WAZ-Leser diskutieren über Schutzstreifen für Radler

Auf der Gildenstraße wird es an einigen Stellen für Radfahrer richtig eng.
Auf der Gildenstraße wird es an einigen Stellen für Radfahrer richtig eng.
Foto: WAZ FotoPool
Die einen halten sie für überflüssig und sogar gefährlich, die anderen wünschen sich mehr davon im Gladbecker Stadtgebiet: Über die „Schutzstreifen für Radfahrer“ auf Fahrbahnen wird äußerst kontrovers diskutiert

Gladbeck..  Die einen halten sie für überflüssig und sogar gefährlich, die anderen wünschen sich mehr davon: Über die „Schutzstreifen für Radfahrer“ auf Fahrbahnen wird äußerst kontrovers diskutiert.

„Radfahrer verunsichert“

Der Verkehrsverein Gladbeck gehört zu den Skeptikern, schon seit geraumer Zeit. Vorstandsmitglied Burchard Strunz verweist auf einen Beitrag in der Zeitschrift „Gladbeck unsere Stadt“, in der er sich schon Anfang 2012 sehr kritisch mit den markierten Streifen auf der Postallee auseinander gesetzt hat. „Dort sind die Radfahrer keineswegs sehr geschützt, weil bei der Begegnung von zwei Kraftfahrzeugen eines wegen der nicht ausreichenden Breite der Fahrbahn den Schutzstreifen mit benutzen muss“, schreibt er. Auf der deutlich breiteren Feldhauser Straße seien Radfahrer verunsichert, weil viele Kraftfahrer zu schnell unterwegs seien. Als weiteres negatives Beispiel nennt er die Gildenstraße mit den Mittelinseln, die als Querungshilfen für Fußgänger dienen: „Der Nachteil ist, dass dort die Fahrspuren verschwenken, so dass Kraftfahrer und Radler in einen Engpass geraten, weil die Kraftfahrer nicht nach links ausweichen können.“

„Extrem gefährlich“

Fotograf Peter Braczko, der fast alle Wege mit dem Rad zurücklegt, findet die Radstreifen auf der Postallee nicht nur „völlig überflüssig, sondern auch extrem gefährlich“. Er fühle sich dort sehr unsicher, „besonders wenn Lkw oder Busse nur wenige Zentimeter an mir vorbei fahren“. Braczko fordert: „Schnell weg mit den gefährlichen Streifen, die alten Postallee-Radwege neben dem Bürgersteig sind immer noch vorbildlich.“

Sportlicher Vielfahrer

WAZ-Leser Jochen Krug äußert Verständnis dafür, dass Schulkinder, ältere oder unsichere Radler sich auf den Schutzstreifen subjektiv nicht sicher fühlen. Sie könnten ja weiterhin die alten, klassischen Radwege nutzen. Als sportlicher Vielfahrer bevorzuge er selbst „ausschließlich und aus voller Überzeugung die markierten Wege auf der Straße, auf denen ich wesentlich zügiger vorwärts komme, weniger Hindernisse vorfinde und mich bisher nie gefährdet gesehen habe“.

Erheblich weniger Unfälle

Dr. Vera Bücker, Vorsitzende des ADFC Gladbeck, bricht eine Lanze für die Schutzstreifen: „Wichtigstes Argument ist, dass die Sichtbeziehung zum Pkw-Fahrer viel besser ist. Damit kommt es besonders in Kreuzungsbereichen und Einfahrten zu erheblich weniger Unfällen.“ Als weitere Vorteile listet sie u. a. auf: kaum noch Radfahrer auf der falschen Fahrbahnseite, häufige Reinigung der Schutzstreifen, Winterdienst, keine Konflikte mit Fußgängern, bessere Qualität der Fahrbahndecke, zügigeres Fahren. Bücker: „Und wenn, wie angestrebt, der Anteil des Radverkehrs steigt, wären Bordsteinradwege sowieso zu eng.“

 
 

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