Schüler starten Youtube-Projekt über Missstände in Gladbeck

Mit „Yallah, Bruder“ wollen Aziz Semmo und Amar Khodr auf Missstände in Gladbeck aufmerksam machen. Ihre Doku-Vidoes sind auf Youtube zu sehen.
Mit „Yallah, Bruder“ wollen Aziz Semmo und Amar Khodr auf Missstände in Gladbeck aufmerksam machen. Ihre Doku-Vidoes sind auf Youtube zu sehen.
Foto: Funke Foto Services
Die Videos von Aziz und Amar sollen ein Mix aus Doku, Reportage und Ratgeber sein. Integration, Bildung und Religion sind ihre Themen.

Gladbeck..  „Von nichts kommt nichts“, so lautet der Grundsatz von Aziz Semmo und Amar Khodr. Die beiden 17-jährigen Schüler wollen mit selbstgedrehten kurzen Videos auf der Plattform „Youtube“ Missstände in Gladbeck ansprechen. Der Kanal mit dem Titel „Yallah, Bruder“ soll eine Mischung aus Dokumentation, Reportage und Ratgeber sein.

„Wir wollen ein Zeichen setzen“, sagt Aziz Semmo. Vieles in der heutigen Zeit gefällt den beiden nicht; nun haben sie einen Weg gefunden, sich mitzuteilen und dabei viele Menschen gleichzeitig zu erreichen.

Alles begann vor anderthalb Jahren mit einem Integrationsprojekt an der Erich-Fried-Hauptschule: Das mit dem Handy gedrehte Video mit dem Titel „Angekommen . . .!? Von Bagdad nach Brauck“ erzählt die Geschichte des Flüchtlings Mohammed, der von seinen Mitschülern nicht akzeptiert wird. Die Botschaft lautet ganz klar: zuhören und nicht vorverurteilen.

„Das Video kam im Internet richtig gut an“, stellt Amar Khodr fest. Es wurde immer wieder geteilt und hat bis heute rund 5000 Aufrufe. Die Resonanz sei durchweg positiv: „Alle möglichen Leute sprechen uns an und fragen, wann es endlich neue Videos gibt.“

Video über Obdachlose soll die Menschen sensibilisieren

Das lassen die beiden Filmemacher sich nicht zweimal sagen. Neues Material sei bereits in der Produktion: Zuletzt haben die Gladbecker Schüler Menschen gefilmt, die auf der Straße leben müssen. „Viele Leute gehen einfach an ihnen vorbei, das finden wir nicht gut“, meint Aziz Semmo. Das Video soll die Zuschauer sensibilisieren und im besten Falle zur Hilfe animieren. Daher auch der Name des Kanals: Der Ausspruch „Yallah, Bruder“ ist eine Aufforderung an Gleichaltrige, dass sie etwas unternehmen sollen.

Auf einem weißen, zerknüllten Zettel, den Aziz Semmo aus seiner Jackentasche kramt, stehen viele weitere Ideen. „Wir möchten jede Woche eine Folge veröffentlichen“, kündigt der 17-Jährige an. Zehn Folgen seien bereits geplant.

Die religiösen Spannungen weltweit gehen auch an den beiden Schülern nicht vorbei. Ein aufklärender Beitrag soll die Religionen in den Fokus stellen. Das Duo hat sich vorgenommen: „Wir möchten in Moscheen und Kirchen drehen, dabei dann ein paar Interviews machen.“

Beide möchten Fachabitur machen

Auch das Thema Bildung liegt den beiden Schülern am Herzen. „Wir haben viele Freunde ohne Schulabschluss, die das bereuen und die Zeit zurückdrehen wollen“, erzählt Amar Khodr. Ihre Pläne sind ambitioniert: Schülerbefragungen, ein Leitfaden zum Schreiben einer Bewerbung und die Vorstellung von verschiedenen Berufen. Alles auf Video gebannt. Die Botschaft ist für Amar Khodr eindeutig: „Ohne Bildung kommt man heute nicht weit.“ Aus dem Grund möchten beide auch gerne ihr Fachabitur machen.

Gar nicht so einfach, daneben auch noch ihrem Hobby nachzugehen. Das Drehen und anschließende Editieren eines Beitrags kann schon mehrere Tage dauern. Wenn ihre Mitschüler frei haben, werkeln die beiden Schüler schon wieder an neuen Beiträgen. Aber: „Von nichts kommt nichts!“

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