Reporter in der anderen Realität

„Die andere Realität“ gibt Dieter Wiergowski seit 30 Jahren heraus.
„Die andere Realität“ gibt Dieter Wiergowski seit 30 Jahren heraus.
Foto: WAZ FotoPool
Dieter Wiergowski aus Gladbeck ist ein spiritueller Mensch. Seit 30 Jahren gibt er die Zeitung „Die andere Realität“ heraus. Auch Seminare, etwa zur „Geistheilung“ organisiert der selbst ernannte bodenständige Esoteriker.

Gladbeck..  Dieter Wiergowski ist ein spiritueller Mensch. Nicht im religiösen Sinne. Sich selbst nennt er einen „bodenständigen Esoteriker“. Seit 30 Jahren trägt der Gladbecker in seiner Zeitung „Die andere Realität“ aktuelle Entwicklungen der Spiritualität, Wissenschaft, Parapsychologie und Esoterik zusammen. 10 000 Abonnenten beliefert er – „in der 90er Jahren waren es sogar 55 000“.

Es war ein tragisches Erlebnis, das Wiergowski zur Esoterik brachte. „Mit 13 Jahren hatte ich eine Nahtoderfahrung, ich wäre fast ertrunken“, erzählt der 58-Jährige. „Mein Leben lief rückwärts vor mir ab. Ich hatte ein totales Glücksgefühl.“ Ein Gefühl, das er unbedingt noch einmal erleben wollte. Er versuchte es mit Meditation. „Meine Eltern konnten gar nichts damit anfangen“, erinnert er sich. „Erst später habe ich Bücher gefunden, gemerkt, dass anderen Menschen ähnliches widerfahren ist.“

Suche nach dem Glücksgefühl

Auf der Suche nach dem einzigartigen Gefühl ist der Gladbecker ein spiritueller Mensch geworden, der sich mit den Spielarten von Esoterik, Wissenschaft und Parapsychologie auseinandersetzt. Er nennt das „Die andere Realität“. Weil sie nicht unbedingt mit der „normalen“ Realität vereinbar ist, mit der materiellen Welt.

Zum Angebot der „Anderen Realität“ gehören auch Seminare. Meist finden die Kurse im Bürgerhaus Ost statt. Im März beispielsweise steht „Geistheilung“ auf dem Programm, nachzulesen unter d-a-r.de.

Zigarre statt Räucherstäbchen

Wie lebt so ein Mann, der sich mit anderen Realitäten befasst und daraus sogar einen Beruf gemacht hat? Nun, irgendwie ziemlich normal. Mit seiner Ehefrau wohnt Wiergowski in einem Reihenhaus in Gladbeck-Ost. Statt Räucherstäbchenduft weht ein Hauch von Zigarre durchs Wohnzimmer, statt sphärischer Klänge Popmusik. „Die schönste Meditation für mich ist es, eine Zigarre zu rauchen“, sagt er. Klischees sind nicht sein Ding.

Das ist auch der Ansatz seiner Zeitung. „Wir hinterfragen alles“, erklärt er, „und da bleibt am Ende wenig übrig.“ Was übrig bleibt, sind zum Beispiel Erkenntnisse aus der Quantenphysik. „Es gibt keine Materie“, sagt Wiergowski. Er zeigt auf den steinernen Wohnzimmertisch. „Dieser Tisch existiert nicht.“ Als er das Fragezeichen im Blick der Reporterin sieht, sagt er lächelnd, dass bekanntlich alles aus Atomen bestehe. Dass sich diese Atome aber sehr glaubwürdig zu einem Tisch angeordnet haben, gibt er doch zu, und: „Für 99 Prozent der Menschen spielt das keine Rolle“.

Reisen in der Zeit

Von der Lichtgeschwindigkeit erzählt Wiergowski, und dass schon Einstein gesagt habe, wer diese überwinde, könne in der Zeit reisen. Ein komplexes Thema. Und nur eines von vielen in der „anderen Realität“. Wie die Frage nach dem Leben nach dem Tod. Da zitiert Wiergowski wieder die Quantenphysik. Die gehe davon aus, dass es fließende Übergänge geben könnte. „Es gibt auch Menschen, die haben nicht nur fünf Sinne, sondern auch den sechsten und den siebten“, sagt er. Er selbst habe schon miterlebt, wie so ein Medium Kontakt zu einem Verstorbenen aufgebaut hätte. Allerdings gebe es in diesem Bereich auch viele Scharlatane.

Dieter Wiergowski interessiert sich für die Persönlichkeitserfahrung, die menschliche Psyche. So führte er auch schon mal ein Interview mit einem an Schizophrenie Erkrankten. „Wenn mir jemand etwas erzählt, nehme ich das erstmal zur Kenntnis.“ Für ihn zähle nur seine persönliche Wahrheit. Spiritualität sei der Verzicht auf Dogmen.

Fan von Bochum, Schalke und Dortmund

Freiheit ist ihm wichtig: Der gebürtige Bochumer ist nicht nur Fan des VfL Bochum, sondern hält auch zum FC Schalke 04 und Borussia Dortmund. Und sagt: „Ich rechtfertige gar nichts.“

In seiner Zeitung hat er Ende 2012 gefordert: „Lasst Euch keinen Scheiß erzählen.“ In dem Artikel ging es um den angekündigten Weltuntergang. Auch mit Außerirdischen und Engeln hat er es nicht. „Es gibt viele Auswüchse, von denen ich nichts halte.“ Mit seiner „Anderen Realität“ will er weiterhin die spirituelle Welt im Blick behalten. Kritisch, aber ohne Dogma.

 
 

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