Parkourläufer - am liebsten die Wand hoch

Steffen Bender
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Gladbeck. Parkourläufer aus Gladbeck haben Gleichgesinnte aus dem ganzen Ruhrgebiet zur Jamsession eingeladen. Mauern, Laternen, Treppen - das alles sind für sie keine Hürden. Die Faszination an dem Sport: keine Regeln und die absolute Bewegungsfreiheit.

Es sieht so einfach aus: Im schnellen Schritt auf das Trampolin, sich hochfedern und dann den doppelten Salto mit Schraube auf die Matte zaubern. Wo jeder Hobby-Turner an seine Grenzen stößt, fangen die Parkourläufer erst an. Am Samstag fand die Jamsession der Gladbecker Läufer und ihrer Gäste aus dem gesamten Ruhrgebiet in der Sporthalle des Riesener Gymnasiums statt, die eigentlich schon im Winter geplant war, aber wegen der Schneelasten auf dem Hallendach ausfallen musste.

Früh morgens um neun Uhr geht es schon los. Ein Trampolin in der Ecke, Kästen mit aufsteigender Höhe auf der anderen Seite. Die Musik schallt laut aus den Boxen. Und dann ist da ja noch die Wand. Eine einfache Wand. Das wohl beliebteste „Hindernis“ eines Parkourläufers. Drei Schritte weg, nicht mal ein schneller Anlauf und schon ist der Rückwärtssalto geschafft. Der Autor macht große Augen. Es folgen Handstände auf Kästen, Saltos am Fließband, Schrauben aus dem Stand und was es sonst noch so in der kuriose Parkourwelt so gibt. Man muss es einfach gesehen haben.

„Es wird miteinander trainiert und nicht gegeneinander“

Die Läufer wählen in der Regel den direkten Weg. Mauern, Laternen und Treppen stellen keine Hürden dar. Ganz im Gegenteil: Sie freuen sich drüber. Allen voran der stadtbekannte Julian Kläsner (23), der auch dieses Treffen ins Leben rief und Kollegen aus dem ganzen Ruhrgebiet eingeladen hat.

Doch was macht dieses Faszination Parkourlaufen überhaupt aus? „Es gibt keine Regeln. Wir sind frei in unserer Bewegung und haben auch kein Wettkampfcharakter. Es wird miteinander trainiert und nicht gegeneinander“, so Julian Kläsner. Dass Parkourlaufen mittlerweile nicht mehr nur eine Trendsportart zeigt sich in der kontinuierlich wachsenden Teilnehmergemeinde. Justin Matel (13) ist noch ganz frisch dabei. Seit vier Monaten läuft er, weil es einfach ein schönes Gefühl ist, wie er selbst sagt. „Man kann halt machen, was man will.“ Verletzt hat sich der junge Bottroper noch nicht großartig, auch wenn er sich mal den Rücken verknackst hatte. „Ich bleibe auf jeden Fall weiter dabei.“ Bei der Überwindung seiner Hindernisse geben die anderen dem jungen Läufer Hilfestellung und Tipps.

Trendsport Parkour
Trendsport Parkour
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Auf der anderen Seite in der Halle findet man dann Stefan Kalnik (22). Über sieben Jahre ist er mit Julian Kläsner nun dabei. An einen Augenblick erinnert er sich noch besonders: „Mein erster gestandener Rückwärtssalto im Sand. Das war schon was“, sagt Stefan und nimmt wieder Anlauf Richtung Wand. Am Tag nach der Jamsession sind sich die Beteiligten einig: Es hat Spaß gemacht, aber die zwölf Stunden haben Spuren hinterlassen: „Ich habe Muskelkater. Mir tut alles weh. Ich bin kaputt“, erzählt Julian Kläsner.