Stolperfalle "Tastkante" - ein Ärgernis für viele Gladbecker

Die Kante sei hilfreich für Blinde, sagt Marvin Kamrath beim Termin vor Ort. Allerdings, schränkt er ein, sei es eher unwahrscheinlich, dass ein Blinder ohne Begleitung so eine gefährliche Kreuzung überqueren würde.
Die Kante sei hilfreich für Blinde, sagt Marvin Kamrath beim Termin vor Ort. Allerdings, schränkt er ein, sei es eher unwahrscheinlich, dass ein Blinder ohne Begleitung so eine gefährliche Kreuzung überqueren würde.
Foto: Lutz von Staegmann
Immer wieder haben sich in letzter Zeit Gladbecker über die Blinden-Tastkante an der Bottroper Straße/Beisenstraße in Gladbeck beschwert. Der Grund: Sie sind über die Kante gestolpert und haben sich teilweise übel weh getan. Jetzt äußert sich Marvin Kamrath zu der "Stolperkante". Er ist blind.

Gladbeck. Die Leserzuschriften zum Thema „Stolperkante“ an der Kreuzung Bottroper Straße / Beisenstraße / Rockwoolstraße reißen nicht ab. Auch Reinhard van Wasen ist dort mit dem Rad gestürzt, weil er mit dem Vorderreifen gegen die drei Zentimeter hohe Kante geraten war. „Mit dem Kopf bin ich gegen einen Mast geschlagen, mein Knie hat geblutet, der Knöchel war mehrere Wochen dick geschwollen“, schreibt er.

Mitarbeiter von Straßen.NRW, die gerade vor Ort waren, hätten ihn „gelinde gesagt, beschimpft und übel abgebürstet“: Er habe keine Ahnung von modernem Straßenbau, der Kreuzungsumbau sei nach neuesten Erkenntnissen erfolgt, damit Sehbehinderte sich orientieren könnten. Van Wasen: „Sie sagten, ich hätte eben nicht richtig aufgepasst und hätte absteigen müssen.“

Jetzt im Herbst, wenn Laub auf dem Überweg liegt, seien die Kanten gar nicht mehr sichtbar, beklagt der WAZ-Leser und fragt besorgt: „Was ist eigentlich bei Schnee?“ Van Wasen fordert, dass diese Gefahrenquelle beseitigt wird.

Die Kante trennt die Radwege von den Gehwegen

Ortstermin mit Marvin Kamrath. Der Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins Gladbeck/Dorsten gehört zu den Menschen, denen der barrierefreie Ausbau der Kreuzung zugute kommen soll. Er will für uns testen, ob ihm die knapp sechs Meter langen und sechs Zentimeter hohen Kanten nützen, die aus allen Richtungen auf die Straßenübergänge zuführen und die Radwege von den Gehwegen trennen.

"Ich kenne keinen Blinde, der an so einer gefährlichen Kreuzung allein unterwegs ist"

Kamrath tastet mit seinem Blindenstock die Kante ab und sagt: „Ja, das würde mir schon helfen. Allerdings kenne ich keinen Blinden, der an einer so großen und gefährlichen Kreuzung ohne Begleitung unterwegs wäre.“ Prinzipiell sei er sehr froh darüber, dass die Belange Blinder und Sehbehinderter mittlerweile stärker berücksichtigt würden, aber: „Das darf nicht so weit gehen, dass andere gefährdet werden.“ Alternativ zu dieser Kante könnte er sich Aufmerksamkeits- und Richtungsfelder vorstellen, wie sie direkt an den Ampeln zusätzlich eingebaut sind.

"Auf solche Veränderungen müssen Sehende sich einstellen"

Ulrich Hauska, als Abteilungsleiter im Amt für Soziales und Wohnen zuständig für Senioren und Gesundheit, ist auch zum Ortstermin gekommen. Er weiß, dass der barrierefreie Kreuzungsumbau exakt der DIN-Norm entspricht. „Dem ist eine jahrelange Studie vorausgegangen. Hier hat Straßen.NRW die Belange Blinder und Sehbehinderter genau so berücksichtigt wie die von Rollstuhlfahrern und Menschen mit Rollatoren. Auf solche Veränderungen müssen wir Sehenden uns einstellen.“ Vielleicht, überlegt er laut, könnten Hinweise für Radfahrer das Gefahrenpotenzial verringern.

 
 

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