„Sie sind da, wenn es drauf ankommt“

Das Sommerfest am Kotten Nie ist ein Dankeschön für alle Ehrenamtlichen der Stadt.
Das Sommerfest am Kotten Nie ist ein Dankeschön für alle Ehrenamtlichen der Stadt.
Foto: WAZ FotoPool

Gladbeck..  Warum einer ein Ehrenamt annimmt, „das ist doch völlig egal“, findet Bürgermeister Ulrich Roland. Hauptsache sei, dass man nicht meckere, sondern aktiv werde.

So wie die 200 Männer und Frauen, die der Einladung des Bürgermeisters zum Sommerfest am Kotten Nie gefolgt waren – ein Dankeschön der Stadtspitze an die ehrenamtlich Tätigen der Stadt.

Werner Hülsermann, 58 Jahre alt, ist einer von ihnen. Seit 2008 ist er als erster Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Rentfort Ansprechpartner für viele Mitglieder und hat damit gut zu tun.

Er ist Vermittler zwischen Bürger und Stadt, kümmert sich um alles von der defekten Abwasserleitung bis zu Baumfällarbeiten und hat dabei immer ein offenes Ohr für Ängste und Nöte. „Es ist zwar Zeit, die dabei drauf geht, aber es ist ja keine Arbeit. Man bekommt von den Menschen so viel zurück und es macht einfach Spaß.“ Neue Freundschaften werden geknüpft, alte gepflegt, das sei sehr schön. Die „Arbeitszeit“, die man in das Ehrenamt investiert, könne man nicht nachhalten, „das macht man glaub ich nur bei Bezahlung“, so der Chemikant einer Oberhausener Firma. Im Hintergrund unterstützt ihn außerdem die Ehefrau. „Der Partner muss mit dahinter stehen“, findet Werner Hülsermann. Auch die Arbeit als solche kann man nur in einem guten Team schaffen, „und das haben wir“.

Im Bereich des Ehrenamts, „gibt es nichts, was es nicht gibt“, weiß Reingard Ruch vom Presseamt der Stadt. Die Gäste des Abends seien in allen Bereichen des täglichen Lebens tätig, im Sport, in der Altenpflege, im kulturellen Bereich.

Wie man an so ein Ehrenamt kommt? Die 20jährige Tina Drendel ist durch Zufall ‘reingeschlittert. Sie hat ihre Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation bei der Stadt absolviert und war dadurch in der Seniorenberatung tätig. So kam sie mit der ehrenamtlichen Tätigkeit in Berührung und machte die Erfahrung, dass dieses Engagement sehr viel Spaß macht. Sie hilft nun mit am Kotten Nie und ist „immer dabei, wenn es der Beruf zulässt“.

Bei den Veranstaltungen sind „von Null bis 90 alle Altersgruppen vertreten und ich komme mit jeder gut zurecht“. Für sie ist das soziale Engagement selbstverständlich. „Dafür muss ich nicht bezahlt werden.“ Man könne sich die Zeit gut einteilen und mitbestimmen, wann und wo man eingesetzt werde. „Außerdem sind wir ein super Team und es macht viel Spaß.“

Dass sie wegen der ehrenamtlichen Tätigkeit gemeinsame Unternehmungen mit Freunden auch mal absagen muss, das treffe auf Verständnis, auch wenn die Freunde selbst nicht ehrenamtlich tätig sind.

Dass ehrenamtliche Tätigkeiten eine lange Tradition haben, darauf wies Bürgermeister Roland hin. Er erinnerte daran, dass man in der Zeit des Bergbaus Vereine gründete und uneigennützig und ehrenamtlich tätig war, weil das Geld knapp war. „Sie halten diese Traditionen aufrecht, Sie sind da, wenn es drauf ankommt!“ Das Zitat von Wilhelm Busch: „Willst Du froh und glücklich leben, lass kein Ehrenamt dir geben!“ scheine in Gladbeck wenig Freunde zu finden.

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