St. Barbara im Hygiene-Fokus

Marcus Esser
Wenn Patienten aufgrund einer gefährlichen Infektion isoliert werden müssen, ist das Betreten des Zimmers nur mit Schutzkleidung erlaubt.
Wenn Patienten aufgrund einer gefährlichen Infektion isoliert werden müssen, ist das Betreten des Zimmers nur mit Schutzkleidung erlaubt.
Foto: WAZ FotoPool
Krankenhaus-Leitung stellte sich Fragen des WAZ-Reporters. Die Redaktion greift Aussagen auf, die auch bedenkliche Einblicke in den Spitalalltag erlauben

Gladbeck.  „Keimzelle Krankenhaus – Wie MRSA und andere Killerbakterien töten“ heißt das eBook von WAZ-Redakteur Klaus Brandt, das jetzt unsere Zeitung vorgestellt hat. 48 Kliniken wurden mit geschilderten Hygiene-Missständen konfrontiert. Auch das Gladbecker St. Barbara-Hospital war aufgefordert, unter anderem Fragen zur Reinigungspraxis und Personalstärken zu beantworten. Die Lokalredaktion greift wichtige Aussagen aus dem Klinik-Check auf, die auch bedenkliche Einblicke in den Hospitalalltag erlauben:

Thema Hygiene

Die Reinigung in St. Barbara wird von der KKEL-Service GmbH, einer Tochtergesellschaft, durchgeführt. Zu reinigen sind von Mo. bis Fr. je 12 810 qm. Hierfür sind 28 geschulte Mitarbeiter mit 78 Stunden/Tag im Einsatz, was einer Reinigungsleistung von 164 qm je Mitarbeiter pro Stunde entspricht. Räume werden beim Aufwand je nach Funktion (z.B. Büro, Patientenzimmer, Intensivstation) unterschieden, teilt die Klinikleitung weiter mit. Das Barbara-Hospital verfügt über Hygiene-, Desinfektions- und Reinigungspläne, deren Einhaltung von den Verantwortlichen einer Station/Abteilung überwacht werden. Zudem wurden Pflegekräfte zu Hygienebeauftragten ausgebildet, die im Kontakt zur Abteilung Krankenhaushygiene stehen. Rund 180 Desinfektionsspender hängen in Zimmern und Fluren des Barbara-Hospitals

Thema Pflege

Im Nachtdienst (20.30-6.30 Uhr) werden die Patienten auf normalen Stationen (bis 38 Betten) von einer examinierten Pflegekraft versorgt. In der Geburtshilfe und dem Bereich Schlaganfall sind es zwei, sowie vier Fachkräfte auf der Intensivstation. Eine Hausnachtwache hilft bei Belastungsspitzen als „Springer“ auf den Normalstationen aus. Im Tagdienst sind am Morgen 4-5 und am Nachmittag 2-3 Fachkräfte je Normalstation zuständig. Daraus ergibt sich ein Mittelwert von 6,85 zu versorgenden Patienten (Betten) pro examiniertem Mitarbeiter. Das Pflegepersonal wird mindestens einmal jährlich zum Thema Hygiene geschult.

Thema Ärztemangel

Der im gesamten Ruhrgebiet spürbare Mangel von deutschen Ärzten führte auch im Klinikverbund zur Anstellung ausländischer Ärzte, die eine ausreichende Sprachbefähigung nachweisen müssen. In der Regel werden diese Ärzte in Ambulanzen erst nach sechsmonatiger Einarbeitung eingesetzt und arbeiten auf Stationen immer unter Supervision eines weitergebildeten (Ober)Arztes.

Thema multiresistente Keime

In den vergangenen vier Jahren waren im Barbara-Hospital laut Eingangsuntersuchung (Screening) viele Patienten Träger eines gefährlichen, multiresistenten MRSA-Keimes (2010 = 221, 2011 = 237, 2012 = 176, 2013 /Stand Ende September = 94), wobei eine Infektion nur bei wenigen bereits ausgebrochen war (2010= 14, 2011 = 21, 2012 = 12, 2013/Sept.= 13).

Während der Behandlung im Krankenhaus entwickelten einige wenige Patienten Multiresistenzen (2010 = 4, 2011 = 9, 2012 = 2, 2013/Sept. = 1) und eine Infektion im Krankenhaus brach in folgender Anzahl bei Patienten aus: 2010 = 11, 2011 = 9, 2012 = 8 und 2013 bis Ende September = 1 Fall.

Alle statistischen Ergebnisse werden dem Kreisgesundheitsamt gemäß Infektionsschutzgesetz vorgelegt. St. Barbara ist Mitglied des MRSA-Netzwerkes Recklinghausen, das Standards erarbeitet, die das Hospital garantiert. Eine Kontrolle findet jährlich durch das Kreisgesundheitsamt Recklinghausen statt.