630 Kilo Müll neben leere Containern geworfen

Hubertus Heuel
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Hagen.  480 Kilogramm Müll raffte Richard Kutschke vom Hagener Entsorgungsbetrieb am Montag auf dem Bürgersteig neben den Altglas- und Papiercontainern in der Reh­straße zusammen. Und dann fuhr er weiter zur Augustastraße, wo noch einmal gut 150 Kilo Abfall herumlagen. Neben den Containern. Obwohl die Container leer waren.

In Wehringhausen ist es für viele Einwohner eine Art Volkssport geworden, ihren Müll einfach auf den Bürgersteig oder die Fahrbahn zu pfeffern. Wie sonst ist es zu erklären, dass der HEB mittlerweile täglich ein Auto in Augusta- und Rehstraße vorbeischicken muss, um die illegalen Abfallberge zu entsorgen. „Am schlimmsten ist es natürlich montags“, so Müllfahrer Kutschke. Er habe den Eindruck, dass an den Wochenenden ganze Hausstände aufgelöst und dann am Straßenrand abgelegt würden. „Ich finde ja nicht nur Papier, sondern ganze Säcke voller zerrissener Kleidung, kaputte Möbel und auch ekelige Sachen.“ An der Augustastraße gibt es infolge des Mülls mittlerweile eine Rattenplage. Die Nager tummeln sich auf dem angrenzenden Bahndamm, der ebenfalls mit weggeworfenen Flaschen, Dosen und Plastikbehältnissen übersät ist, und durchwühlen den Dreck nach Fressbarem.

Bezirksbürgermeister Jürgen Glaeser fehlen die Worte

„Das ganze Müllproblem ist - ich kann das nicht mehr nachvollziehen.“ Bezirksbürgermeister Jürgen Glaeser fehlen die Worte. Denn Politik und Verwaltung stehen dem Müll-Vandalismus machtlos gegenüber. Die Containerstandorte in Augusta- und Minervastraße waren wegen der erschreckenden Zustände schon einmal abgebaut worden. Doch weil darunter auch Bürger litten und sich beklagten, die ihren Abfall ordnungsgemäß entsorgen, sah sich die Bezirksvertretung Mitte gezwungen, zumindest die Augustastraße wieder mit Abfallbehältern zu bestücken. Auf die Anregung des Entsorgungsbetriebs, die blaue Papiertonne verbindlich einzuführen, will sich die Politik nicht einlassen, weil in vielen Häusern der Platz für eine weitere Mülltonne fehlt.

Auch die „soziale Kontrolle“, das Aufstellen von Containern in unmittelbarer Nähe von Wohnhäusern, hat sich als unwirksam erwiesen. Dahinter stand die Hoffnung, dass die Müllvandalen ihren Abfall nicht auf die Straße kippen, weil sie sich beobachtet fühlen könnten. Wie sich in der Minervastraße zeigte, war das Gegenteil der Fall: „Der Dreck wurde den Anwohnern sogar in die Vorgärten geschmissen“, ärgert sich HEB-Sprecherin Jacqueline Jagusch. Der Einsatz eines Privatdetektivs, der die Container im Auftrag des HEB überwachte, habe nur zur Folge gehabt, dass die Leute, während sie ihren Müll auf die Straße kippten, freundlich in die Kamera gewinkt hätten: „Abgeschreckt hat das keinen.“

Und so wird wohl auch in Zukunft nichts gegen die abstoßenden Zustände unternommen. Wehringhausen darf weiter zugemüllt werden.