Viel gesehen und doch zu wenig

Steffen Schulte-Batenbrock und Sebastian Weller, Student an der Uni Duisburg Essen, machen in Kuala Lumpur ein Auslandssemester, hier auf der Formel 1 Autorennstrecke in Singapur.
Steffen Schulte-Batenbrock und Sebastian Weller, Student an der Uni Duisburg Essen, machen in Kuala Lumpur ein Auslandssemester, hier auf der Formel 1 Autorennstrecke in Singapur.
Foto: WAZ FotoPool

Gladbeck..  10 000 Kilometer weit weg von zu Hause: Das war für Sebastian Weller und Steffen Schulte-Batenbrock kein Problem. Die beiden Gladbecker Studenten legten kurzerhand ein Auslandssemester in Malaysia ein und sammelten „Erfahrungen fürs Leben“, wie sie selber sagen.

Warum ausgerechnet Malaysia? „Wir wollten eine ganz andere Kultur kennenlernen“, erklären die beiden Studenten aus dem Wirtschaftsingenieurwesen der Universität Duisburg-Essen. Mit dem Austauschprogramm der Hochschule bot sich das Land einfach an.Vorab waren sie mächtig aufgeregt. „Wir wussten ja nicht, wie wir zurechtkommen“, so Steffen Schulte-Batenbrock. „Wir waren am anderen Ende der Welt; man wusste schon, dass es dort anders ist. Aber was heißt das schon?“

Nach 13 Stunden Flug war es dann soweit für die Abiturienten aus dem Jahr 2007. „Wir waren richtig gespannt.“ Angekommen in Kuala Lumpur traf die beiden Gladbecker aber erst einmal der Schlag. „Im Flugzeug war es klimatisiert, und dort herrschte tropisches Klima. Über 30 Grad waren es damals.“ Und damit nicht genug: „Im Taxi war die Klimaanlage dann wieder voll aufgedreht.“ Dieses Hin und Her machte den beiden richtig zu schaffen. „Ob in Kaufhäusern oder in der Universität. Dort kannte man nur zwei Extreme: heiß oder kalt.“

Der guten Stimmung vor Ort konnte das jedoch keinen Abbruch tun. „Ich habe die Menschen nicht so offen erwartet, wie wir sie tatsächlich kennengelernt haben“, erinnert sich Steffen Schulte-Batenbrock. Als wahre Attraktion wurden die beiden „weißen 1,90-Meter-Hünen“ anfangs gesehen. „Wir wurden auch häufiger ganz unauffällig fotografiert. Aber das machte uns nichts aus“, so Sebastian Weller. Viele Malaien konnten den Besuch der beiden Deutschen nicht verstehen. „Ihr kommt in unser Land, um zu studieren, obwohl ihr aus Deutschland seid? Diese Frage haben wir wirklich sehr oft gehört“, erinnern sich die beiden.

Es sind ganz besondere Momente oder einfach örtliche Gegebenheiten, an die sich Steffen Schulte-Batenbrock und Sebastian Weller entsinnen. Ein Beispiel: „Wenn es in Malaysia regnet, dann tröpfelt es nicht einfach nur ein bisschen. Dann geht die Welt unter. Das war echt beeindruckend.“ Auch auf eine Hochzeit war das Duo eingeladen. „Wir wurden behandelt wie die engste Familie. Das ganze Dorf feierte dieses Fest. Die Menschen waren einfach glücklich, uns zu sehen, und wir waren es, weil wir dabei sein durften.“

Um sich zu verständigen, belegten die beiden sogar einen Bahasa-Sprachkurs, die Amtssprache Malaysias. Und in Singapur erlebten sie den Sieg von Sebastian Vettel auf der Formel-1-Rennstrecke live auf der Tribüne.

Bei so viel Neuem geriet der Uni-Alltag fast in Vergessenheit. „Es war eher wie in der Schule“, erklärt Sebastian Weller. In einem Kurs saßen nicht mehr als 50 Studierende, man bekam Hausaufgaben auf, und es gab sogar unangekündigte Tests. Auch die Universitätsgebäude waren ganz anders als in Deutschland. „Der Campus war riesig“, schwärmt Steffen Schulte-Batenbrock. So fuhr der Bus alleine auf dem Campus von Raum zu Raum schon mal zehn Minuten.

Eines vermissten die beiden Gladbecker aber doch: deutsche Disziplin und Pünktlichkeit. „Manchmal war das Fitnesscenter einfach geschlossen, weil der Trainer keine Lust hatte“, wunderten sich die beiden. Auch der Professor ließ sich manchmal gerne zum Unterricht bitten. „Gerade wenn man vor verschlossenen Türen stand, vermisste man die Zuverlässigkeit. Andererseits hatten wir dadurch auch mehr Freiheiten.“

„Wir haben viel von Asien gesehen und doch war es zu wenig. Nie hätten wir gedacht, dass es so viele sehenswerte Seiten dort gibt“, sagt Sebastian Weller. Deswegen werden sie auch zurückkehren. Doch das Studium geht vor. Und vielleicht, so könnten sie es sich durchaus vorstellen, verschlägt es die beiden auch einmal beruflich in ihr neu geliebtes Land.

 

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