Schwurgericht urteilt: Totschlag, kein Mord

Gladbeck/Essen.  Zehn Jahre Haft und Unterbringung zur Alkohol-Entziehungstherapie wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung, so lautete das Urteil des Schwurgerichts für eine Gladbeckerin.

Die Anklage war von Mord ausgegangen. Mit der Scherbe einer Bierflasche hatte die 32-Jährige im Januar 2009 ihrem damaligen Freund in einem Wutanfall in ihrer Gladbecker Wohnung mit der Scherbe einer zerschmetterten Bierflasche den Hals aufgeschnitten. „Wie durch ein Wunder überlebte er“, so Richter Andreas Labentz. Nicht so ein Glück hatte ihr nächster Freund (38), aus Dorsten: Gut zehn Monate später schnitt sie ihm, ebenfalls aus Wut, im Alkoholrausch mit Bierflaschenscherben den Hals auf und durchtrennte dabei die Drosselvene. Er hatte keine Chance und starb (die WAZ berichtete).

Ganz in schwarz erscheint die 32-Jährige zum Urteil. In fünf Jahren könnte sie wieder in Freiheit sein. Erst aber muss sie drei Jahre Haft verbüßen, danach in die Alkoholtherapie. Bei gutem Erfolg besteht die Möglichkeit, dass sie nach mindestens zwei Jahren, auf Bewährung entlassen wird. Hintergrund ihrer Taten sei nicht die kriminelle Einstellung, erklärt Labentz im Urteil, sondern ihr Alkoholmissbrauch, „ den die Kammer bei einer Frau noch nicht erlebt hat.“ Schon als Sechsjährige trank sie die ersten Schnäpse. 2009 waren Werte über drei Promille keine Seltenheit. Sie randalierte in Gladbecks Innenstadt, schlief häufig auf der Straße. Der Alkohol habe ihre Persönlichkeit verändert, so der Richter. Nicht nur das wertete die Kammer im Urteil mildernd, sie ging auch von verminderter Schuldfähigkeit aus.

Staatsanwalt Hans- Christian Gutjahr, warf der Angeklagten heimtückischen Mord aus niedrigen Beweggründen vor, so deutete er die Wut der Angeklagten. 14 Jahr Haft sowie Unterbringung zur Therapie beantragte er. Das Gericht dagegen geht davon aus, dass die Voraussetzungen für einen Mord nicht eindeutig festzustellen seien. „Wir wissen zu wenig, wie es zu der Tat gekommen ist“, sagt Labentz. Die Angeklagte hatte 2,7 Promille zur Tatzeit und litt unter Erinnerungslücken.

Zur Zeit sei die 32-Jährige trocken, stellt der Richter fest, damit sei das Problem aber nicht beseitigt. In Freiheit, so könne sich die Kammer vorstellen, käme sie nicht einen Tag ohne Alkohol aus. Labentz : „Es muss etwas getan werden.“

 
 

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