Schrottimmobilie „Schwechater 38“ soll zwangsweise fallen

Soll nun zwangsweise abgerissen werden: Der Wohn- und Geschäftskomplex Schwechater Straße 38 in Rentfort-Nord. Der Wohnturm mit seinen 14 Geschossen ist seit zehn Jahren nicht mehr bewohnt. Fotos:Lutz von Staegmann
Soll nun zwangsweise abgerissen werden: Der Wohn- und Geschäftskomplex Schwechater Straße 38 in Rentfort-Nord. Der Wohnturm mit seinen 14 Geschossen ist seit zehn Jahren nicht mehr bewohnt. Fotos:Lutz von Staegmann
Foto: Funke Foto Services
  • Die Stadt will mit einem Rückbaugebot den Abriss des Schrotthauses Schwechater Straße 38 erzwingen
  • Seit zehn Jahren kämpft die Verwaltung um eine städtebauliche Lösung und geht nun härter vor
  • Abriss soll mit mehr als 700 000 Euro Landesförderung bezuschusst werden

Gladbeck.  Die Stadt schlägt in Sachen Schrottimmobilie Schwechater Straße 38 eine härtere Gangart ein: Der Rat wird in seiner Sitzung Anfang Dezember aller Voraussicht nach ein „Rückbaugebot“ für den Schandfleck in Rentfort-Nord aussprechen, das einen Abriss quasi erzwingt. Jedenfalls empfiehlt die Verwaltung das der Politik. Bürgermeister Ulrich Roland vertritt das Vorgehen offensiv: „Wir haben lange genug gewartet, zehn Jahre lang – der Abriss ist alternativlos“, sagte er am Freitag in einem Pressegespräch.

Das Rückbaugebot sei eine höchst komplizierte juristische Angelegenheit, die aber laut Baugesetzbuch möglich ist, wie der städtische Justitiar Dr. Guido Hüpper erklärte. Sie sei noch nie angewandt worden, „wir leisten da Pionierarbeit“, betonte der Bürgermeister. Das Vorgehen sei aber nötig, da keine andere Lösung mehr erreichbar erscheine. Schon vor zwei, drei Jahren hatte die Stadt vor, auf diese Weise den Schandfleck beseitigen zu können (WAZ berichtete). Man entschied sich damals aber noch einmal dafür, eine Konsenslösung zu erreichen, was letztlich doch nicht gelang.

Die Stadt ist überzeugt, dass die Voraussetzungen für ein Rückbaugebot gegeben sind. Der leerstehende Wohnturm sowie die leer stehenden angrenzenden Gebäudeteile hätten negative Auswirkungen auf den ganzen Stadtteil. Daher sei ein Abriss und eine Neubebauung, gekoppelt mit einer dringend nötigen Nahversorgung, erforderlich. „Das Vorgehen ist wasserdicht, auch weil alle Anhörungsverfahren, Erörterungstermine und Infoveranstaltungen gelaufen sind“, so Hüpper.

Bürgermeister Roland: „Eine Minderheit steht auf der Bremse.“ Im Kern richtet sich das Rückbaugebot daher gegen die drei verbliebenen Eigentümer, die bislang, so Planungsamtsleiter Dr. Volker Kreuzer, gegen jede Konsenslösung Widerstand leisten und offenbar spekulieren. An diesen Eigentümern sei auch der Versuch vor zwei Jahren gescheitert, einvernehmlich einen Weg aus der Sackgasse zu finden.

Drei Widerständler gibt es nur unter den Eigentümern

Die drei Widerständler entsprechen nur gut zwei Prozent der Eigentümer. Sie seien keine Gladbecker, einer lebe sogar in Asien. Gemeinsam würden sie von einem Bottroper Anwalt vertreten. „Mit den anderen 98 Prozent der Eigentümer besteht Einvernehmen, insbesondere mit dem Mehrheitseigentümer, der Auffanggesellschaft KHRB GmbH, der allein 70 Prozent der Eigentumsanteile gehören“, erläuterte Kreuzer. Daher kopple man das Rückbaugebot nun auch mit einem städtebaulichen Vertrag, den man mit der KHRB schließe, der die Durchführung des Rückbaus und die Übernahme der Abrisskosten regelt, die bei 1,4 bis 1,5 Millionen Euro liegen dürfte.

Unter diesen Bedingungen erhält die KHRB dann auch die vom Land bereits zugesagten Städtebauförderungsmittel in Höhe von gut 700 000 Euro. Roland: „Das ist die komplizierteste Immobilie des Landes, daher hilft uns das Land mit einem Zuschuss bei den Abrisskosten.“ Die Stadt selbst stellt nur den Eigenanteil an der Städtebauförderung von rund 51 000 Euro bereit.

Nach dem Abriss, der in der zweiten Jahreshälfte 2017 erfolgen soll, ist auf dem Grundstück eine Neubebauung mit Nahversorgung gewünscht. Dementsprechend würden Bebauungsplanverfahren vorbereitet und mit möglichen Investoren verhandelt. „Aber wenn es hier keine schnelle Perspektive gibt, suchen wir nach einem anderen Standort“, so Bürgermeister Roland zu Überlegungen für einen „Plan B“.

 
 

EURE FAVORITEN