200 000 Euro für Not-Treppe an der Villa Cuno

Die Villa Cuno an der Ecke Stirnband/Haßleyer Straße.Um die nutzbaren Flächen der Kita im ersten Stock erweitern zu können, muss in Richtung Hohenhof für rund 200 000 Euro ein Fluchttreppenhaus an den denkmalgeschützten und architektonisch wertvollen Baukörper angesetzt werden.
Die Villa Cuno an der Ecke Stirnband/Haßleyer Straße.Um die nutzbaren Flächen der Kita im ersten Stock erweitern zu können, muss in Richtung Hohenhof für rund 200 000 Euro ein Fluchttreppenhaus an den denkmalgeschützten und architektonisch wertvollen Baukörper angesetzt werden.
Foto: WP Michael Kleinrensing
An das architektonisch wertvolle Kleinod Villa Cuno soll ein Stahltreppenturm angesetzt werden. Die Kosten belaufen sich auf 200 000 Euro. Von der gestalterischen Vergewaltigung mal abgesehen.

Eppenhausen.. Der Villa Cuno, architektonisches Hagener Kleinod an der Ecke Stirnband/Haßleyer Straße, droht eine gestalterische Vergewaltigung. Denn um die nutzbaren Flächen der dortigen Kindertagesstätte im ersten Stockwerk erweitern zu können, muss in Richtung Hohenhof ein Fluchttreppenhaus an den historischen Baukörper angesetzt werden. Durch diesen Anbau wird die architektonische Konzeption und damit die typische Geometrie des unter Denkmalschutz stehenden Bauwerks aus der Planungsfeder von Peter Behrens empfindlich beeinträchtigt.

Hintergrund dieser Maßnahme ist eine erneute Brandschutzprüfung, wie sie turnusmäßig alle fünf Jahre bei öffentlichen Einrichtungen durchgeführt werden. Dort wurde zuletzt zum wiederholten Male ein fehlender Fluchtweg für das Obergeschoss des Gebäudes angemahnt, so dass sich die Stadt letztlich verpflichtet fühlte, jetzt doch einen Stahltreppenturm zu errichten. Dieser wird in luftiger Höhe über einen Steg mit der Villa Cuno verbunden. Die Stadt Hagen kalkuliert für diese Maßnahme mit einem Investitionsvolumen von 200 000 Euro. Darin enthalten sind ein Türdurchbruch, das Versetzen von Spielgeräten sowie die Fassadenerneuerung. Das Projekt soll während der Sommermonate bis zum Beginn des neuen Schuljahrs realisiert werden, um auch das Obergeschoss der Immobilie künftig voll für den Kita-Betrieb nutzen zu können.

Acht Treppen dieser Art montiert

Stählerne Fluchttreppenhäuser dieser Art hat die Stadt Hagen nach der Brandkatstrophe am Düsseldorfer Flughafen (1996) an insgesamt acht kommunalen Gebäuden montiert und dafür insgesamt 600 000 Euro in die Hand nehmen müssen. Dass im Fall der Villa Cuno diesmal ein besonders stattlicher Betrag anfällt, ist der aufwendigen Gründung der freistehenden Konstruktion sowie der Anbindung über einen Brückensteg geschuldet. „Für uns ist diese Lösung der bestmögliche Kompromiss zwischen den Belangen des Denkmalschutzes und den gesetzlichen Pflichten des Brandschutzes“, betont Ina Hanemann, bei der Stadt Hagen verantwortlich für den Denkmalschutz.

Die Villa Cuno entstand in den Jahren 1908/10 – unterstützt von Walter Gropius – im Auftrag von Karl Ernst Osthaus als Teil der Künstlerkolonie „Hohenhagen“. Sie war als Wohnhaus für den damaligen Hagener Oberbürgermeister Willi Cuno konzipiert. Prägend für den kubischen, von strenger Schlichtheit geprägten Baukörper ist die geschwungene Innentreppenanlage. Wenn sie mit ihren langen, schmalen Fensterstreifen beleuchtet wird, unterstreicht sie die klassizistisch-strenge Fassadengestaltung.

Optische Balance wird verändert

Die Außenfront des Objektes wird – typisch für Behrens – durch die leicht asymmetrische Anordnung der Balkone an beiden Seiten des Hauses bestimmt. Auf der rechten Seite ist der Balkon wie auch der Sockel der Hauptfassade mit einer dicken Bruchsteinmauer umsäumt. Genau hier soll sich künftig der zweigeschossige Fluchttreppenhaus-Turm anschmiegen. Er wird somit die von Behrens ursprünglich angedachte optische Balance erheblich verändern. Bereits Mitte der 1990er-Jahre wurde die Immobilie mit großer Sorgfalt saniert und umgebaut, um sie in eine Kindertagesstätte zu verwandeln.

 
 

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