Verwirrung über Gutachten

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Experte Prof. Dr. Martin Lühder klärt auf: Je nach Ausbauplänen variieren die Prognosen für den Verkehr auf der geplanten Stadtallee auf dem Deckel der A 52.

Gladbeck.. Zwei Verkehrsgutachten im Zusammenhang mit dem Ausbau der A 52 sind zurzeit in der Diskussion und sorgen mit ihren unterschiedlichen Aussagen zu innerstädtischen Verkehrszahlen für Verwirrung, Kritiker vermuten dahinter sogar eine bewusste Verschleierung der Fakten.

Es geht im Kern um die Frage, wie stark befahren die geplante Stadtallee auf dem Tunnel sein würde, wenn es zu der vorgeschlagenen Ausbauform kommen sollte. Die prognostizierten Zahlen variieren je nach Gutachten zwischen täglich 7000 (IVV-Gutachten 2009, Auftraggeber Stadt) und 15 000 Fahrzeugen (Gutachten 2011 Auftraggeber Straßen.NRW).

Warum das so ist und wie diese Zahlen errechnet werden, erklärt Professor Dr. Martin Lühder, der die Stadt als Gutachter bei den Verhandlungen für den Ausbau in den letzten zwei Jahren beraten hat, auf WAZ-Anfrage. „Entscheidend für eine Verkehrsprognose ist die Ausgestaltung einer Straße.“ Zugrunde gelegt werde bei den Berechnungen die Annahme, dass Autofahrer zügig von A nach B fahren wollen.

Das heißt: Je mehr Widerstände eine Straße bietet, umso weniger wird sie befahren. Also hätte eine eher beruhigte, gestaltete Stadtstraße, auf der maximal 50 km/h gefahren werden dürfen, ein geringeres Verkehrsaufkommen – auf dieser Annahme basieren die Zahlen im IVV-Gutachten. Dr. Lühder weist darauf hin, dass die Gestaltung der Stadtstraße auf dem Tunnel laut Ausbauvorschlag in den Händen der Stadt liegen werde.

Das von Straßen.NRW in Auftrag gegebene Gutachten (Ingenieurbüro Stolz) gehe dagegen von einer innerstädtischen Durchgangsstraße mit z.B. Tempo 70 aus – die also nach der Logik des Verhaltens der Autofahrer stärker befahren werden würde. Für den Verkehrsexperten sind jedoch andere Zahlen wichtiger: „Mit dem Tunnel kämen 50 000 Fahrzeuge unter die Erde.“

 
 

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