Stadt startet Umfrage: Wie zufrieden sind Gladbecks Radler?

Elke Hautmann
Wie zufrieden die Gladbecker mit ihren Radwegen sind, können sie im Fragebogen ankreuzen.
Wie zufrieden die Gladbecker mit ihren Radwegen sind, können sie im Fragebogen ankreuzen.
Foto: WAZ FotoPool
  • Stadt ruft Projekt „Fahrradfreundliches Gladbeck 2015“ aus
  • Kritik und Vorschläge der Bürger gefragt, Fragebogenaktion gestartet
  • In der Auftaktveranstaltung präsentierte das Planungsbüro Arbeitsschritte und Ziele

Gladbeck.  Jetzt kommen die Bürger zu Wort. Ihre Kritik und ihre Vorschläge sollen einfließen in das Konzept „Fahrradfreundliches Gladbeck 2025“, das die Stadt derzeit erarbeiten lässt. Das Interesse an der Auftaktveranstaltung am Dienstagabend im Ratssaal hielt sich allerdings in überschaubaren Grenzen – vielleicht war die geringe Besucherzahl der Hitze geschuldet. Aber es gibt ja noch einen umfangreichen Fragebogen, in dem sich Bürger äußern können.

„In den 60er Jahren hatten Verkehrsplaner in erster Linie Kraftfahrer im Blick. Radfahrer, dachte man damals, stürben aus“, erinnerte Bürgermeister Ulrich Roland an die Zeiten, in denen die Städte des Ruhrgebiets noch mit mächtigen Bevölkerungszuwächsen rechneten und ihre Verkehrsinfrastruktur entsprechend ausrichteten. Das Gegenteil passierte: Die Bevölkerungszahlen schrumpften,, und der Anteil der Radfahrer am Verkehr nahm zu. Deshalb, so Roland, habe sich der Blickwinkel im Laufe der vergangenen Jahrzehnte deutlich zu Gunsten des Radverkehrs verschoben.

In Gladbeck sei das durchaus schon erkennbar, lobte Dr. Rolf Kaulen vom Planungsbüro in Aachen, das mit der Erarbeitung des Radverkehrskonzepts beauftragt ist. „Sie sind schon gut, aber das Ziel ist noch lange nicht erreicht.“ Viele gute Elemente habe sein Team im Stadtgebiet schon entdeckt, aber auch zum Beispiel zu schmale Radwege, fehlende Querungshilfen und Einbahnstraßen ohne Öffnung für Radfahrer.

Auf der Straße sollen Radler sicherer sein

Ausführlich ging Dr. Kaulen auf Rad- und Schutzstreifen für Radfahrer auf der Fahrbahn ein, über die in Gladbeck durchaus kontrovers diskutiert wird. Auch die Kritiker werden sich an diese Art der Radverkehrsführung gewöhnen müssen; denn: „Schon seit Inkrafttreten der neuen Straßenverkehrsordnung 2013 gilt: Radfahrer gehören zum fließenden Verkehr und damit nach Möglichkeit auf die Fahrbahn“, sagte Kaulen.

Dort seien sie, im Blickfeld der Kraftfahrer, deutlich sicherer und wegen des besseren Belags zudem komfortabler unterwegs als auf den alten separaten Radwegen. Die größere Sicherheit lasse sich auch an Unfallzahlen und -ursachen belegen. Und schließlich trügen Radfahrer auf der Straße auch dazu bei, die Geschwindigkeit der Kraftfahrer zu reduzieren.

Kritik und Verbesserungsvorschläge

Allerdings – und da wird es sicherlich Kritik und Verbesserungsvorschläge von Gladbecker Radfahrern für die eine oder andere Straße geben – müssten Schutzstreifen auch eindeutige Kriterien erfüllen, zum Beispiel einen ausreichenden Abstand zu Parkplätzen am Fahrbahnrand aufweisen. Erste ganz konkrete Kritikpunkte und Wünsche gaben die Besucher dem Planungsbüro und der Stadtverwaltung schon mit auf den Weg – mündlich oder als Hinweise auf ausgelegten Stadtplänen. Dr. Kaulen sicherte zu, auf die Stellen, an denen sich Radfahrer subjektiv unsicher fühlen, „den Blick von außen zu werfen“.

Noch viel mehr Unterstützung Gladbecker Bürger bei der Erstellung des Radverkehrskonzepts erhoffen sich die Planer von der Fragebogenaktion, die bis zum 28. September läuft. Kaulen: „Sagen Sie uns, was Ihnen wichtig ist. Wir können unseren Job umso besser machen, je mehr von Ihrem Wissen einfließt.“

Das wollen die Forscher wissen 

Die „Allgemeine Zufriedenheit“ wird im Fragebogen zuerst abgefragt. Auf der Skala von 1 (stimme ich voll und ganz zu) bis 6 (stimme ich überhaupt nicht zu) sollen die Bürger bewerten, wie viel Spaß es ihnen macht, in Gladbeck mit dem Rad unterwegs zu sein (hier der Radweg an der Adenauer-Allee). Außerdem wollen die Planer wissen, ob sich Radler als Verkehrsteilnehmer akzeptiert fühlen.

Unter dem Stichwort „Vernetzung mit dem öffentlichen Verkehr“ geht es zum Beispiel um den Wunsch nach Leihfahrrädern. Das Planungsbüro möchte außerdem wissen, ob die Radfahrer ihr Gefährt gerne in Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln nutzen und ob es ihrer Meinung nach an ÖPNV-Haltestellen ausreichend hochwertige Fahrradabstellanlagen gibt.

Sicherheit auf dem Fahrrad

Zum Thema „Sicherheit auf den Fahrrad“ fragen die Verkehrsplaner aus Aachen unter anderem nach dem subjektiven Sicherheitsgefühl der Radler (hier auf der Feldhauser Straße Richtung Zweckel), nach Konflikten mit Autofahrern und mit Fußgängern. Die Zweiradfahrer sollen außerdem bewerten, wie sicher und zügig sich die Radwege befahren lassen, ob sie gut ausgeleuchtet sind, im Winter schnell vom Schnee geräumt und ansonsten regelmäßig gereinigt werden.

Auch der „Komfort“ spielt eine Rolle im Fragebogen. Dazu gehören gute Abstellanlagen an zentralen Stellen (hier neben dem Ex-Hertie-Haus) und in Wohnquartieren ebenso wie angenehm breite und sichere Fahrradwege. Die Planer wollen wissen, wie die Radfahrer diese Punkte bewerten. Außerdem geht es im Fragebogen um die sichere Führung von Radfahrern an Baustellen, die Situation an Kreuzungen und die Qualität der Radwegeverbindungen im Stadtgebiet.

Welchen Stellenwert hat das Radfahren?

Den Stellenwert, den der Radverkehr in Gladbeck ihrer Meinung nach genießt, sollen die Bürger ebenfalls beurteilen. Dazu sollen sie eine Note vergeben für die Feststellung: „In den letzten fünf Jahren wurde in Gladbeck viel für den Radverkehr getan.“ Außerdem sollen sie bewerten, ob die Stadtverwaltung streng genug darauf achtet, dass Autos nicht auf Radwegen geparkt werden, und ob die Ampelschaltungen gut auf die Bedürfnisse der Radfahrer abgestimmt sind.

Unter der Überschrift „Infrastruktur und Radwegenetz“ müssen die Teilnehmer im Fragebogen folgende Aussagen mit Schulnoten bewerten: Das Gladbecker Stadtzentrum ist gut mit dem Rad zu erreichen. Die Innenstadt lässt sich zügig und komfortabel mit dem Rad durchqueren. Die Stadtteile sind untereinander gut vernetzt. Die angrenzenden Städte sind mit dem Fahrrad gut erreichbar. Radfahrer können sich an Radwegweisern gut orientieren. Auch für die täglichen Wege mit dem Rad gibt es angenehme Verbindungen abseits der Hauptverkehrsstraßen.

Wenn Heinz-Otto Kuhlemann sich an der Fragebogenaktion beteiligt, wird er bei den „Ergänzenden Fragen“ sicher etwas zu sagen haben. Hier wollen die Planer nämlich u. a. wissen, auf welcher Straße sich Radfahrer besonders unsicher und gefährdet fühlen. Kuhlemann erzählte der WAZ kürzlich, dass er die Buersche Straße in der Steigung vom Kreisverkehr Schillerstraße stadtauswärts für äußerst gefährlich hält – vor allem, wenn Busse oder Lastwagen ihn überholen.

Zum Schluss des Fragebogens dürfen sie Teilnehmer noch drei Wünsche zum Thema Radverkehr nennen, um die sich die Stadt kümmern sollte.