Zeit drängt für die Schwechater 38

Foto: WAZ FotoPool

Gladbeck.  Schwechater 38 – „Unser schäbiges Haus“, nannte Eva Maria Vogel den leer stehenden Betonklotz mitten in Rentfort-Nord letzte Woche am WAZ-Mobil. Schwechater 38 – das ist ein Haus mit einer wenig ruhmreichen Geschichte, die erst mit dem Abriss beendet sein wird. Auf den hoffen vor allem die Geschäftsleute an der Schwechater Straße 38. Denn je mehr es mit dem Hochhaus bergab geht, umso schwieriger wird ihre Lage. Dass viele von ihnen bisher tapfer ausgehalten haben, ist bemerkenswert.

Allmählich aber reißt der Geduldsfaden. „Wir hängen in der Warteschleife“, sagt Apothekerin Dorothee Kraus. Seit sechs Jahren steht das Haus mit den 267 Wohnungen nun komplett leer, Fördermittel für eine Neugestaltung des Viertels (400 000 Euro) wurden längst vom Land bewilligt und warten auf Abruf.

Doch noch immer verhindert die schwierige Eigentümersituation den Abriss. Wie mehrfach berichtet, versucht eine von der Eigentümergemeinschaft gegründete Auffanggesellschaft derzeit, das gesamte Wohnungspaket zu ersteigern, um den Gebäudekomplex dann abreißen zu können. Bei 110 Eigentümern gestaltet sich das allerdings schwierig und es dauert. Doch viel Zeit ist nicht mehr. „Die Fördermittel stehen bis Ende 2013 zur Verfügung“, sagt der Beigeordnete Dr. Thomas Wilk auf WAZ-Anfrage. Auch deshalb ist das Hochhaus bei der Stadt ein „akutes Thema“. Es werden alle Möglichkeiten für eine Lösung geprüft. „Wir würden das Geld ungern verlieren“, so Wilk, der dringenden Handlungsbedarf sieht. Die zunehmend schwierige Situation rund ums Hochhaus ist der Stadt natürlich bekannt.

Was da los ist, davon kann Hausmeister Wolfgang Lischka erzählen, der im Auftrag der Geschäftsleute morgens von 6.30 bis 9 Uhr für Ordnung im Viertel sorgt. Und oft als erster erfährt, wenn nachts wieder ‘mal eingebrochen wurde. Zweimal traf es die Trinkhalle, Zigaretten im Wert von 4000 Euro holten Diebe zuletzt da raus. Auch die Apotheke, der Blumenladen, die Arztpraxis, die Physiotherapiepraxis und die Rechtsanwaltspraxis waren Ziel von Einbrechern. „Sogar meine Werkbude wurde schon aufgebrochen“, schüttelt Lischka den Kopf. Jeden Morgen sieht er, was sonst noch nachts passiert ist rund ums und im Hochhaus. Das ist zwar von der Stadt mit Gittern gegen Eindringlinge gesichert, doch das hält niemanden wirklich ab. „Die klettern überall hoch, brechen in die Wohnungen ein.“ Was nachts dort passiert? „Die hausen da, saufen, machen Feuerchen.“ Dabei fliegen Flaschen, auch Möbel, häufiger ‘mal über die Balkone nach unten.

Vandalismus

Ein leeres Haus zieht Vandalismus an. Hausmeister Lischka zeigt Stellen mit fehlenden Pflastersteinen. Sie werden dazu benutzt, Fensterscheiben einzuwerfen. Auch Gullys wurden schon ‘rausgerissen, sogar Gitter zu den Kellerschächten entfernt.

Für die Geschäftsleute sei die Situation mittlerweile existenzgefährdend, so die Apothekerin

 
 

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