Siedler wollen alle Stromkästen in Alt-Rentfort aufhübschen

Vorne das Stadtwappen und das Schild „Bad Rentfort“ - Graffitikünstler Maurizio Bet hat seiner Kreativtät freien Lauf gelassen.
Vorne das Stadtwappen und das Schild „Bad Rentfort“ - Graffitikünstler Maurizio Bet hat seiner Kreativtät freien Lauf gelassen.
Foto: WAZ FotoPool
Mausgrau und hässlich war gestern. Die Siedlergemeinschaft Rentfort möchte alle Verteilerkästen im Stadtteil verschönern lassen. Graffiti-Künstler Maurizio Bet hat den Anfang gemacht. Jetzt sind Nachbarschaften gefragt - auch sie sollen nämlich einen künstlerischen Beitrag leisten.

Gladbeck.. Im Normalzustand sind sie mausgrau, oft ziemlich verdreckt, manchmal von Schmierfinken hässlich besprüht. Der dermaßen verunstaltete Verteilerkasten am „Kurpark Bad Rentfort“ brachte den Vorstand der Siedlergemeinschaft auf eine gute Idee: Professionell gestaltet, könnten aus den unansehnlichen Kästen Hingucker werden.

Stadtverwaltung und Eigentümer Siemens hatten keine Einwände, die Jugendkunstschule stellte den Kontakt zum Graffiti-Künstler Maurizio Bet (Künstlername Anteiichi) her, und der machte sich am Montag ans Werk: vorn das Stadtwappen und das Schild „Bad Rentfort“ vor der Rathauskulisse, die Flaggen der sechs Gladbecker Partnerstädte auf der Rückseite – kein Problem für den 30-Jährigen, dessen Graffiti schon an etlichen Stellen im Stadtgebiet zu bewundern sind. Die Turnhalle der Lambertischule zum Beispiel hat er mit einem Kollegen gestaltet, eine 45 m lange Garagenwand in Rentfort-Nord und die Litfaß-Säule der Jugendkunstschule.

Jetzt also Verteilerkästen in Alt-Rentfort. Der am „Kurpark“ soll nämlich nicht der einzige bleiben. Mit ELE und Telekom sind die Siedler im Gespräch, damit so schnell wie möglich auch die anderen drei Kästen in diesem Kreuzungsbereich verschönert werden können. Die Maschinenhalle mit Förderturm, das Innovationszentrum Wiesenbusch und die Musikschule schweben Werner Hülsermann, dem Vorsitzenden der Siedlergemeinschaft, als nächste Motive vor. Die dann insgesamt fälligen 240 Euro bekommt der Graffiti-Künstler aus der Siedlerkasse.

Und damit, das hofft zumindest der rührige Vorsitzende, soll die Aktion noch lange nicht zu Ende sein. „Hier im Stadtteil stehen bestimmt 50 oder 60 dieser unansehnlichen Kästen. Es wäre toll, wenn jeweils ein paar Nachbarn gemeinsam für die Verschönerung sorgen würden, entweder selber Hand anlegen, eine Schulklasse oder eine Kita-Gruppe dafür begeistern, einen Künstler finden oder was auch immer – Hauptsache die Kästen werden hübsch gestaltet“, wünscht sich Werner Hülsermann.

Die Mitgliedschaft hat etliche Vorteile

Bei 840 Siedlerfamilien in der Gemeinschaft müsste sich das doch realisieren lassen, hofft er. Im Kern von Alt-Rentfort rund um Hege- und Josefstraße gibt’s kaum eine Familie, die sich der Gemeinschaft nicht angeschlossen hat. Nicht verwunderlich, ist doch die Mitgliedschaft mit etlichen Vorteilen verbunden. Hülsermann zählt auf: „20,90 Euro Jahresbeitrag beinhalten eine Grundstückshaftpflichtversicherung, eine Rechtsschutzversicherung für Haus und Hof, kostenlose Anwaltsberatung, eine Bauhelferversicherung. Zusätzlich gewähren etwa 50 Firmen bis zu 20 % Rabatt.“

Und dann sind da ja noch die zahlreichen Aktivitäten und geselligen Veranstaltungen. Wo sonst zum Beispiel könnten sich Frauen am Muttertag mal von den Herren der Schöpfung bedienen lassen? Beim jährlichen Sommerfest in einer Zeltstadt bei Kleimann-Reuer vergnügen sich immer ein paar Hundert Leute, genau wie bei der Weihnachtsfeier mit Nikolaus, Knecht Ruprecht und Engelchen.

Den „Kurpark“ muss der Vorstand in der Regel alleine pflegen

Radtouren und Tagesausflüge stehen auch regelmäßig auf dem Plan. „Bei unseren Veranstaltungen haben wir immer tolle Resonanz“, sagt Werner Hülsermann – nicht so groß ist die Begeisterung, wenn es gilt, den 1995 aus einer „Hundewiese“ gestalteten „Kurpark“ zu pflegen. Da bleibt der Vorstand meist unter sich.

Die 13 Vorstandsmitglieder (O-Ton Hülsermann: „eine fantastische Truppe“) verstehen sich auch als Ansprechpartner für alle Fälle. „Nachbarschaftstreitigkeiten sind bei uns glücklicherweise die Ausnahme“, sagt Hülsermann. Aber wenn es doch mal Unstimmigkeiten gibt, brauchen die Parteien in der Regel keinen Schiedsmann. „In den meisten Fällen setzen wir uns zusammen – und trinken anschließend alle ein Glas Wein.“

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