Wahre Helden hinterfragen die Ehre

Foto: Lutz von Staegmann
"Heroes - gegen Unterdrückung im Namen der Ehre“ lautet der Titel eines Projektes, das es jetzt auch in Gladbeck gibt. Es geht darum, Jungs zu helfen sich zu emanzipieren - weg von einem tradierten Männerbild. Wenn sie das schaffen, sind sie wahre Helden. Projektsponsor ist der Lionsclub Gladbeck.

Gladbeck.. Wann ist ein Mann ein Mann? Die Rollenfrage stellen sich wohl alle Jungs, ganz gleich ob sie Mehmet, Kevin oder Patrick heißen. Mehmets, Hussein und Ali könnten darauf aber bald genauere Antworten finden, denn für sie startet in Gladbeck nun ein Jungen-Projekt, das sich ganz speziell mit ihnen und ihrem Rollenverständnis beschäftigt und darüber hinaus bei der Rollenfindung hilft.

Konkret heißt das: Jungen ab 13 Jahren mit Migrationshintergrund werden sensibilisiert für Fragen im Umgang mit Mädchen und Frauen, für Themen der Gleichberechtigung und Antidiskriminierung und für die Frage, was sich hinter dem Begriff der Ehre verbirgt. „Heroes - gegen Unterdrückung im Namen der Ehre“ lautet denn auch der Titel des Projekts, mit dem die Jungs sich emanzipieren können von einem tradierten Männerbild. Wenn sie das schaffen, sind sie wahre Helden, also Heroes, die wiederum anderen dabei helfen, Helden zu werden.

Gestartet sind die „Heroes“ 2007 in Berlin, seitdem findet das Modell bundesweit viele Nachahmer, darunter auch in Duisburg. In Gladbeck wird nun im Rahmen einer Kooperation eine Dependance des Duisburger Projekts aufgebaut. Ausgeguckt als Pilotschule wurde dafür die Erich-Fried-Hauptschule.

"Wir stehen für Toleranz und halten das für ein wichtiges Thema"

Das Jugendamt der Stadt und der städtische Freizeittreff Brauck sind mit im Boot, als dauerhafter Sponsor steht der Lionsclub Gladbeck dahinter. „Wir stehen für Toleranz und halten das für ein ganz wichtiges Thema“, erklärt Frank Purrnhagen, der als Clubpräsident im vergangenen Jahr den Anstoß zur Unterstützung des Projekts gab und die Heroes somit nach Gladbeck holte.

Denn wie sollen Mehmet, Hussein oder Ali, aufgewachsen in patriarchalen Familienstrukturen zwischen zwei Kulturwelten, ihre männliche Rolle in dieser Gesellschaft finden, die sie, sobald das Stichwort Ehre fällt, zudem in eine Ecke stellt mit denen, die den Begriff für Achtung und Respekt im Namen der Ehre missbrauchen?

"Man hat Angst, aus der Familie ausgegrenzt zu werden"

Ein weites Feld ist das, und nicht leicht zu beackern. Die Studenten Abdul Chahin (21) und Mehmet Ersöz (19) aus Duisburg wissen das. Sie sind bereits Heroes, haben einige Jahre lang in vielen Workshops und Diskussionen gelernt, ihr Unbehagen mit dem erlernten Rollenbild zu hinterfragen und sich zu verändern. Beispiel: „Wenn der Cousin die Cousine anschreit, weiß man, das ist nicht richtig, aber man weiß nicht, was man tun kann“, beschreibt Abdul die selbsterfahrene Unsicherheit in solchen Situationen. „Man ist ja so erzogen worden und hat Angst, aus der Familie ausgegrenzt zu werden, wenn man das Verhalten kritisiert“, sagt Mehmet. Dass die Veränderung möglich ist, weiß er heute: Durch viele Diskussionen in der Familie hat sich auch der Vater verändert, nimmt an Workshops teil. Heroe zu sein ist keine Altersfrage.

Los geht es mit einem Schnupperworkshop

Das Heroe-Projekt, das als Dependance zu dem Duisburger Projekt etabliert wird, startet in Gladbeck zunächst mit einem Schnupper-Workshop und einer Fortbildung für die Lehrer der Erich-Fried-Schule, in dem das Anliegen des Projekts für eine geschlechtsneutrale Kinder- und Jugendarbeit erläutert wird.

Schritt für Schritt geht es dann weiter, werden Kinder ab der 7. Klasse an das Thema heran geführt. In Gruppentreffen wird die eigene Männlichkeit und die Familienehre thematisiert, die auf der Unterordnung und Kontrolle von Mädchen und Frauen basiert. Die Jungen werden angeregt, bislang Selbstverständliches zu hinterfragen, ihre eigenen Erfahrungen und ihre Erziehung, auch Themen wie Diskriminierung, Erleben in der Schule, zu thematisieren.

Die Schulung zu Heroes, die ihr Wissen an Jüngere weitergeben, findet in Duisburg statt. Wer so weit kommt, erhält am Ende ein Zertifikat.

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