Stadt muss Haltestellen in Gladbeck barrierefrei umrüsten

Schon schwierig, der Ausstieg aus dem Bus, auch mit Kinderwagen.
Schon schwierig, der Ausstieg aus dem Bus, auch mit Kinderwagen.
Foto: Funke Foto Services
Novelliertes Personenbeförderungsgesetz fordert Umrüstung bis 2022. Kreis erstellt zurzeit ein Haltestellen-Kataster. Kosten noch nicht bezifferbar.

Gladbeck.. Der Bus hält, die Tür öffnet sich, doch dann gibt’s ein Problem: Wie kommt man ‘rein oder ‘raus, wenn der Rollator sich nur mit Mühe über die Kante zwischen Bordstein und Buseinstieg schieben lässt? Oder gar ein ganzer Rollstuhl samt Person ohne Hilfe bewegt werden soll?

Auch für Eltern mit Kinderwagen wird der Einstieg in den Bus mitunter zur holprigen Angelegenheit. Die gute Nachricht für alle, die es schwer haben, solche Barrieren zu überwinden: 2022 soll mit der Behinderung endgültig Schluss sein. Dann müssen laut überarbeitetem Personenbeförderungsgesetz (§ 8, Abs. 3) alle Haltestellen barrierefrei sein. Also so gestaltet werden, dass in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen ohne Mühe ein- oder aussteigen können.

Vestische: Nur Niederflurbusse

Zurzeit können sie in Gladbeck nur an 80 von insgesamt rund 325 Haltestellen stufenlos einsteigen. Deshalb ist die, zumindest finanziell gesehen, eher schlechte Nachricht für die Stadt: Sie muss dafür sorgen, dass alle Bus-Haltestellen im Stadtgebiet den Anforderungen gemäß gestaltet sind. Die Vestische, die hier die Busse fahren lässt, bleibt dabei außen vor. Sie hat ihre Fahrzeuge bereits auf die Barrierefreiheit ausgerichtet. „Wir haben nur noch Niederflurbusse“, sagt Raimund Kreuzberg, stellv. Pressesprecher. Der barrierefreie Einstieg an Haltestellen ist Baustelle (auch finanziell) von Stadt und Kreis.

„Ein riesiges Themenfeld“, sagt Thomas Ide, stellvertretender Leiter des städtischen Planungsamts und für den Verkehr zuständig. Und das Ziel völliger Barrierefreiheit bis 2022 sei „sehr ehrgeizig“, drückt der erfahrene Verkehrsplaner sich vorsichtig aus.

Haltestellen-Analyse im Kreis

Zurzeit läuft erst einmal die Vorarbeit: Im Kreis Recklinghausen wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, der Vertreter der Städte und der Behinderten- und Seniorenverbände angehören. Mit Hilfe eines Gutachters wird der Istzustand erfasst, ein Haltestellen-Kataster angelegt, das Auskunft gibt über Art und Beschaffenheit der Haltepunkte und Bedarf der Umgestaltung. Ende des Jahres soll das stehen.

Und natürlich ist auch das städtische Planungsamt damit befasst. „Im Prinzip“, sagt Thomas Ide, sei Gladbeck schon ganz gut aufgestellt. Als einstige ÖPNV-Modellstadt wurde hier schon früher als anderswo an höhere Bordsteine gedacht. Aber er gibt auch zu bedenken, dass vollständige Barrierefreiheit noch viel mehr meint: Taststreifen für Blinde zum Beispiel.

Was die Umgestaltung kosten wird? „Das lässt sich noch nicht sagen“, will Kreissprecherin Andrea Tamfal keine Zahlen nennen. Zumal die Kosten je nach Haltestelle unterschiedlich sein können.

Barrierefreiheit Thema im Stadtgebiet

„Barrierefreiheit ist ein durchgängiges Thema, das spielt nicht nur beim Nahverkehr eine Rolle“, sagt Verkehrsplaner Thomas Ide. Vielmehr sei dies bei allen Um- und Neugestaltungen im Stadtgebiet und überhaupt im öffentlichen Raum ein tägliches Geschäft. Und allein schon wegen der älter werdenden Gesellschaft unbedingt notwendig.

Ein Beispiel dafür ist der derzeit noch laufende Umbau der Innenstadt. Hoch- und Horster Straße werden auch unter dem Gesichtspunkt der Barrierefreiheit für alle Passanten gestaltet. Ide: „Man denkt ja, in einer Fußgängerzone wäre das nicht so notwendig, weil hier ja kein regulärer Autoverkehr stattfindet.“ Doch zu berücksichtigen seien hier ja viele Elemente, die den Bereich sicher für alle macht, auch für Menschen mit einer Sehbehinderung beispielsweise. Die halbrunden, in deutlichem Weiß gestalteten Pflasterstreifen geben dem Nichtsehenden Hinweise, wo er sich befindet, in welcher Entfernung die Geschäfte sind.

Dem Passanten erschließt sich dieser Sinn nicht auf den ersten Blick, „aber wir müssen alle in unserer Planung mitnehmen, das ist auch ein gesamtgesellschaftliches Thema“, verdeutlicht Ide. Bei den Entscheidungen säßen Vertreter der Behinderten- und Seniorenverbände daher immer mit am Tisch.

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