Pro und contra zur Merkel-Kandidatur

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihre erneute Kandidatur für die Bundestagswahl und den Parteivorsitz angekündigt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihre erneute Kandidatur für die Bundestagswahl und den Parteivorsitz angekündigt.
Foto: Kay Nietfeld
  • Mitreißende Euphorie verursacht die Ankündigung der Bundeskanzlerin nicht
  • Selbst die Bürger, die hinter der Spitzenpolitikerin stehen, äußerten sich eher nüchtern
  • Die meisten Befragten sehen aber keine politische Alternative als Kanzlerkandidaten

Gladbeck.  Mitreißende Euphorie verursacht die Ankündigung der Bundeskanzlerin, erneut als Spitzenkandidatin der CDU für die Bundestagswahl 2017 kandidieren zu wollen, bei den Gladbeckern offenbar nicht. Selbst die Bürger, die hinter der Spitzenpolitikerin stehen, äußerten sich bei einer Umfrage eher nüchtern – wie jüngst die Kanzlerin selbst – zum Thema.

„Wir haben doch keine wirkliche Alternative“, sagt Ingrid Synak. Für die 63-Jährige ist auch die vierte Kandidatur eine gute Wahl: „Ich stehe hinter Frau Merkel. Sie hat aus meiner Sicht in den letzten Jahren eine gute Politik gemacht und Deutschland geht es doch gut.“

Dass dies im Besonderen bei von der etablierten Politik enttäuschten Anhängern der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) ganz anders gesehen wird, ist Ingrid Synak klar. Dies sei ein Themenfeld, „das im Wahlkampf auf jeden Fall von der CDU aufgegriffen werden muss“.

„Sie hat mich nicht überzeugt“

Von Habibe Korkut darf die Kanzlerin keine Stimme erwarten: „Sie hat mich in letzter Zeit nicht überzeugt“, sagt die Gladbeckerin. Zum Beispiel beim Thema Flüchtlinge, zunächst sei da die entschiedene Hilfe, der Jubel und die große Aufnahmebereitschaft gewesen „und jetzt wird sich nicht ausreichend um die weitere Zukunft der Menschen gekümmert“. Wenn man schon helfe, „dann aber bitte auch richtig“. Zufrieden ist die Geschäftsinhaberin zudem nicht mit der allgemeinen Einkommens- und Wirtschaftslage, „für uns kleine Unternehmer wird es so immer schwieriger“, sagt die 43-Jährige.

Thorste Waerder (39) sagt, obwohl durchaus interessiert, sei er selbst seit ein paar Jahren eher politikverdrossen. Denn er habe den Eindruck, „dass die Wirtschaft durch Lobbyismus einen so erheblichen Einfluss auf die Politik hat, dass sich sehr wenig ändert“. Zum Beispiel gelte es statt Preisdumping die Lebensmittel mehr wert zu schätzen „und so auch die Massentierhaltung auf viel zu kleinem Raum abzuschaffen“, fordert der Betreiber eines Speiseimbisses. Gleichwohl zeigt er Sympathie für die Kanzlerin. Bei der aktuellen schwierigen Diplomatie sei eine sachorientierte Frau von Vorteil. „Denn wie andere in Aktionismus zu verfallen, ist zurzeit der falsche Weg.“ Um die innenpolitischen wie außenpolitischen Probleme zu bewältigen, „ist der kühle Kopf einer studierten Physikerin auch weiterhin nicht schlecht.“

Angela Merkel habe sich „in der Kanzlerschaft verbraucht und eine vierte Amtszeit sei zu viel“, so das Fazit von Stefan Kreier. Obwohl die Kanzlerin ihre Arbeit, bei auch respektablem internationalen Ruf, nicht schlecht gemacht habe, sei „zu wenig Neues“ von ihr zu erwarten, was zur Politikverdrossenheit und Erstarkung der AfD führe. Bei ihr wisse man zwar was man hat, „weiß aber auch, was man nicht von ihr bekommt.“

 
 

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