Strehlke bekennt sich zur umstrittenen Roter-Turm-Anzeige

Michael Bresgott
Matthias Strehlke engagiert sich seit vielen Jahren in der A 52-Debatte gegen den Autobahnausbau (Foto aus der WAZ-Serie „Läuferporträts“ vom März 2014).
Matthias Strehlke engagiert sich seit vielen Jahren in der A 52-Debatte gegen den Autobahnausbau (Foto aus der WAZ-Serie „Läuferporträts“ vom März 2014).
Foto: WAZ FotoPool
„Bekennerschreiben“ ist der Brief überschrieben – A 52-Kritiker Matthias Strehlke bekennt sich als Auftraggeber des umstrittenen Roter-Turm-Inserats.

Gladbeck.  In einem eineinhalbseitigen Schreiben an die Stadtspitze bekennt sich Matthias Strehlke dazu, der Auftraggeber der jüngsten, umstrittenen Kleinanzeige im Stadtspiegel zum Bauprojekt „Roter Turm“ zu sein.

„Wohnen am Tunnelende der A52 (geplant) mit Lärm und Abgasen“, hieß es in der Anzeige, verbunden mit der Telefonnummer eines Mitarbeiters der städtischen Wirtschaftsförderung.

Die Stadtverwaltung kündigte nach Erscheinen der Kleinanzeige eine Strafanzeige gegen Unbekannt wegen „Amtsanmaßung“ an, da der Eindruck erweckt werde, die Wirtschaftsförderung habe das Inserat gestaltet. Der betroffene Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung kündigte zudem Anzeige wegen Beleidigung und übler Nachrede an.

Nun also das Bekennerschreiben von Matthias Strehlke, der als ausgewiesener A 52-Gegner gilt und der an führender Stelle auch im Bürgerforum mitarbeitet, das sich zwischenzeitlich von dem Inserat distanziert hatte („Das ist nicht von uns initiiert und nicht unser Stil“).

Matthias Strehlke erklärt nun in seinem Bekennerschreiben (das auch so überschrieben ist), dass er sich darüber freue, „dass meine satirische Kleinanzeige ein solches Echo provoziert hat“. Allen möglichen Strafanzeigen sehe er mit „gelassenster Gelassenheit“ entgegen.

Strehlke: „Es ist für jeden ersichtlich, dass es sich um Satire handelt“

Strehlke sieht sich mit Blick auf die von der Stadt angekündigten Strafanzeigen völlig auf der sicheren Seite. Bei dem A 52-Inserat im Stadtspiegel handle es sich um eine Kleinanzeige, für jeden sei eindeutig ersichtlich, dass es sich um einen satirischen Beitrag zur A 52-Debatte handele, erklärte er am Sonntag gegenüber der WAZ.

Eindeutig stelle diese Anzeige keine Beleidigung und schon gar nicht eine Amtsanmaßung dar, so Matthias Strehlke weiter. Vielmehr solle sich die Stadt Gladbeck fragen, ob es in Ordnung sei, dass sie – aus Steuermitteln finanziert – juristische Schritte gegen eine solche, eindeutig satirisch gemeinte Kleinanzeige einleite und eine Strafverfolgungsbehörde alarmiere, „als hätte die gerade nichts Besseres zu tun“.

Bekennerschreiben mit Ergebenheit an „Herrn Oberbürgermeister“ adressiert

Sein Bekennerschreiben, datiert auf den 20. November, adressiert Matthias Strehlke übrigens an „Herrn Oberbürgermeister Roland“ und unterzeichnet mit „Ihr stets ergebener Matthias Strehlke“. Ganz offenbar soll sich also (auch) dieser Text nicht frei von satirischen Untertönen präsentieren, zumal Strehlke mit Blick auf die A 52-Debatte Parallelen zu mittelalterlichem Kampf-Getümmel zieht und dabei die Rolle von „Ritter Ulrich“, gemeint ist der Bürgermeister, heftig kritisiert.

Der solcherart satirisch gestimmte A 52-Gegner Strehlke macht zum Schluss seines Bekennerschreibens allen an der jahrelangen Autobahndebatte beteiligten Gladbeckern übrigens auch ein wenig Hoffnung: „Das ach so dunkle Mittelalter haben wir zum Glück indes hinter uns gelassen – in Gladbeck spätestens mit dem Internet.“