Siedlung in Gladbeck als gallisches Dorf bei A52-Ausbau

Noch näher könnte die Schallschutzmauer an einige Häuser am Brokamp nach dem Ausbau heranrücken. . Foto: Thomas Schmidtke / WAZ FotoPool
Noch näher könnte die Schallschutzmauer an einige Häuser am Brokamp nach dem Ausbau heranrücken. . Foto: Thomas Schmidtke / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Seit dem der Ausbauvorschlag für die B224 vorliegt, brodelt es in der Gladbecker Siedlung im Brokamp gewaltig. Denn der Brokamp liegt nicht nur vor dem geplanten 1,5 Kilometer langen Tunnelstück, sondern auch direkt am geplanten Verkehrsknotenpunkt, dem A2-/A52-Kreuz. Die Anwohner fürchten einen enormen Wertverlust ihrer Häuser.

Gladbeck.. Links donnert der Verkehr über die Autobahn A 2, rechts brummt es von der B 224 – dazwischen liegen 38 Einfamilienhäuschen mit großen Gärten. Das ist der Brokamp, ein Teil der IV. Graf Moltke-Siedlung. Und das könnte Gladbecks gallisches Dorf werden, denn hier brodelt es ganz gewaltig, seit der Ausbauvorschlag für die B 224 auf dem Tisch liegt. „Der Tunnel ist toll, den hätten wir nie für möglich gehalten“, sagt zwar Andreas Wertmann (43), der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft. „Aber wir haben nichts davon.“ Denn der Brokamp liegt nicht nur vor dem geplanten 1,5 Kilometer langen Tunnelstück, sondern auch direkt am geplanten Verkehrsknotenpunkt, dem A2-/A52-Kreuz mit mächtigem Überflieger. Die Anwohner befürchten, dass es durch den Ausbau noch lauter, die Feinstaubbelastung noch größer wird. Dabei sind die Brokamper einiges gewohnt und „keine Fantasten“, betont Wertmann.

Richtig ruhig war’s hier schließlich noch nie, schon beim Bau der Siedlung Ende der 50er Jahre gab es bereits die Autobahn und die Bundesstraße. Doch damals, vor 60 Jahren, war der Verkehr natürlich viel geringer. „Als Kinder sind wir im Winter über die Autobahn gelaufen, um auf der anderen Seite Schlitten zu fahren. Und die B 224 war eine Landstraße.“ Wie Andreas Wertmann ist auch Ute Koslowski (57) am Brokamp aufgewachsen. Wie viele andere in der kleinen Siedlung haben sie vor Jahren ihre Elternhäuser übernommen.

„Wir wohnen alle gern hier“

An das gleichmäßige Rauschen, das von jenseits der A2-Schallschutzmauer wie ein Schallteppich über der Siedlung liegt, sind sie gewöhnt. „Wir nehmen das kaum wahr“, sagt Ute Koslowski, die in ihrem Garten auf die hohe Betonmauer am Ende blickt, seit die Autobahn vor Jahren weiter ausgebaut wurde. Dass der Lärm über die Jahre mit Zunahme des Verkehrs stetig zugenommen hat, das haben die Anwohner bis jetzt hingenommen. „Wir wohnen alle gern hier“. Noch mehr Lärm aber wollen, können sie nicht ertragen.

„Wir sind keine Querulanten. Aber wir haben ein Anrecht auf Lebensqualität“, sagt Andreas Wertmann. Deshalb haben sie über die befürchtete und prognostizierte Verkehrszunahme – von derzeit 35.000 soll sich der Verkehr auf täglich 70.000 verdoppeln – hinaus viele Argumente gegen den Ausbau. Die lange Bauzeit liegt Andreas Wertmann schon jetzt wie ein Stein im Magen. Als Mann vom Fach weiß er, dass Bauprojekte immer länger dauern als geplant. Zehn Jahre würde es seiner Meinung nach brauchen, bis Kreuz und A 52-Ausbau fertig sind. Zehn Jahre Baulärm und Schmutz zusätzlich zum Verkehrslärm bedeute das für die Siedlung. Noch eine Sorge: Dass das Geld am Ende doch nicht reichen wird für den versprochenen Schallschutz und Flüsterasphalt und schließlich gibt es auch diese drängende Frage: Was passiert mit den Abgasen, die aus dem Tunnel ‘rausgedrückt und an den Ein- und Ausgängen besonders konzentriert sein werden?

„Wie kann man hier dann weiter wohnen?“ fragen Wertmann und Koslowski. Sie wissen, dass einige Nachbarn ihre geplanten Ausbauten am Haus jetzt erst einmal auf Eis gelegt haben. Und ahnen, dass ihre Häuser und Grundstücke nach dem Ausbau praktisch wertlos sein werden. Natürlich leben sie seit Jahrzehnten damit, dass der Ausbau der B 224 kommen soll. So richtig dran glauben wollte aber keiner am Brokamp. Ihnen wäre am liebsten, „dass mit der B 224 alles bleibt, wie es ist.“

 
 

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