Tauben flogen zur Eröffnung der neuen Moschee in Rentfort

Der Islamischer Kulturverein eröffnete Moschee an der Haldernstraße. Mustapha Benomrane zeigte den Besuchern das Innere der Moschee.
Der Islamischer Kulturverein eröffnete Moschee an der Haldernstraße. Mustapha Benomrane zeigte den Besuchern das Innere der Moschee.
Foto: WAZFotoPool
Der Islamische Kulturverein hat seine Moschee an der Haldenstraße in Rentfort eröffnet – in der ehemaligen Taubeneinsatzhalle. Zahlreiche Gäste, auch das der Nachbarschaft, waren dazu an die Haldenstraße gekommen. Untern ihnen auch Taubenzüchter, die einige Vögel mitbrachten und aufsteigen ließen.

Gladbeck.  100 Tauben flogen am Samstag ein letztes Mal an der Haldenstraße in den Gladbecker Himmel. Manfred Berger, der Vorsitzende der Brieftaubenreisevereinigung, schickte sie von der ehemaligen Taubenhalle, die jetzt eine Moschee ist, auf den Flug in den Heimatschlag. Er tat das Hand in Hand mit Mohamed Aouragh, dem Vorsitzenden des Islamischen Kulturvereins, der neue Hausherr an der Haldenstraße ist, und unter dem Beifall vieler Gäste aus dem Stadtteil.

Dieser feierliche Moment beim fröhlichen Eröffnungsfest mit Essen und Musik auf dem Hof vor der Moschee ließ wohl kaum einen der Besucher unberührt. Stand doch der Flug der Tauben für Abschied und Neubeginn, aber auch für Frieden und Freude. Denn dass so viele Nachbarn und Alt-Rentforter, Politiker und Vertreter der Stadtverwaltung der Einladung zum gemeinsamen Feiern und Kennenlernen von muslimischem Verein und Moschee gefolgt waren, das war für Mohamed Aouragh an diesem Tag die größte Freude.

„Der Weg war nicht einfach“

„Der Weg hierher war nicht einfach, wir brauchten viel Geduld und Ausdauer“, erinnerte er bei der Begrüßung an die vergangenen 30 Jahre, in denen der von zugewanderten Marokkanern gegründete Kulturverein in beengten, ungeeigneten Räumen wie zuletzt an der Rentforter Straße ihre Gebete verrichten mussten. Dass auch der Umzug in die Taubenhalle in Alt-Rentfort anfangs von unschönen Misstönen begleitet worden war, erwähnt er so wenig wie die Versuche der rechtspopulistischen UBP vor der Kommunalwahl, durch das Schüren von Ängsten in der Bevölkerung Stimmen zu fangen.

„Dies ist ein Ort, an dem Muslime und Nichtmuslime zusammen kommen, an dem nicht nur religiöse, sondern auch interkulturelle Bildung gefördert werden soll. Wir feiern heute das Ergebnis guter Zusammenarbeit mit der Stadt, unser Dank gilt insbesondere Bürgermeister Ulrich Roland für seine Unterstützung, und all denen, die mit Spenden und helfenden Händen zur Verwirklichung unserer Idee beigetragen haben.“

Der erste Schritt in „eine bessere interkulturelle Zukunft“, wie Aouragh es hofft, er wurde an dem Tag bereits gemacht. „Schön, dass wir als Nachbarn eingeladen wurden.“ Christa und Thomas Bons wohnen direkt gegenüber der neuen Moschee und sind angenehm berührt von der Herzlichkeit, mit der sie empfangen werden. Keine der Befürchtungen, die damals in der Bürgerversammlung geäußert wurden, sei eingetreten, sagt das Ehepaar. Nicht mal bemerkt hätten sie, dass seit Wochen jeden Freitag in der Moschee gebetet werde. Die Sorge, die Straße sei dann zugeparkt, war unbegründet.

Kerstin Stefan ist ebenfalls angetan von der Freundlichkeit der neuen Besitzer der Taubenhalle. „Alle sind sehr lieb. Wir gehen mit unseren Hunden hier über den Hof durch bis zur Halde, das funktioniert weiterhin ganz problemlos.“

Bürger warfen auch einen Blick ins Innere der neuen Moschee

Die zwei Damen aus Rentfort-Nord, die hoch interessiert dem islamischen Gesang der Mädchengruppe, dem Anlass entsprechend in langen Kleidern und mit grünen Kopftüchern gekleidet, lauschen, sind aus Neugierde gekommen. „Wir waren noch nie in einer Moschee. Ob man die besichtigen kann?“

Klar, das tun an dem Tag viele, lassen ihre Schuhe vor der Tür stehen und werden von Vorstandsmitglied Mustapha Benomrane und dem jungen Anas Elboukhrissi (18), der auch die Moderation draußen auf der Bühne macht, über die Gebetsräume und die religiösen Gebräuche informiert.

Auch Hans Michalak schaut sich in dem mit Teppichen ausgelegten, eher schlichten Gebetsräumen um. Der Taubenzüchter hat die Taubenhalle in den 70er Jahren einst mit gebaut. Verspürt er Wehmut jetzt, wo alles verändert ist? Michalak zuckt mit den Schultern. „Damals waren wir 600, heute hat unsere Reisevereinigung nur noch 39 Mitglieder“, sagt er nüchtern. Der Verkauf der Taubenhalle an den Islamischen Kulturverein war eine finanzielle Notwendigkeit. Die Taubenzüchter lassen ihre Vögel jetzt von Horst aus fliegen. Und in der Halle wird jetzt muslimisch gebetet. Ist eben so. Die Zeiten ändern sich.

 
 

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