Trendsport mit langer Halbwertszeit

Alena Hellwig

Galdbeck. Die Stadt hat viel Geld in ihren Parkourplatz investiert. Doch lohnt sich das für eine Randsportart? Sportler und Stadt sind davon überzeugt und in der Tat: Alles spricht für eine lange Erfolgsgeschichte.

Wenn die Stadt für eine Randsportart wie Parkour 130.000 Euro in die Hand nimmt, steht schnell die Frage im Raum, ob sich eine solche Investition überhaupt lohnt. Wie bei jedem Trend liegt die Vermutung nahe, dass Parkour nur eine begrenzte „Halbwertzeit“ besitzt und der neue Platz in Butendorf schon bald seine Anziehungskraft verliert.

Sport verbindet – vor allem, wenn es keine alltägliche Sportart ist

Dass es nicht so sein muss, zeigt die Skater-Szene in Gladbeck: Auch der Sport auf dem Rollbrett begann in den 70er-Jahren als Außenseiter und wurde nur von wenigen Unerschrockenen betrieben. Heute ist der Skatepark an der Horster Straße noch immer gut besucht und die Sportart jedem ein Begriff. „Es ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich, aber zurzeit sind wieder sehr viele Skater hier aktiv“, erzählt Allessandro Di Meo. Er selbst trainiert seit neun Jahren fast täglich hier und ist sich sicher: „Skaten wird immer seine Anhänger haben.“

Sportsoziologen sprechen von einer Trendsportart, wenn sie von ihren Anhängern aus dem Wunsch heraus betrieben wird, sich von Tradition und Mainstream abzusetzen und Neues zu wagen. Das stiftet Zusammengehörigkeit und bildet ganze Szenen, die den Sport zum Mittelpunkt ihres Freizeitlebens machen. Das gilt auch für Parkour.

Unterstützung findet die Entwicklung des Parkour auch beim VfL Gladbeck

Wenn sich die neue Sportart zudem in der breiten Öffentlichkeit etablieren kann, steht einer langen Erfolgsgeschichte nichts im Wege. Im Gladbecker Parkoursport ist ein erster Schritt in diese Richtung bereits gemacht. Seit knapp zwei Jahren ist dem VfL Gladbeck eine Parkour-Abteilung angegliedert. Mit festen Hallenzeiten und einem fachkundigen Coach trainieren die Sportler mindestens einmal pro Woche. Bärbel Klatt-Seipelt vom VfL sieht eine positive Entwicklung: „Die Nachfrage ist groß. Die Gruppe wächst fast wöchentlich.“ Zurzeit sollen schon mehr als 50 Parkourläufer aktiv sein.

Ein wichtiger Pluspunkt: Parkour erfordert keine spezielle Ausrüstung und kann an fast jeder beliebigen Stelle trainiert werden. Das macht den Sport attraktiv für viele und verspricht folglich eine wachsende Anhängerschaft.

Andere Städte wollen dem Gladbecker Beispiel folgen

Inzwischen bauen die Städte Essen und Bochum an eigenen Parkourplätzen und auch in Herne läuft die Planung. Die Anzeichen sprechen also dafür, dass der Exot Parkour keine kurzlebige Modeerscheinung ist, sondern sich zu einer ernstzunehmenden Sportart entwickeln könnte.