Razzia bei Salafisten in Brauck

Maria Lüning

Gladbeck.  Zum zweiten Mal war Gladbeck gestern Ziel einer bundesweiten Aktion gegen Salafisten, einer der extremen islamistischen Szene zugerechneten Vereinigung. Private Wohnungen in einem Haus an der Roßheidestraße in Brauck wurden im Morgengrauen von der Polizei durchsucht und Beweismittel sowie Vereinsvermögen der verbotenen salafistischen Organisation „an-Nussrah“ beschlagnahmt. Sicher gestellt wurden u. a. Mobiltelefone, Computer, externe Speichermedien, Videotechnik sowie Propagandamaterial in Deutsch und Arabisch, außerdem Vereinsunterlagen und Bargeld.

Verbot gilt seit dem 25. Februar

Insgesamt wurden bei der gestrigen Razzia in NRW und Hessen 20 mutmaßliche Islamisten überprüft, In NRW waren die Beamten außer in Gladbeck auch in Solingen und Düsseldorf aktiv. Diese zweite Razzia erfolgte laut Bundesinnenministerium aufgrund von Erkenntnissen aus der ersten Aktion im Juni 2012, die ebenfalls schwerpunktmäßig in NRW und Hessen stattfand. Auch damals wurden Wohnungen in Gladbeck durchsucht, nachdem kurz zuvor die salafistische Vereinigung „Millatu Ibrahim“ verboten worden war. Die nun überprüfte „an-Nussrah“ gilt als Teilorganisation von Millatu. Sie wurde am 25. Februar diesen Jahres verboten. Diese Verbotsverfügung wurde bei der gestrigen Aktion „vollstreckt“, also den Hausbewohnern ausgehändigt, so Polizeipressesprecherin Ramona Hörst. Festnahmen gab es bei der Razzia nicht, teilte das Bundesinnenministerium auf WAZ-Anfrage mit.

„Wir kennen die nicht“

„Wir kennen die nicht und wollen die hier auch nicht haben“, betont Süleyman Kosar vom türkischen Elternverein und Mitglied des Integrationsrats. Salafisten seien bis jetzt im muslimischen Milieu oder in Gladbecker Moscheen nicht aufgetaucht. „Wir haben ganz andere Sorgen und bemühen uns um gutes Miteinander mit den Deutschen“, so Kosar. Wie er distanzieren sich auch andere Mitglieder der muslimischen Gemeinde von den islamischen Extremisten.

Auch die Stadtverwaltung hat keine Kenntnis von salafistischen Aktivitäten in Gladbeck, die nun durchsuchte Adresse war weder beim Ordnungs- noch beim Ausländeramt bekannt, so Stadtsprecher Breßer-Barnebeck. Auch eine der Gruppierung zugeschriebene Spendenaktion für Syrien habe man hier nicht fest gestellt. Die Stadtverwaltung ist im Vorfeld über die Aktion des Innenministeriums nicht informiert worden.