Abbas F. soll lebenslang ins Gefängnis

sam

Hagen.  Im Prozess um den Mord an der Hagener Prostituierten Eunice O. beantragte Oberstaatsanwalt Wolfgang Rahmer gestern vor dem Schwurgericht lebenslange Haft für den mutmaßlicher Täter Abbas F. Rahmer hatte keine Zweifel: „Vor uns sitzt ein Gewalttäter, der seine Opfer unter den Wehr- und Rechtlosen sucht.“

Aufrecht saß der 26-Jährige auf der Anklagebank. Regungslos sah er Rahmer während dessen Plädoyer an, verzog keine Miene. Rahmer nahm indes kein Blatt vor den Mund, skizzierte das Bild eines Täters, der sich an den Schwächsten der Gesellschaft vergangen habe. In der Nacht auf den 24. Januar, so seine Überzeugung, war es in dem Bordell in der Düppenbecker-Straße zwischen Abbas F. und dem Opfer zum Streit und Kampf gekommen. Eunice O. hatte ihn gekratzt und in den Finger gebissen. Er hatte sich entschieden, sie zu töten – um einen Raub zu vollenden oder um ihn zu verdecken. Nach der Tat war er mit Geld und Handy der Ermordeten geflohen. Hier sah Rahmer frappierende Ähnlichkeiten zu dem Überfall auf eine Dortmunder Prostituierte, der Abbas F. auch zur Last gelegt wird.

Im Hinblick auf den Mord an Eunice O. sah der Ankläger keine begründeten Zweifel an der Täterschaft von Abbas F., dessen DNA und Blut am Tatort sichergestellt worden war. „Er hat ihren Tod unumgänglich und willentlich herbeigeführt. Das ist nichts anderes als Mord und dafür kennt der Gesetzgeber nur eine Reaktion: lebenslange Haft.“

Für Verteidiger Andreas Trode sprach gerade die Aussage einer Kollegin der Toten dafür, dass Abbas F. nicht für die Tötung verantwortlich sei. Sie habe wiederholt einen Mann beschrieben, der in der Nacht zwischen 4 und 4.30 Uhr zu dem Opfer gegangen sei. Zu dem Zeitpunkt habe sich Abbas F. in Lüdenscheid befunden. Trode beantragte einen Freispruch vom Vorwurf des Mordes. Falls sein Mandant, wie von der Anklage behauptet, überführt sei, müsse die Frage des Tötungsvorsatzes gestellt werden. Die Verteidigung gehe dann davon aus, dass er Eunice O. nicht töten, sondern nur wehrlos habe machen wollen. Das bedeute eine Verurteilung wegen Raubes und fahrlässiger Tötung.

Das Urteil wird am Donnerstag um 11 Uhr verkündet.