Weiter lange Warteschlangen

Foto: WAZ

Selbst ein Mitarbeiter des Straßenverkehrsamtes war geschockt über den Zustand in der auch für Gladbeck zuständigen Kfz-Zulassungsstelle in Marl. Er schrieb anonym einen Leserbrief zum Bericht über die langen Warteschlangen. Er könne die Wut der Bürger verstehen, teilt er uns mit.

Eine Besserung scheint noch nicht in Sicht: Weiterhin müssten vor allem Besucher, die ohne vorherige Terminvereinbarung in die Zulassungsstelle kommen, längere Wartezeiten in Kauf nehmen, sagte Jochem Manz, Pressesprecher der Kreisverwaltung. Das sei keine erfreuliche Situation, räumte er ein. Die technischen Probleme seien zwar größtenteils behoben, aber die erkrankten Mitarbeiter würden ja nicht über Nacht wieder gesund. Die „personelle Verfügbarkeit“, so Manz, sei immer noch schwierig.

Notwendiges Fachwissen fehlt

Zur Idee, dass die Kreisverwaltung aus anderen Abteilungen Mitarbeiter als Aushilfe heranziehen könnte, sagte Manz: Mitarbeitern aus anderen Abteilungen im Kreishaus fehle zumeist das notwendige Fachwissen. Es würden aber Mitarbeiter aus anderen Abteilungen des Straßenverkehrsamtes eingesetzt.

Manz empfiehlt allen Bürgern, nicht spontan zur Zulassungsstelle zu fahren (Wartezeiten bis zu zweieinhalb Stunden), sondern im Internet die Online-Terminvereinbarung zu nutzen (Wartezeit bis zu zehn Minuten).

Auch die Personalratsvorsitzende der Kreisverwaltung, die Gladbeckerin Martina Pestke, reagierte auf den Zeitungsbericht: „Selbstverständlich kann ich auch als Personalratsvorsitzende nachvollziehen, dass Bürgerinnen und Bürger sauer sind, wenn sie lange Wartezeiten erleben.“ Sie sieht aber nicht nur die Grippewelle als eine Ursache.

Seit Jahren Stellenabbau

Seit Jahren baue die Kreisverwaltung Stellen im dreistelligen Bereich ab. Martina Pestke: „Im Jahre 2012 hat der Kreistag beschlossen, jede zweite freiwerdende Stelle nicht wieder zu besetzen und so nochmals mehr als 100 Stellen zu streichen, obwohl die Arbeit nach wie vor vorhanden ist und in einigen Bereichen sogar zunimmt.“ Als Folge dieser Beschlüsse seien auch weniger Menschen im Straßenverkehrsamt beschäftigt.

Die Hauptverantwortlichen für die Misere macht Martina Pestke in Berlin und Düsseldorf aus. Bürgerinnen und Bürger und die Beschäftigten der Kommunalverwaltungen müssten ausbaden, dass Kommunen zu wenig Geld bekämen und in der Folge immer mehr Stellen im öffentlichen Dienst unbesetzt blieben. Pestke: Hier liegt das eigentliche Problem.“

 
 

EURE FAVORITEN