Vor 69 Jahren: Befreiung des KZ Auschwitz

Gedenkveranstaltung des Bündnises für Courage auf dem Europaplatz.
Gedenkveranstaltung des Bündnises für Courage auf dem Europaplatz.
Foto: WAZ FotoPool
Bündnis für Courage erinnerte an den Holocaust und rief auf zu einem Engagement für Mitmenschlichkeit. Powerpoint-Präsentation schlug Bogen von der Vergangenheit zur Gegenwart

Kalt ist es; bitterkalt, finden sogar manche Passanten, die am Montagabend in der Fußgängerzone unterwegs sind. Und auch in der Menschengruppe, die auf dem Europaplatz steht, steckt der eine oder andere seine Hände fröstelnd in die Manteltaschen. Oder liegt’s am Thema, das etwa 30 Gladbecker in diesem unwirtlichen Augenblick vor die eigene Tür an diesen Ort zusammengeführt hat? Die Befreiung des NS-Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz jährt sich am 27. Januar zum 69. Mal, das lokale Bündnis für Courage hat zum Gedenken aufgerufen.

Wehret den Anfängen

Denn, wie dessen Vertreter Roger Kreft betont: „Wir wollen heute sagen: , Vergesst nicht, dass dies möglich war. Vergesst nicht die Umstände, die dies ermöglichten. Vergesst nicht das Schweigen, das den Taten folgte.“ Und schweigen will das Bündnis für Courage eben nicht, auch wenn die Gräuel des Holocausts Jahrzehnte zurückliegen. Aber, so Kreft: Der Tag der Befreiung hinterlasse den Menschen heutzutage eine „enorme Aufgabe“. Der Holocaust habe etwas „Entsetzliches“ zu Tage gebracht, das „unsere Wahrnehmung des Humanen zutiefst irritiert“. Kreft schlussfolgert: „Seitdem wissen wir, dass wir schon kleinsten Auswüchsen an Fremdenfeindlichkeit und Rassismus entgegentreten müssen“ – nach der Devise: „Wehret den Anfängen!“

Die Organisatoren der Gedenkstunde haben Bänke aufgebaut, und DRK-Decken liegen bereit, damit die Teilnehmerrunde – trotz der unwirtlichen Situation – einigermaßen kommod dem Geschehen können. Doch das Angebot nimmt niemand wahr: Die Menschen bleiben stehen, tauschen sich aus. Manch Passant hält inne, hört Krefts Worte, blickt auf die etwa 45-minütige Powerpoint-Präsentation.

Historische Bilder rufen Vergangenes in Erinnerung, aktuelles Material schlägt einen Bogen zur Gegenwart. Denn Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, die seien auch im Jahre 2014 ein Thema, unterstreicht Kreft. Er macht in einer „sich rasant ändernden Zeit“ eine „innere Beklemmung“ und Entwurzelung der Menschen aus. „Und auch die Tendenzen, für Verunsicherungen und Ängste Sündenböcke als Schuldige oder zukünftige Bedrohung zu benennen, sind heute vorhanden“, meint Roger Kreft.

Die Bekämpfung des Rechtsex­tremismus’ müsse als Gemeinschaftsaufgabe wahrgenommen werden. Kreft ist der festen Überzeugung: „Gedenkstunden wie diese sind nicht ohne Wirkung. Sie prägen unsere Gesinnung, die Kultur der Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit in unserer Stadt.“

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