27-Jährige fordert Cemile Giousouf heraus

Katerina Gaitanoglou (27) will für die CDU in den Bundestag und tritt gegen Cemile Giousouf (38) an.
Katerina Gaitanoglou (27) will für die CDU in den Bundestag und tritt gegen Cemile Giousouf (38) an.
Foto: privat
  • Die CDU-Bundestagskandidatur wird zu einem Duell
  • Neben Cemile Giousouf tritt auch Katerina Gaitanoglou an
  • Die 27-jährige Hagenerin bewarb sich per E-Maill

Hagen.. Die heimische CDU-Abgeordnete Cemile Giousouf (38) muss bei ihrer erneuten Kandidatur für die Bundestagswahl im Herbst 2017 gegen eine Konkurrentin bestehen: Die Hagenerin Katerina Gaitanoglou, aktuell Studentin an der Uni Münster, hat am Montag in Form einer Rundmail an alle Unionsmandatsträger sich für den Wahlkreis 138 (Hagen/EN-Kreis I) und damit für das Berlin-Mandat beworben.

Premiere für Hagen

Bislang galt die türkischstämmige Muslima Cemile Giousouf als offizieller und einziger Vorschlag des Hagener CDU-Kreisvorstandes sowie der Ortsunionen für eine zweite Legislaturperiode. Dass jetzt eine weitere Kandidatur in Form einer Eigenbewerbung auf dem Tisch der Partei liegt, ist in Hagen Premiere. „Jetzt müssen sich eben beide Bewerberinnen vorstellen und den Delegierten zur Abstimmung stellen“, riet gestern Kreisgeschäftsführer Bernd Löwenstein als aktueller CDU-Statthalter den Mitgliedern zu Gelassenheit. Das innerparteiliche Aufstellungsverfahren ist bereits für den 12. September terminiert.

„Ich wollte mit diesem ungewöhnlichen Weg für eine Überraschung sorgen, mal richtig reinplatzen“, begründete die 27-jährige Bewerberin im WP-Gespräch ihre Herangehensweise. „Außerdem sind mir die Verhältnisse in der Hagener CDU sehr wohl bekannt“, gibt sich Gaitanoglou keinerlei Illusionen hin, dass sie mit spontaner Rückendeckung der Parteispitze rechnen könne. Mit Abschluss ihres Studiums wird die junge Frau, die seit Jahresbeginn CDU-Mitglied in Münster ist, im August ihren Lebensmittelpunkt zurück nach Hagen verlegen. Als Angestellte der Bezirksregierung Münster tritt die orthodoxe Christin eine Stelle als Religionslehrerin an.

Die Hasperin legte als zweitälteste von sieben Geschwistern im Jahr 2008 ihr Abitur an der Gesamtschule Haspe ab. Inzwischen steht die Tochter griechischer Eltern und Enkelin griechischer Einwanderer an der Hochschule in Münster vor dem Anschluss ihres Studiums mit den Schwerpunktfächer Anglistik, Gräzistik (Altgriechische Philologie) und Orthodoxe Theologie. Darüber hinaus engagiert sie sich privat bei der Familienbegleitung in der Onkologie der Uniklinik Münster sowie in ihrer Heimatstadt Hagen bei der hellenisch-orthodoxen Mission in der Gemeindearbeit sowie in verschiedenen Integrationsprojekten.

Kritik an Islam-Kontakten

Weiterer Schwerpunkt ihres Wirkens ist die „Union der Vielfalt“, als deren Geschäftsführerin sie im Bezirksnetzwerk Münsterland agiert. Diese CDU-Gruppierung (NRW-Landesvorsitzende: Cemile Giousouf) versteht sich als Interessensvertretung für Menschen mit und ohne Einwanderungsgeschichte. „Ich trete für ein nachhaltiges Politikverständnis ein, das sich am christlichen Menschenbild orientiert“, formuliert Katerina Gaitanoglou in ihrem Bewerbungsschreiben, das unter der Überschrift „Demokratie bedeutet: eine Wahl zu haben!“ steht.

Als griechischstämmige Bürgerin habe sie ein besonderes Interesse daran, sich dafür einzusetzen, dass vor allem Bürger mit Zuwanderungsgeschichte in Hagen und in Deutschland eine Heimat fänden. „Ich möchte einen Beitrag dazu leisten, dass die CDU, die als Union für gesellschaftlichen und religiösen Zusammenhalt eintritt, als glaubwürdige politische Kraft bei den Menschen wahrgenommen wird“, schreibt die plötzlich auftauchende Giousouf-Konkurrentin an die CDU-Mandatsträger.

„Unser Verhältnis ist okay, wir kennen uns“, lässt die Herausforderin nach Giousouf befragt durchaus Distanz erkennen. Vor allem die Förderung der religiösen Vielfalt werde von der Abgeordneten zu eindimensional vorangetrieben, kritisiert Gaitanoglou: „Ihr Fokus liegt mir zu sehr auf dem Islam“, erwartete sie, dass breitere Gruppen angesprochen werden. Vor allem „die unreflektierten Kontakte zu DITIB, UETD und Millî Görüş“ sind der 27-Jährigen ein Dorn im Auge: „Ich bin überzeugt, dass diese Organisationen nichts mit unserem freiheitlich-demokratischen Verständnis zu tun haben.“ Cemile Giousouf selbst wollte sich auf Anfrage zu ihrer Mitbewerberin gar nicht äußern.

 
 

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