Unterwegs in Gladbeck mit Muskelkraft statt Pferdestärke

Stefan Rohr, Hausmeister im Rathaus, macht mit beim Stadtradeln.
Stefan Rohr, Hausmeister im Rathaus, macht mit beim Stadtradeln.
Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPo
Stefan Rohr macht mit bei der Aktion Stadtradeln. Drei Wochen lang lässt er, wie viele andere Gladbecker auch, sein Auto stehen und nimmt stattdessen das Fahrrad um zur Arbeit im Rathaus zu fahren. Ein willkommener Perspektivwechsel mit Trainingseffekt für den Hausmeister.

Gladbeck.  Das Auto hat Pause. Seit gut anderthalb Wochen setzt Stefan Rohr auf Muskelkraft statt Pferdestärken und radelt zur Arbeit, zu Freunden – eben überall hin. Ehrensache für den Hausmeister im Gladbecker Rathaus, dass er beim Stadtradeln mitmacht. Einzige Ausnahme: Großeinkäufe für die Familie erledigt er weiter mit dem Auto. „Zwei Kisten Wasser passen nur schlecht aufs Fahrrad“, sagt der 41-Jährige lächelnd.

Drei Wochen lang setzt Stefan Rohr sich jetzt morgens auf den Sattel seines Trekkingrads, um von Gelsenkirchen-Beckhausen durch Brauck zum Rathaus in der Gladbecker Innenstadt zu fahren. „Nicht unbedingt eine schöne Strecke“, sagt er. 5,4 Kilometer von Tür zu Tür zeigt der Tacho am Lenker, „die trage ich immer brav in den Radkalender ein“ – rund 100 Kilometer ist er bisher beim Stadtradeln gefahren.

Gute Wege, schlechte Wege

In der Früh wählt er die Horster Straße. Ein bisschen anstrengend ist das schon, immerhin gibt es dort eine langgezogene Steigung. „Auf dem Radweg kann man gut fahren“, nur manchmal müsse er Schülergruppen ausweichen, die auf den Schulbus warten. Am Nachmittag fährt er meist die Strecke über die Landstraße nach Süden. „Das geht schneller“, sagt er, an der Horster Straße gebe es zu viele Ampeln.

Während das Rad an der Horster Straße ruhig auf dem breiten Radweg rollen kann, ist der Radstreifen an der Landstraße nur etwas für Sattelfeste und Abenteuerlustige. Dicke Baumwurzeln haben den Asphalt an vielen Stellen hochgedrückt und den Rad- und Gehweg stadtauswärts in eine Buckelpiste „allererster Kajüte“ verwandelt. Da helfen auch die Federungen an Gabel und Sattel nicht. Unebene Straßenstücke haben schon ihren Tribut gefordert: „Eine Speiche ist gebrochen“, doch als versierter Handwerker und Bastler löst Stefan Rohr so ein Problem natürlich selbst und mit links.

Bleibt die Straße. Und die hat gen Süden ein angenehmes Gefälle – auf dem Heimweg kann Stefan Rohr locker laufen lassen. Für die Landstraße gilt weitgehend Tempo 30 – da drängeln die Autofahrer auch nicht, wenn er zügig fährt.

„Das Stadtradeln ist eine gute Sache“, sagt Rohr. Dass manche Mitradler wesentlich mehr Kilometer „fressen“ (ein Kollege habe bereits 500 Kilometer auf dem Tacho), tut seiner Freude über die tägliche Portion Extra-Bewegung keinen Abbruch. Ich halte mich eben an das Kleinvieh“, sagt er.

Stadtradeln wurde wegen des Pfingststurms Ela verschoben

Eigentlich sollten die Gladbecker ja bereits im Juni für drei Wochen auf den Drahtesel umsatteln, der Termin war aber wegen der Auswirkungen des Pfingststurms Ela verschoben worden. Nun also radeln die Gladbecker und andere Stadtradler in der Region in den Herbst statt in den Sommer. Und das Wetter spielt mit – zumindest für Stefan Rohr. Richtig nass geworden sei er bislang noch nicht, „und wenn es mal ein bisschen nieselt, dann ist das doch kein Thema.“ Bei einem richtigen Wolkenbruch allerdings müsste er vielleicht doch auf eine Alternative umsteigen.

Am Wochenende will Rohr auch mal auf eine größere Tour gehen, zusammen mit ein paar Kumpels. Dass seine Familie nicht voll mit in die Pedale tritt, liegt vor allem daran, dass der Sohnemann erst vier Jahre alt ist und noch ein Radler werden will. Er darf sich noch im Anhänger vergnügen, wenn die Rohrs mal gemeinsam losstrampeln.

„Radeln für ein gutes Klima“ lautet das Motto der bundesweiten Aktion. Angesichts der Blechlawinen, die sich zum Feierabend über die B224 wälzen, sicherlich nicht verkehrt. Der Umweltschutz ist aber nur ein Aspekt. Denn die zusätzliche Bewegung ist eben auch der Gesundheit zuträglich.

„Ein paar Jeanshosen fühlen sich schon enger an als zuvor“, sagt Stefan Rohr. Nicht Speck, sondern wiedererstarkte Muskeln lassen den Stoff straff werden. Auch knapp elf Kilometer am Tag haben also einen spürbaren Trainingseffekt für den Hausmeister. So viel zum Thema „Kleinvieh“.

 
 

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