Pfandringe für Gladbeck – Bedenken häufen sich

Solch ein Mülleimer mit Pfandring steht in Köln.
Solch ein Mülleimer mit Pfandring steht in Köln.
Foto: Privat
An sich eine gute Idee – da sind sich alle einig. Doch es gibt auch Argumente, die gegen den Pfandring in Gladbeck sprechen: Hohe Kosten, unterschiedliche Mülleimermodelle in der Innenstadt und mögliche Probleme bei der Leerung. Doch Pfandsammlern würde solch ein Ring die Arbeit erleichtern.

Gladbeck..  „Morgens um vier Uhr bin ich unterwegs, überall in Gladbeck – im Park, auf Sportanlagen, in der Fußgängerzone.“ Dann ist Gerhard Müller auf der Suche nach Pfandflaschen. Seit 20 Jahren macht er das. An guten Tagen kriegt er auch mal zehn Euro zusammen.

Dafür greift der 56-Jährige aber auch in Mülleimer. Um diese Demütigung Pfandsammlern zu ersparen, gibt es den Pfandring. Er wird außen an öffentlichen Mülleimern angebracht, Passanten können ganz einfach ihre Flaschen und Dosen in den Ring stellen. Eine gute Idee sei das für Gladbeck, findet Gerhard Müller. „Das ist besser als in den Abfall hineinzugreifen.“ Gudrun Bracksiek stimmt zu: „Ich sammel auch Flaschen, aber in Mülleimer greife ich nicht rein. Da habe ich ein Ekelgefühl vor.“ Beide sind auf das Pfandsammeln angewiesen und verdienen sich so etwas fürs Leben dazu.

Vorreiter ist die Stadt Bamberg

Eine gute Idee – da sind sich alle einig. Doch es gibt auch Bedenken. Bereits im Februar stellte Die Linke im Innenstadtausschuss das Pilotprojekt vor. Seitdem ist nicht viel passiert. „Wir warten ab, welche Erfahrungen andere Städte mit ihren Pilotprojekten machen“, so Heinrich Vollmer, Chef des Zentralen Betriebshofes Gladbeck.Vorreiter beim Pfandring-Projekt ist Bamberg.

Aber auch die hohen Kosten für die Produktion eines Pfandrings müssen berücksichtigt werden. Problematisch ist dabei, dass es in Gladbeck vier unterschiedliche Abfallbehältermodelle gibt, für die wiederum vier Prototypen designt werden müssten. „Es ist schwer zu kalkulieren, wie viele Pfandringe man in Gladbeck braucht. Sinn macht es, sie in der Innenstadt, am Bahnhof West und im Nordpark zu installieren“, so Philipp Euler von den Linken. „Da bräuchte man Minimum zehn bis fünfzehn Pfandringe. Und das ist mit mehr als 100 Euro pro Pfandring nicht tragbar.“

Alternative: Pfandkisten

Ähnlich sieht das Heinrich Vollmer: „Das können wir dem Gebührenzahler nicht zumuten.“ Pfandringe könnten nicht aus den öffentlichen Abfallgebühren finanziert werden. Wichtig sei auch, dass die Ringe an den Mülleimern so angebracht werden müssten, dass bei der Leerung keine Probleme auftreten.

Doch es müsste ja nicht zwingend ein Pfandring sein, meint Philipp Euler: „Als Alternative gibt es auch Pfandkisten.“ Ausrangierte Bierkisten oder Drahtkörbe könnten an Straßenlaternen montiert werden und so den Pfandsammlern das Leben einfacher machen. „Dazu muss aber auch unter den Gladbeckern die Akzeptanz vorhanden sein, Pfandflaschen nicht wegzuschmeißen, sondern in die Körbe zu stellen“, meint Gerhard Müller.

Kölner entwickelte 2012 den Pfandring

Einigen ist Paul Kretz vielleicht aus der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ bekannt. Dort präsentierte der Diplom-Produktdesigner seinen Pfandring, um Investoren für das Projekt zu finden. Den Prototyp aus rostfreien Edelstahl entwickelte der Kölner 2012 als Student an der Hochschule Ecosign in Ehrenfeld in dem Semesterkurs „Für ein sauberes Köln“. Gemeinsam mit Gerd Hoffmann schweißte er in Handarbeit den Ring zusammen.

Als erste deutsche Stadt ließ Bamberg Pfandringe an zwei viel genutzten Plätzen in der Stadt montieren. Das Pilotprojekt läuft für ein Jahr. Inzwischen hat Bielefeld 25 Pfandringe geordert, aber auch in Köln, Magdeburg und Karlsruhe hängt an Mülleimern solch ein Zusatz zum Abstellen von Pfandflaschen. Die Kosten solch eines Rings sind von der Nachfrage abhängig, bei zehn Stück kostet einer zwischen 115 und 150 Euro.

Paul Ketz möchte erreichen, dass Pfandsammler nicht mehr unwürdig in die Mülleimer greifen müssen, um an Leergut zu gelangen. Auf seiner Homepage nennt er weitere Vorteile seiner Erfindung: „Flaschen und Dosen bleiben im Recyclingkreislauf und werden nicht mehr verbrannt. Weniger Kosten, weniger CO2-Ausstoß durch weniger fälschlich verbrannte Wertstoffe. Geringerer Reinigungsaufwand für die Stadt.“

 
 

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