen. Und er wird dies, daraus machte er im Anschluss keinen Hehl, sicherlich auch gerne wieder tun. Denn das Haus am Hammergraben zählt längst zu den Wohlfühladressen seiner Tourneekalenders.

EURE FAVORITEN