WAZ-Mobil in Alt-Rentfort – Landleben mitten in der Stadt

Im Gespräch am WAZ-Mobil.
Im Gespräch am WAZ-Mobil.
Foto: WAZ FotoPool
Viele Alt-Rentforter sind einander in enger Nachbarschaftlichkeit verbunden. Die Alteingesessenen schätzen die geselligen Anlässe, Neubürger genießen vor allem die Ruhe und die Natur. Wie es sich lebt im Westen der Stadt, davon erzählten sie am WAZ-Mobil, das vor der Martin-Luther-Kirche zu Gast war.

Gladbeck.. „Ach, Gerti“, schallt es über den Platz vor der Martin-Luther-Kirche. Gerti, das ist Gertrud Feldhaus und mit ihren 92 Jahren ein echtes Alt-Rentforter Urgestein. „1950 habe ich auf den Hof Feldhaus eingeheiratet“, erzählt sie bei ihrem Besuch am WAZ-Mobil. „Wir hatten damals den Hof mit vielen Tieren: Kühe, Pferde, Schweine.“ Auf dem Hof lebt sie noch immer, Mehrgenerationenwohnen mitten in Alt-Rentfort.

Auf ihrem Hof tummelten sich die Kinder aus der Nachbarschaft, „es war immer ein herzliches Willkommen auf dem Hof Feldhaus“, sagt Anne Wunsch, für die Erwachsenen gab es „immer ein Likörchen“ von der ehemaligen Schützenkönigin Gerti. Alt-Rentfort, das ist Heimat. Hier alt zu werden in der Großfamilie kein Problem. „Wenn man Familie hat, Kinder, Enkel und Urenkel, dann wird man von alleine alt“, sagt Gertrud Feldhaus.

Immer an ihrer Seite: Tochter Annette Jäger (57), die im Stadtteil jeden zu kennen scheint. „Das finde ich so toll hier“, sagt sie und winkt einem Passanten zu. Die nachbarschaftliche Verbundenheit hat auch mit den Besonderheiten im Stadtteil zu tun. „Ich habe mir immer einen Spielplatz gewünscht“, sagt Anne Wunsch. Weil es den früher nicht gab (heute gibt es einen im Neubaugebiet an der Lottenstraße), trafen sich die Mütter mit ihren Kindern in den Privatgärten. So entstand eine Tradition des Einladens.

Alte Garde hält zusammen

Der Siedlerbund hat daran großen Anteil, auch der Schützenverein verbindet. Das weiß auch Pfarrerin Gabriele Annicker, deren Martin-Luther-Kirche in zwei Jahren entweiht werden soll (die Gemeinde kooperiert bereits mit Zweckel). „Wenn ich Geburtstagsbesuche mache, sitzen da immer viele Nachbarn“, sagt sie. Besonders die alte Garde halte zusammen, helfe aus bei Not am Mann.

Der kleine Mats (fast 2) ist mit seinem Opa Johannes Beckmann da, der ihn gerade aus der Spielgruppe abgeholt hat. „Einfach ganz toll“ findet Beckmann das Leben in Alt-Rentfort, und Mats erzählt aufgeregt, dass es zu Hause auf dem Bauernhof einen „Trecker und einen Hänger gibt“. Und dass das große Windrad in der Nähe sich dreht.

Grüne Oase am Rande der Stadt

Britta Meyer (41) lebt seit vier Jahren mit ihrer Familie an der Josefstraße. „Wir haben hier super schnell Anschluss gefunden“, sagt sie, „genau das dörfliche Leben finden wir gut.“ Sie nennt Alt-Rentfort ihre „Wohlfühl-Oase“, mit viel Grün, das sie besonders bei Spaziergängen mit ihren Hunden genieße. „Hier können Kinder noch auf der Straße spielen“, sagt sie, wenngleich ihre Kinder mit 14 und 19 Jahren nicht mehr ganz so viel draußen toben. Für die Jugendlichen ist der Schnellbus SB 91 die Verbindung zum Rest der Welt, zum Ausgehen nach Bottrop oder Oberhausen.

Aus der weiten Welt hat es auch Migranten nach Alt-Rentfort verschlagen, die jetzt hier eine neue Heimat gefunden haben. Darunter junge Familien, die den Eltern-Kind-Kurs im Gemeindehaus an der Martin-Luther-Kirche besuchen. Die Nachbarn aus unterschiedlichen Kulturen lernen sich über die Kinder ganz schnell kennen, „das ist dann hier gelebte Integration“, sagt Gemeindepädagogin Iris Stehr.

Und dass der Landarzt für alle Fälle eine Medizin parat hat, bewies Dr. Heinz Schank. Der Allgemeinmediziner eilte mit Zwetschgenwasser von Gegenüber herbei, damit am WAZ-Mobil gemeinsam zum Abschied aus Alt-Rentfort angestoßen werden konnte.

Klare Wünsche Richtung Stadtverwaltung

Die Alt-Rentforter identifizieren sich stark mit ihrem Stadtteil. Im Gespräch am WAZ-Mobil wurde das immer wieder deutlich, auch indem darauf hingewiesen wurde, wo etwas im Argen liegt. Beim Besuch der rollenden Redaktion wurde manche konstruktive Kritik geäußert, die die Stadt ausdrücklich als Arbeitsauftrag verstehen darf.

Dieter Florath ärgert sich zum Beispiel seit Jahren, dass die Oberfläche der Ziegeleistraße „zu einem immer größeren Flickenteppich verkommt“. Ähnliches gelte für den Lehmstich. Anfang der 1960er Jahre hat der heute 80-Jährige dort gebaut und ärgert sich wie viele Nachbarn über „den furchtbaren Zustand“ seiner Wohnstraße. Die Stadt müsse dort dringend etwas tun, schließlich seien es keine reinen Anliegerstraßen, da die Ziegeleistraße die Hauptzufahrt zum Friedhof darstelle und der Lehmstich der Zuweg zum Sportplatz sei.

Zebrastreifen fehlen

Sandra Schmidt (39) ist gebürtige Bottroperin und hat ihren heutigen Mann als Volleyballerin beim TV -Gladbeck kennengelernt. Bewusst sei man dann gemeinsam nach Alt-Rentfort gezogen, „weil uns der Stadtteil so gut gefallen hat“. Jetzt sorgt sich die Neubürgerin auch in Sachen Straßen, was aber weniger mit dem Fahrbahnzustand, sondern mit dem Verkehr und ihrer Tochter zu tun habe, die gerade in der Josefschule eingeschult wurde. „Vor der Grundschule an der Hegestraße fehlt ein Zebrastreifen, gleiches gilt für die Wilhelmschule, da muss die Stadt im Sinne eines sicheren Schulweges, den die Kinder auch alleine laufen können, aktiv werden.“

Weiter aktiv sein im Alter möchte Hildegard Stölting. Auch wenn es mit dem Laufen nicht mehr so gut klappe, sei sie gerne unterwegs und jetzt umso mehr auf den Bus angewiesen, so die 86-Jährige, die im Stadtteil für ihr schmuckes Dreirad bekannt ist. Es ärgere sie maßlos, dass das Bushaltenetz 2012 auch in Rentfort ausgedünnt wurde. „Jetzt kann ich mit der 258 nicht mehr direkt bis zur Sparkasse an der Marcq-en-Barouel-Straße fahren, sondern muss ein weites Stück laufen. Das muss schleunigst wieder im Sinne der älteren Bevölkerung geändert werden.“ Eigentlich rundum zufrieden ist Bernd Schilling mit seinem Wohnquartier. Vor 20 Jahren ist der 69-Jährige der Liebe wegen aus Buer nach Rentfort gezogen. „Obwohl“, sagt er, „ein Supermarkt mit großer Grünabteilung fehlt, hoffentlich tut sich da bald was an der Schwechater Straße.“

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