Völkerverständigung über Gaumenfreuden

Marcus Esser
Volker Stanislaw hat mit seiner Frau Qimei Li das erste bilinguale Deutsch-Chinesische-Kochbuch "Kochlöffel im Wok" geschrieben.
Volker Stanislaw hat mit seiner Frau Qimei Li das erste bilinguale Deutsch-Chinesische-Kochbuch "Kochlöffel im Wok" geschrieben.
Foto: WAZ
Der gebürtige Gladbecker und Ex-Leserbeirat Volker Stanislaw hat mit seiner Frau Qimei Lidas erste zweisprachige deutsch-chinesische Rezeptbuch „Kochlöffel im Wok“ geschrieben

Gladbeck.  Liebe geht durch den Magen, heißt es ja sprichwörtlich. Umso wichtiger, dass man bei der Einladung zum ersten gemeinsamen Kerzenlicht-Dinner daheim dann auch den Geschmack des Liebsten oder der Liebsten trifft. Was umso schwieriger wird, wenn die Partner aus verschiedenen Kulturkreisen mit stark unterschiedlichen kulinarischen Traditionen stammen.

Wie bei Volker Stanislaw und seiner mittlerweile Ehefrau Qimei Li. Sie stammt aus Südchina, er aus dem westfälischen Gladbeck. Mittlerweile fühlen sich beide am Wok wie an der Bratpfanne zu Hause und haben ihre persönliche Erfahrung in ein besonderes Projekt der Völkerverständigung via Gaumenfreuden einfließen lassen: in das bilinguale Rezeptwerk ,Kochlöffel im Wok’ mit jeweils 15 traditionell chinesischen und deutschen Rezepten.

„Soweit ich weiß, ist es das erste seiner Art, das zweisprachig die Gerichte samt allen Zutaten und der Zubereitungsart erklärt“, sagt Volker Stanislaw, der Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt China in Bochum studierte. Hier hat er auch seine Frau kennengelernt, die als Wirtschaftswissenschaftlerin ein Auslandssemester in Deutschland absolvierte. Beide bildeten ein Studenten-Sprachtandem, um sich gegenseitig beim Erlernen der Fremdsprache, Mandarin beziehungsweise Deutsch, behilflich zu sein – und wurden sich so auch privat immer sympathischer.

Nach Auslandssemester und regelmäßigen Besuchen bei den Schwiegereltern im fernen Shantou, einer großen Küstenstadt in der Nähe von Hongkong, ist Stanislaw inzwischen auch gut bewandert in der chinesischen Kochphilosophie. „Man kann von einer Yin-und-Yang-Küche sprechen, da die Nahrungsbestandteile jeweils diesen polar einander entgegengesetzten und dennoch aufeinander bezogenen Kräften zugeordnet sind, was bei der Zusammenstellung der Gerichte beachtet wird“, erklärt Stanislaw. Zu eiweißhaltigen Speisen passe so zum Beispiel ein Vitamin-C-haltiges Dessert wie Obstsalat.

Und dass der Begriff Gemüse in Deutschland weiter gesteckt wird als in China, das weiß Qimei Li inzwischen genau: „In China gilt nur als Gemüse, was grün ist – Paprika zählt also nicht dazu.“ Sie selbst liebt deutsche Fleischgerichte „alles, wo ein Knochen dran ist“, sagt sie mit einem Lachen. Ihr absolutes Leibgericht ist allerdings ohne hartes Beiwerk: Nackenbraten.

Nackenbraten das Leibgericht

„Fleisch als großes Stück zu braten, ist in China nämlich unüblich“, erklärt Volker Stanislaw. Dazu sei es bei vergleichbaren Preisen wie in Deutschland und einem Monatseinkommen von durchschnittlich lediglich 300 bis 400 Euro „einfach zu teuer“ und werde nur in kleinen Portionen oder Fleischstücken den Gerichten beigefügt. Reis ist der kostengünstigste Sattmacher, der in China allerdings nicht zum Essen, sondern immer erst am Ende der Mahlzeit verzehrt werde. Während des gesamten Essens stehe zudem meist eine Schale dünner Suppe neben dem Teller bereit, „denn die wird traditionell statt Getränk gereicht, um den Durst zu löschen“.

Natürlich durfte im Kochbuch nicht das Lieblingsgericht von Mao Tse Tung fehlen: Rotgeschmorter Schweinebauch. Volker Stanislaw steht indes auf ganz moderne CinaKüche: „Cola Hähnchenflügel“.

„Kochlöffel im Wok“(4,80 €), Deutsch-Chinesische Verlagsanstalt,
Düsseldorf, ISBN: 978-3-943343-02-1