Überfall bei „Gladbeck Total“ „war nicht zu verhindern“

Maria Lüning
Der Notarzt war beim Stadtfest „Gladbeck Total“ im Einsatz. Foto: Lars Fröhlich
Der Notarzt war beim Stadtfest „Gladbeck Total“ im Einsatz. Foto: Lars Fröhlich
Foto: WAZ FotoPool

Gladbeck. Die Stadtspitze hat sich zu dem tragischen Vorfall beim Fest „Gladbeck Total“ geäußert. Die zentrale Frage: Wäre die Atacke auf den 21-jährigen Kevin zu verhindern gewesen? Nein, meint Ordnungsdezernent Dr. Thomas Wilk.

Wäre die brutale Attacke auf den 21-jährigen Kevin beim Stadtfest zu verhindern gewesen? Das ist eine der Fragen, die sich die Stadtverwaltung seit dem Vorfall stellt, auf die sie aber bereits eine klare Antwort hat.

„Diese Gewalt ist ein gesamtgesellschaftliches Problem“

„Wir hätten diesen konkreten Überfall nicht verhindern können. Das Stadtfest war der Anlass, nicht die Ursache“, sagt Ordnungsdezernent Dr. Thomas Wilk bei einer Pressekonferenz. Weder durch noch mehr Sicherheitskräfte, noch durch eine Videoüberwachung des Festgeländes wäre das möglich gewesen. Denn die Auseinandersetzung und der, wie man nun weiß, entscheidende eine Faustschlag fand am Rand des Fests, an der Friedrichstraße in Höhe der Stadthalle statt. Also außerhalb des eigentlichen Stadtfest-Geländes. Bürgermeister Ulrich Roland sieht in der Brutalität der Attacke auch Parallelen zum Münchner U-Bahn-Überfall. „Diese Gewalt ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das können wir hier nicht lösen.“

Das Stadtfest an sich sei ja völlig unproblematisch gewesen, es habe keine besondere Vorkommnisse gegeben, betonen Bürgermeister und Matthias Alt für die Werbegemeinschaft, die das Fest in Zusammenarbeit mit der Stadt veranstaltet. Dass auf dem Platz hinter dem Rathaus Hunderte von Jugendlichen ihr „eigenes“ Fest feiern, auch Minderjährige dabei Hochprozentiges in großen Mengen trinken – diese Tatsache gebe es seit Jahren und sei weder durch noch großräumigere Einzäunung noch durch mehr Security zu lösen. „Dann gehen die einfach woanders hin“, berichtet Stadtpressesprecher Peter Breßer-Barnebeck von den Erfahrungen in der Vergangenheit. Auch Alternativ-Angebote wären auf wenig Interesse gestoßen. Im übrigen verhielten sich über 90 Prozent der dort Anwesenden weitgehend korrekt. Und aus Sicht des Jugendschutzes sei es besser, man habe die Feiernden dort halbwegs im Blick, als dass sie völlig außerhalb der Kontrolle sind, ergänzt Jugenddezernent Rainer Weichelt. So könne der Jugendschutz seine Angebote machen, sich als Ansprechpartner anbieten und Partypacks mit aufklärenden Infos über die Folgen zu vielen Alkoholkonsums verteilen.

„100prozentige Sicherheit kann es nicht geben“

„Aber wir werden in den nächsten Monaten diskutieren, was wir wollen und sicher ganz anders sensibilisert in das Appeltatenfest gehen“, kündigt Ulrich Roland eine Konsequenz aus dem tragischen Ereignis bei Gladbeck Total an. Klar sei aber: „100prozentige Sicherheit kann es nicht geben.“ Denn auch der Kommunale Ordnungsdienst, der am Freitag und Samstag von 20 Uhr abends bis 2.30 Uhr am frühen Morgen im Dienst war – „und keinen leichten Job hatte“ – sei für Fälle von gewalttätiger Auseinandersetzungen nicht ausgerüstet und nicht zuständig. „Das ist Sache der Polizei“, so Roland.