Taubenväter in Gladbeck blicken mit Sorgen in die Zukunft

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Ein Hobby stirbt aus. Waren 1972 noch 450 Brieftaubenzüchter bei der Reisevereinigung Gladbeck registriert, so sind es momentan gerade noch 59.

Gladbeck.. Manfred Berger (71) ist seit vier Jahrzehnten dabei, ein Taubenvatta durch und durch. Den Niedergang seines Hobbys findet er äußerst betrüblich, sieht der Wahrheit aber gefasst ins Auge: „Es ist wie es ist.“

Der Altersdurchschnitt der Brieftaubenzüchter liegt bei 64 Jahren, von Nachwuchs kann so gut wie keine Rede sein. Die Jugend fehlt. „Es ist eben äußerst zeitintensiv und auch nicht so ganz billig“, weiß Manfred Berger. Und seine Frau Marianne (64) ergänzt: „Dieser Niedergang trifft nicht nur uns, sondern auch die Kleintierzüchter. Unsere Zukunft sieht nicht so rosig aus.“

Scheu vor der Verantwortung

Dabei haben die Taubenfreunde einiges getan, um die Werbetrommel zu rühren. „Wir waren mit den Tauben beim Appeltatenfest und bei der Moschee-Eröffnung dabei, aber geholfen hat es nichts.“ Das Image von Taubenvatta Jupp aufzupolieren „ist eben ganz schwierig“. Anderes gilt der Jugend halt als cooler. Doch schon „vor den Smartphones“ setzte das mangelnde Interesse am Taubensport ein, so Manfred Berger. Es war der Niedergang der klassischen Zechensiedlung. „In den neuen Häusern wollten die meisten keine Tauben halten, da macht der Nachbar Theater.“

Zudem sind die aktuellen Grundstücke klein, bieten kaum Platz für den Schlag. Das liebe Geld ist das nächste Aussortier-Argument. Rund 130 Euro gibt Berger im Monat aus, inklusive Vereinsbeiträgen und Futter. Ein so großer Schlag wie seiner, den der Schwiegervater baute, kostet um die 17 000 Euro. Marianne: „Heute halten die Menschen eher Hund oder Katze.“ Und das sind in der Anzahl weniger als die Bewohner eines Schlages. „Als ich meinen Mann 1990 heiratete, hatte ich nicht nur einen Partner, sondern gleich 80 Tauben dazu.“

In der Reisezeit bis September keinen Sommerurlaub gemacht

Vielleicht, so mutmaßt sie, sind es nicht nur das Geld und die Zeit – „Solange ich denken kann, haben wir wegen der Reisezeit bis September keinen Sommerurlaub gemacht“ –, sondern auch die Scheu vor der Verantwortung, die die Jugend zögern lässt. Denn Sporttauben werden vom Ei bis zum erwachsenen Tier begleitet. „Da steckt ganz viel Verantwortung drin.“

"Tauben wollen so schnell wie möglich nach Hause kommen"

Doch die Tiere geben auch etwas zurück. Manfred findet es immer wieder faszinierend und aufregend, bei Wettflügen, die über Distanzen von bis zu 600 Kilometer gehen, auf die Rückkehr der Tiere zu warten. „Es ist einfach toll, wie die Tauben so schnell wie möglich nach Hause kommen wollen.“

Durch Zucht sind sie mittlerweile 80 Stundenkilometer schnell. „Als ich anfing, waren es 65.“ Und Marianne kann in der schnelllebigen Zeit dem Städter die Luftakrobaten nur empfehlen. „Hat einer Burnout, dann sage ich: Setzt dich in den Taubenschlag. Die Tiere hören zu, das ist beruhigend, ja therapeutisch.“

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