SPD mobilisiert jetzt alle Genossen

Ein klares Votum für den A-52-Tunnel gab es am Donnerstagabend beim SPD-Sonderparteitag. Foto: Jan Dinter / WAZ FotoPool
Ein klares Votum für den A-52-Tunnel gab es am Donnerstagabend beim SPD-Sonderparteitag. Foto: Jan Dinter / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Ein Sonderparteitag der SPD beschäftigte sich am Donnerstagabend mit dem A-52-Ausbauvorschlag. Es gab - wie zu erwarten - ein klares Votum für den A-52-Tunnel.

Gladbeck.. Noch vier Wochen sind es bis zum Ratsbürgerentscheid über die A 52, und es ist höchste Zeit, die heiße Wahlkampfphase einzuläuten. Die SPD trommelte die Genossen am Donnerstagabend zum Sonderparteitag zusammen, um sie einzustimmen auf das erhoffte Ziel: „Ja zum Tunnel am 25. März“. 84 von 85 Delegierten stimmten, natürlich, dafür.

Ein anderes Ergebnis als diese (fast) Einstimmigkeit hat niemand ernsthaft erwartet. Die Parteitagsreden waren dennoch geprägt von geübter Wahlkampf-Rhetorik. Bürgermeister Ulrich Roland, SPD-Fraktionschef Michael Hübner und Stellvertreter Wendel vorm Walde warben eindringlichst für den Ausbau und hauten geradezu lustvoll auf die Kritiker ein.

Der Tunnel bringe Verbesserung für jeden Stadtteil, der Ausbau sei ein enormes Konjunkturprogramm für die Wirtschaft und die Situation der Arbeitsplätze in der Region, so der Bürgermeister. „Es geht um eine Grundsatzentscheidung“. Er habe daher kein Verständnis für die Zweifler und deren mangelndes Vertrauen in den Staat. Und schon gar keins für Essener oder Bottroper Mitglieder von Bürgerinitiativen, die sich in die Gladbecker Diskussion einmischen.

„Geht es um deren Arbeitsplätze oder um unsere?“ fragte er seine Gladbecker Genossen, die mit lautstarkem Beifall ihre Zustimmung bekundeten. „Wir haben plötzlich Feinstaub-Experten in der Stadt“, ätzte der Bürgermeister außerdem und verschonte auch die Wutbürger nicht mit Kritik. „Wer glaubt, dass der Wutbürger regiert, der muss sich ja nur das Abstimmungsergebnis in Stuttgart ansehen . . .“ Ernst nimmt Roland die Bürgerinitiativen und ihren Einfluss auf die Meinungsbildung allemal, dafür spricht sein deutlicher Appell: „Lasst euch nicht irritieren. Ich wünsche uns allen die Kraft, dass wir uns nicht verunsichern lassen.“

Scharfe Kritik an den Ausbaugegnern

Damit das nicht passiert, zog Wendel vorm Walde noch ein paar Register mehr und führte süffisant die bekanntesten A-52-Kritiker vor. Dafür holte er gar ein acht Jahre altes, offensichtlich wohl verwahrtes Flugblatt der Stoppt-A-52-Initiative aus der unteren Schublade. „Damals gab es unter der Überschrift ,Autobahn-Unglück für Glabeck’ die gleichen Argumente wie heute, nur dass wir jetzt mit dem Tunnel ganz andere Bedingungen haben“, wunderte er sich laut und vergaß auch nicht, die Unterzeichner ausdrücklich zu erwähnen: „Gerhard Dorka, der Kommunist, der gern mit seinem Privatflugzeug über den Stau hinweg fliegt. Udo Flach, der heute meistens in Polen ist. Ralf Michalowsky, der jahrelang eine Figur des KGB-Gründers Felix Dschersinski, der 10000 Todesurteile ausgesprochen hat, auf dem Klavier stehen hatte und dies angeblich nicht wusste.“

Vor allem Ralf Michalowsky, der in Presseveröffentlichungen die Stadtspitze der Geheimhaltung und Lüge bezichtigt hat, ist derzeit ein Reizwort in der SPD-Spitze. Vorm Walde: „Wie kann man einem landesweit bekannten Lügner mehr trauen, als denen, die diesen Kompromiss jahrelang hart erarbeitet haben?“ Solch markigen Worten war der Beifall der Genossen sicher.

Doch auch andere Ausbaugegner wie die Brokamp-Siedler bekamen ihr Fett weg. „ Auf manche Menschen kann man einreden wie auf einen kranken Gaul, sie bewegen sich trotzdem nicht“, empörte sich vorm Walde über die Sturheit der Siedler, die nicht die Vorteile des verbesserten Lärmschutzes und des eigens als Knoten (statt Kleeblatt) entwickelten Autobahnkreuzes anerkennen würden.

Der „gelungene Kompromiss“ (Michael Hübner) wurde viel beschworen und die Botschaft an die Genossen war klar: Werbt in Ortsvereinen, bei Freunden und Kollegen für das Ja zum Tunnel und die Teilnahme am Entscheid.

 
 

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