Stress mit Badegästen - Freibäder nutzen Sicherheitsdienste

Dagobert Ernst
Security: Was man von Popkonzerten kennt oder aus Diskos, ist mittlerweile auch in Freibädern zu finden.
Security: Was man von Popkonzerten kennt oder aus Diskos, ist mittlerweile auch in Freibädern zu finden.
Foto: dpa
Die Seele baumeln lassen, im Wasser plantschen: Freibäder sollten eigentlich der Entspannung dienen. Doch oft geht es dort hitzig zu. Manche Bäder in der Region setzen mittlerweile Sicherheitspersonal ein. In Bochum sogar, um Schwimmbadpersonal gegen Beschimpfungen zu beschützen.

Gladbeck/Essen/Bochum/Duisburg/Dortmund/Gelsenkirchen. Eigentlich hat das Freibad Gladbeck neben Schwimmbecken und Liegebereichen extra eine Fußballwiese ausgewiesen. Manche wollen sich schließlich auch außerhalb vom Wasser vergnügen. Für diese Freiluftbadesaison ist im Freibad Gladbeck aber Schluss mit Freibad-Kicken: "Es gab zuviele Beschwerden anderer Gäste", berichtet Alexey Pryakhin vom Schwimmbadpersonal. Wenn sich mehrere Tausend Menschen in den Freibädern tummeln, ist Streit ohnehin programmiert: In Gladbeck sorgt deshalb mittlerweile ein privater Sicherheitsdienst für Ordnung. "Ohne geht es nicht", sagt Pryakhin.

Nicht nur in Gladbeck kann man unter Freibadbediensteten derzeit viel von den Schattenseiten hochsommerlichen Bäderbetriebs zu hören bekommen. Die Besucherzahlen sind vielerorts glänzend. Doch wenn Tausende gleichzeitig den Drang nach Erholung verspüren, sind Toleranz und Disziplin nicht immer im Badegepäck. Ein Mitarbeiter im Essener Grugabad nennt die klassischen Konflikt-Herde, ohne große Lust für Erläuterungen: "Sprungturm, Ballspielwiese, Beachvolleyball-Anlage".

Sprungturm gilt im Freibad als "Konfliktort Nummer eins"

Wer dort Stress macht? "Pubertäre Jugendliche, die zeigen wollen, wie toll sie sind". Zum Beispiel. Aber auch die religiöse Zugehörigkeit der Gäste berge nicht selten Konfliktstoff im Badepublikum. Ergebnis: Auch im Grugabad, das zuletzt am vergangenen hitzereichen Freitag 8200 Besucher zählte, kümmert sich ein Sicherheitsdienst um Ordnung.

Für Alexey Pryakhin in Gladbeck ist der Sprungturm gar der "Konfliktort Nummer eins" im Schwimmbad: "Leute stehen auf den Brettern, aber springen nicht sofort, sondern labern lieber mit irgendwem". Das wird manchen der Wartenden dann zu bunt. Auch hier hat man in Gladbeck reagiert: "Wir lassen nur noch höchstens 20 Leute auf die Sprungebene". Und es steht immer ein Aufpasser am Sprungturm. Nicht nur für den Blick ins Becken.

"Dann reißen wir eben den Zaun ein"

Auch in Bochum macht man in dieser Schwimmsaison unangenehme Erfahrungen mit Badegästen - und sieht sich gar genötigt, das eigene Bäderpersonal durch private Sicherheitskräfte zu beschützen. Der Grund: Die Stadt muss sparen und lässt Montags bis Mittwochs jeweils ein Bad in der Stadt zu.

"Wir haben uns zu diesem Schritt entschieden, weil wir verhindern wollen, ein Bad komplett dicht zu machen", erklärt Stadtsprecherin Tanja Wißing. Online und per Telefonansage sei zu erfahren, welches der städtischen Bäder wann geschlossen ist. Trotzdem "treffen wir noch immer auf erhitzte Gemüter" - wenn Badegäste vor verschlossenen Türen stehen, aber Bäderpersonal sehen. "In den Bädern wird ja trotzdem gearbeitet", sagt Wißing. In einigen Fällen hätten Badegäste Bedienstete beschimpft oder gedroht: "Dann reißen wir eben den Zaun ein". Der Sicherheitsdienst sei auch am Badeschluss im Einsatz, sagt Wißing: "Es gibt Gäste, die sich anders nicht aus dem Bad bewegen lassen".

Viel Platz - wenig Stress?

Im Freibad am Wolfssee in Duisburg ist Badleiter Georg Bogatz froh, "dass wir bisher keine Security gebraucht haben". Weil des Duisburgers Seele kühler ist als anderorts? Eher wohl, weil am Wolfssee ein Sprungturm schon mal fehlt. Und sich die Badegäste auf den insgesamt 30.000 Quadratmetern Gelände nicht so leicht gegenseitig aufs Handtuch trampeln. Auch im Wasser gebe es reichlich Raum, sich aus dem Weg zu gehen, sagt Bogatz: Auf dem Wolfssee sind etwa 500 mal 40 Meter als Schwimmfläche ausgewiesen. Andere Bäder sind schon glücklich, wenn sie ein 50-Meter-Becken haben.

Im Sportparadies Gelsenkirchen sieht Mitarbeiterin Monika Schmidt das große Badgelände eher als einen Nachteil: "Unsere Schwimmmeister können das nicht überblicken". Bei fast 50.000 Quadratmetern Gelände mit mehreren Schwimm-, Sprung- und Planschbecken sei deshalb ein Sicherheitsdienst nötig. Und am Sprungturm, wie andernorts, "eine separate Aufsicht".

Einen Sicherheitsdienst setze man noch nicht ein, sagt Claudia Heckmann, Geschäftsführerin der Sportwelt Dortmund. Hitze und Enge, meint sie, beflügelten Konflikte unter Badegästen. Weil das so sei, "pflegen wir einen engen Draht zur Polizei", schildert Heckmann. In den fünf Dortmunder Freibädern Volkspark, Stockheide, Hoeschbad, Wellinghofen und Froschloch tauchten deshalb nicht selten Polizeiuniformen im Meer aus Badehosen- und Bikini-Trägern auf. Das diene auch der Abschreckung anderer, meint Heckmann: "Es zeigt Wirkung, wenn man an den ersten Tagen einer Freibadsaison zeigt, dass man konsequent die Polizei ruft".

Die örtlichen Hallenbäder seien im übrigen nicht so konfliktträchtig wie die Freibäder, sagt Claudia Heckmann. "In den Hallenbäder ist nicht so ein Stress". Der Grund: "Eine Schwimmhalle ist schon mit 100 Leuten voll".