Sammlerstolz - Arbeiter-Chronometer fordert 8-Stunden-Tag

Sammler Knut Schmitz mi der Arbeiter-Taschenuhr aus dem späten 19. Jahrhundert.
Sammler Knut Schmitz mi der Arbeiter-Taschenuhr aus dem späten 19. Jahrhundert.
Foto: Funke Foto Services
Sie läuft und läuft und läuft. Knut Schmitz aus Gladbeck freut sich über ein neues Prachtstück in seiner Sammlung historischer Objekte und Dokumente.

Gladbeck.. Knut Schmitz ist ein begeisterter Sammler; und genauso intensiv interessiert er sich für Geschichte, für historische Ereignisse und ihre Hintergründe. Jetzt hat der Gladbecker ein neues Stück in seiner Sammlung: eine Arbeiter-Taschenuhr aus der Zeit um 1890.

Wer diese Uhr, die in einem beinahe perfekten Zustand erhalten ist, eingehend betrachtet, reist umgehend in das späte 19. Jahrhundert.

Der Internationale Arbeiterkongress 1889 in Paris gab einst die Anregung zur Produktion dieser Uhr: 50 000 Exemplare wurden in der Schweiz hergestellt. Die Taschenuhr diente nicht allein dazu, ihrem Besitzer verlässliche Auskunft über die genaue Uhrzeit zu geben. Diese Taschenuhr war zugleich eine politische Bekundung, eine politische Positionierung für den Kampf der Arbeiter gegen Ausbeutung und Unterdrückung.

„Wir wollen 8 Stunden zur Arbeit - 8 Stunden um uns auszubilden - 8 Stunden um uns auszuruhen“ - diese Forderungen liest man auf dem Rand des Chronometers, wobei man wissen muss, dass eine Taschenuhr im späten 19. Jahrhundert ein eher bürgerliches Status-Symbol war.

1890 - das war auch im Ruhrgebiet eine Zeit dramatischer sozialer Konflikte

Mit dieser besonderen Uhr und den darauf gestanzten Forderungen untermauerte die Arbeiterschaft ihren Anspruch auf soziale Gerechtigkeit, auf gesellschaftliche Teilhabe, auf ein Leben in menschenwürdigen Verhältnissen.

„Ich habe diese Uhr aus dem Bekanntenkreis erhalten und bin dafür sehr dankbar“, erzählt Knut Schmitz, der sich bereits auch im Detail mit der Geschichte der Gewerkschaftsbewegung auseinandergesetzt hat. Denn das liegt ihm am Herzen: Er will stets die genauen Hintergründe erkunden, wenn er in Besitz eines solch seltenen Sammlerstücks gelangt.

Die Jahre um 1890 - das war auch im Ruhrgebiet eine Zeit dramatischer sozialer Auseinandersetzungen. Der Bergarbeiterstreik zeigte die Notwendigkeit weiterer sozialer Reformen. Das Sozialistengesetz unterstrich zugleich, dass Bürgertum und Adel im deutschen Kaiserreich nicht gewillt waren, neben der neu eingeführten Sozialversicherung weitere tatsächliche Zugeständnisse an die Arbeiterschaft zu machen.

Die Arbeiter-Taschenuhr beinhaltete vor diesem Hintergrund eine besondere Symbolik: Die eigene Uhr bedeutete, die Arbeitszeit selber im Blick zu haben und sich nicht das tägliche Leben vom Fabrikbesitzer diktieren zu lassen. Und zudem hatte der Arbeiter stets die gemeinsamen Ziele der Arbeiterschaft vor Augen. Diese Symbolik der Arbeiter-Taschenuhr hat bereits auch der britische Historiker E.P. Thompson beschrieben - man sieht: Diese Uhr, die jetzt bei Knut Schmitz in Rentfort in einer Original-Schatulle liegt, spiegelt eine ganze Epoche und ihre gesellschaftliche Situation.

Passend dazu: Auf der Rückseite der Uhr gibt es natürlich ebenfalls eine soziale Forderung - einen Kampfspruch, der wegweisend sein sollte für viele Ereignisse des 20. Jahrhunderts: „Arbeiter aller Länder vereinigt Euch zur Verteidigung Eurer Rechte!“

 
 

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