Unentschiedene Jugend

Foto: WAZ FotoPool

Gladbeck..  Für die Gladbecker Jugendlichen ist der Ausbau der B 224 und der zuvor anstehende Ratsbürgerentscheid offenbar kein Thema – noch nicht. Die Schulen wollen das Thema nämlich auf die Tagesordnung setzen. Das ergab eine Umfrage der WAZ unter Schülern und Schulleitern der weiterführenden Schulen.

Die Schulleiter sehen in dem aktuellen politischen Prozess eine gute Möglichkeit, Demokratie in der Praxis zu erfahren. Heidrun Schütte-Ständeke, Schulleiterin des Heisenberg-Gymnasiums, glaubt in diesem Prozess einen guten Aufhänger für den Umgang mit Demokratie im Politikunterricht gefunden zu haben. Sie stelle sich nun die Frage „Wie bereiten wir unsere Schüler vor?“

Und auch an den anderen Schulen stellt man sich diese Frage. Jörg Weichert, stellv. Schulleiter der Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule, glaubt ebenfalls, dass das Thema im Unterricht behandelt werden sollte. Da das Lesen der Tageszeitung eh zum Politikunterricht gehöre, werde auch das Thema A 52 auf jeden Fall einfließen. Allerdings, meint Weichert, sei der Meinungsbildungsprozess nicht nach einer Unterrichtsstunde abgeschlossen. Die Wahlbeteiligung seiner Schüler, schätzt er, falle wohl ähnlich hoch aus wie bei der letzten Kommunalwahl.

„Der Bürgerentscheid betrifft nicht die unmittlebare Lebenswelt der Jugendlichen“, meint Michael Nieswandt, Schulleiter des Riesener-Gymnasiums. Daher müsse man die Schüler anstoßen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Denn eigentlich sei der Umbau für die Schüler schon relevant. An einen ähnlichen Fall erinnert sich Nieswandt noch aus seiner Oberhausener Zeit. Damals wurde über den Bau des CentrO diskutiert. Selbst im Deutschunterricht könne man über solche Fragen Erörterungen schreiben.

Auch am Ratsgymnasium werde der Ratsbürgerentscheid bearbeitet, erklärt Schulleiter Manfred Lauffs. Hier wird sogar eine Facharbeit über dieses Thema geschrieben. Viele Schulen gaben an, dass der Bürgerentscheid vor allem in den Wochen vor der Abstimmung im Unterricht thematisiert werde.

Doch wie gehen die Schüler selbst mit der Diskussion um? Eine nicht repräsentative Umfrage unter Schülern der drei Gymnasien zeigt, dass sich viele noch gar nicht oder nur sehr wenig mit dem Ratsbürgerentscheid beschäftigt haben. Allerdings gibt es auch Gegenbeispiele: Sebastian Himmelseher, 19, vom Ratsgymnasium, hat sich schon im Internet und über die Zeitung informiert und wird in jedem Fall an der Abstimmung teilnehmen. Er wird auch zu einer Infoveranstaltung gehen, denn noch ist er sich nicht sicher, wie er abstimmen wird. Doch stellt auch er fest, dass viele nicht wissen, worum es überhaupt geht.

Anders bei Martin Berner, ebenfalls 19, vom Riesener -Gymnasium. Er hat sich schon unzählige Male im Stau auf der B 224 Gedanken über den Ausbau zur A 52 gemacht und sieht den Bedarf an einer verkehrstechnischen Lösung. Auch er wird zur Abstimmung gehen und wahrscheinlich für den Umbau stimmen.

Die 18jährige Heisenbergerin Melissa Zavodnik ist eher gegen einen Ausbau. Allerdings findet sie, dass die Präsenz des Themas übertrieben ist: „Es gibt momentan kaum ein anderes Thema mehr in Gladbeck“, stellt sie ein wenig genervt fest.

Der Heisenberger Kai Zulauf, 18, findet den Ratsbürgerentscheid besser, als wenn man die Bürger gar fragen würde, fragt sich aber auch: „Wie viel zählt meine Stimme überhaupt?“ In ihrem Freundekreis, so stellten alle Befragten fest, werde nicht über den Ausbau diskutiert.

Die Jugendlichen machen einen bedeutenden Teil der Stimmen beim Ratsbürgerentscheid aus: Immerhin 3730 Jugendliche im Alter zwischen 16 und 20 Jahren sind wahlberechtigt. Und sie betrifft das Ergebnis am meisten: Sie sind diejenigen, die vom Ausbau oder vom Nicht-Ausbau am längsten betroffen sein werden.

 
 

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