„Runter mit der rosaroten Brille“

Planskizze: neue Stadtallee auf dem Tunneldach der A 52.
Planskizze: neue Stadtallee auf dem Tunneldach der A 52.
Foto: WAZ Gladbeck
Die Serie der umfangreichen Stellungnahmen zum A 52-Ausbauvorschlag geht unvermindert weiter.

Gladbeck.. „Erstaunt“ zeigt sich nun das Bürgerforum A 52 darüber, dass das Verhandlungsergebnis über einen 1,5-km-Tunnel von Stadt, Land und Bund bereits jetzt „als Erfolg und Chance für Gladbeck“ gefeiert werde.

Kaum eine der Forderungen des Gladbecker Ratsbeschlusses von 2009 sei erfüllt, argumentiert das Bürgerforum. So seien die Forderung nach einem Tunnel nur zum Teil erfüllt; und die anderen sechs Forderungen „gar nicht“. Jahrelang hätten Politiker und Parteien den Bürgern versprochen, dass sieben Forderungen erfüllt sein müssten, damit sich die Situation für die Gladbecker Bürger verbessern würde, und dass man daher nicht von diesen Forderungen abweichen werde.

Helmut Deka und die weiteren Bürgerforum-Aktiven fordern in ihrer Stellungnahme: „Tunnelblick weiten - runter mit der rosaroten Brille!“ Die heutige B 224 verlaufe etwa 4,5 km auf Gladbecker Stadtgebiet. Der Tunnel würde die neue Autobahn aber gerade mal auf 1,49 km überdecken. Etwa 2,5 km neue Autobahnkilometer blieben offen. Tunnelmünder und offene Trassenteile würden die trennende Wirkung der Straße noch verstärken, und die neue Straße auf dem Tunneldach werde keineswegs eine Stadtallee, sondern ein viel befahrener Autobahn-Zubringer.

Keine ruhige Stadtallee

Verschwiegen werde auch, wie der Verkehr in der Bauzeit und im Falle eines Unfalles oder Staus im Tunnel abgewickelt würde. Die Bürgerforum-Aktiven: „Vermutlich oben über die mit zwei Halbanschlüssen geplante Stadtstraße auf dem Deckel.“ Eine solche Stadtstraße hätte eher eine trennende als verbindende, geschweige den kommunikative Wirkung, so das Forum, das weitere Kritikpunkte auflistet: Die Bauzeit im Nadelöhr, zu erwartende Staus bis in die Nachbarstädte, wirtschaftliche Nachteile für die Region.

Nach einer mindestens zwölfjährigen Bauzeit müsse man mit einer Breite der Autobahn von 38 Metern plus Böschung rechnen. Und während der Bauzeit wäre die Baustelle fast doppelt so breit.

Gladbeck und die Nachbarstädte würden in dieser Zeit auf jeden Fall durch Umleitungen und Staus verstopft. Die Verkehrsprobleme würden zu erhöhten Schadstoffbelastungen führen. Und das geforderte Baulogistikkonzept liege noch immer nicht vor.

Wie in DU-Kaiserberg

Der Wegfall der Direktanbindung des Gewerbeparks Brauck; der Überflieger statt eines Unterfliegers im neuen Autobahnkreuz - das Forum listet weitere Kritikpunkte und nicht erfüllte Gladbecker Forderungen auf und formuliert: „Die Kapazität des neuen Autobahn-Knotenpunktes im Naherholungsgebiet Wittringen in unmittelbarer Nähe zu den Neubaugebieten in Butendorf-West wäre vergleichbar mit dem Spaghetti-Knoten Duisburg-Kaiserberg. Prognostiziert sind 150 000 Fahrzeuge im Kreuz, Tag für Tag! Jedem Gladbecker muss klar sein: Wer ja sagt zum Tunnel, sagt ja zum Autobahn-Kreuz.“

Unangemessene Eile

Die Eile, mit der nun vorgegangen werde, erscheint dem Bürgerforum in Bezug auf Größe und Kosten des Projektes als unangemessen. Mit Hinweis auf diese Einschätzung spricht sich das Bürgerforum in seiner Stellungnahme dafür aus, den Wortlaut der Frage für den Ratsbürgerentscheid „gemeinsam mit Bürgern und Bürgerinitiativen zu erarbeiten“. Und das mit einer „angemessenen Vorbereitungszeit, in der die Bürger offen und transparent über die Pläne informiert werden“.

 
 

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