St. Barbara-Hospital: Hebammen bangen um ihre Arbeitsplätze

„Die kirche ist in der Pflicht“, finden die Hebammen Alicja Zardecka-Lenkiewicz, Jadwiga Zimonczyk, Aurelia Niemczyk, Petra Konzels und Bärbel Rottmann sowie ihr Anwalt Martin Löbbecke.
„Die kirche ist in der Pflicht“, finden die Hebammen Alicja Zardecka-Lenkiewicz, Jadwiga Zimonczyk, Aurelia Niemczyk, Petra Konzels und Bärbel Rottmann sowie ihr Anwalt Martin Löbbecke.
Foto: Funke Foto Services
Die elf Hebammen haben sich einen Rechtsbeistand genommen. Noch sind zwar keine Kündigungen ausgesprochen. Doch Geburtshilfe droht die Schließung.

Gladbeck.. Die elf Hebammen, die im St. Barbara-Hospital arbeiten, bangen um ihre Arbeitsplätze. Spätestens Ende 2017 soll die Geburtshilfe, wie berichtet, aufgegeben werden. Die Frauen haben vorsorglich schon mal einen Anwalt eingeschaltet.

"Es gilt die Kündigungen zu verhindern"

Martin Löbbecke, spezialisiert auf Arbeitsrecht, muss noch nicht wegen ihrer Kündigungen aktiv werden, weil es die noch gar nicht gibt. Er und die Betroffenen hoffen, dass es soweit auch nicht kommt. Löbbecke: „Es gilt, die Kündigungen zu verhindern. Die Geburtshilfe muss in Gladbeck bleiben.“ Um das zu erreichen, will der Anwalt die Politik und möglichst viele Bürger mobilisieren, spricht von einem „Aufstand der Anständigen“.

Die CDU-Fraktion hat als erste reagiert und den Anwalt, die Hebammen und Bertold Grunenberg, den Geschäftsführer der Katholischen Kliniken Emscher-Lippe, eingeladen. Grunenberg habe dort erklärt, der Beschluss zur Schließung der Abteilung sei nicht hausintern, sondern auf Druck der Krankenkassen und des Landes NRW gefallen, berichtete Martin Löbbecke nach diesem Gespräch.

Geburtshilfliche Abteilung schreibt rote Zahlen

Grunenberg habe die Schließungspläne zudem noch einmal begründet: Insgesamt erwirtschafte die Gynäkologie/Geburtshilfe zwar einen Deckungsüberschuss von gut 1,6 Mio. Euro, die geburtshilfliche Abteilung allein aber schreibe rote Zahlen.

Den Hebammen ist letztendlich gleichgültig, von wem die Initiative zur geplanten Schließung ausging, und auch ihr Anwalt setzt andere Akzente: „Ein Krankenhaus in kirchlicher Trägerschaft darf nicht allein auf Gewinnmaximierung ausgerichtet sein. Und wenn Herr Grunenberg erklärt, weder das Bistum noch die Kirche zahle einen Cent, um Defizite auszugleichen, ist das beschämend.“

Das eigene Leitbild

Löbbecke erinnert das Bistum an eine Erklärung von Bischof Dr. Overbeck: Auch in Zeiten von Kostendämpfung und Rationalisierungen müsse allen Menschen ein Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung erhalten bleiben. Der KKEL GmbH hält er das eigene Leitbild vor, in dem sie sich Werte wie Nächstenliebe, Wertschätzung und Hilfsbereitschaft im Umgang mit den anvertrauten Menschen und im Rahmen eines kollegialen Miteinanders auf die Fahnen schreibt. Löbbecke: „Mit der Schließung der Geburtshilfe in Gladbeck droht ein unauflöslicher Widerspruch zwischen Denken und Handeln der Kirche.“

Die Hebammen hoffen einfach nur, dass ihnen die Arbeitsplätze erhalten bleiben. Große Chancen auf eine Anstellung in einem anderen Krankenhaus sehen sie nicht, denn die Jüngste von ihnen ist 45, die Älteste 64 Jahre alt.

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