Neue Stolpersteine an sieben Orten erinnern an 27 Menschen

Im Bonhoeffer-Haus stellten Schülerinnen und Schüler aus Gladbeck ihre Recherche-Ergebnisse vor.
Im Bonhoeffer-Haus stellten Schülerinnen und Schüler aus Gladbeck ihre Recherche-Ergebnisse vor.
Foto: Funke Foto Services
Bewegende Ausstellungs-Eröffnung im Bonhoeffer-Haus - noch in diesem Monat werden in Gladbeck neue Stolpersteine verlegt.

Gladbeck..  „Wir sind die Moorsoldaten“, sang das Publikum nach über zweistündigem Programm zusammen mit Norbert Gerbig und seinen musikalischen Partnern – jetzt richten sich die Blicke auf den 16. Dezember, wenn die nächste Stolperstein-Verlegung an sieben Orten im Gladbecker Stadtgebiet startet.

Im Dietrich-Bonhoeffer-Haus wurde am Dienstagabend die Ausstellung zur kommenden Stolperstein-Aktion eröffnet – eine bewegende Veranstaltung mit vielen Facetten, wobei vor allem die Recherche-Ergebnisse der Schülerteams wieder in besonderer Weise beeindruckten.

„Orte verbinden Raum und Zeit, Gegenwart und Vergangenheit“, sagte Roger Kreft vom Bündnis für Courage. Die Stolpersteine erinnern an das Schicksal von Menschen, die in der NS-Zeit verfolgt und/oder ermordet wurden. Diese Steine hätten auch in Gladbeck eine unübersehbare Spur gelegt, so Kreft. Er dankte den Schülern für ihre engagierte Recherche und richtete auch Dankesworte an Manfred Samen und Peter Jarosch, die das Projekt als historischer Experte (Samen) und als unermüdlicher Begleiter (Jarosch) unterstützen. Peter Jarosch pflegt und säubert die bereits verlegten Stolpersteine seit vielen Jahren. Kreft: „Keine Stadt, die ich kenne, hat so saubere und glänzende Stolpersteine wie Gladbeck.“

Die Stolpersteine seien ein unverzichtbarer Bestandteil der lokalen Erinnerungskultur, unterstrich Bürgermeister Ulrich Roland in seinem Grußwort. Der Bürgermeister setzte mit Blick auf die aktuelle Flüchtlingssituation auch ein klares, rhetorisches Zeichen für ein grundsätzlich offenes Europa, das seinen Idealen treu bleibt: „Hätte Norwegen in den 30-er Jahren die Grenzen dicht gemacht, hätte es keinen späteren Bundeskanzler und Nobelpreisträger Willy Brandt gegeben“, rief Roland in den Saal.

Auch Judith Neuwald-Tasbach, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, zu der auch Gladbeck gehört, unterstrich in ihrer Ansprache: „Erinnerung ist niemals rückwärtsgewandt, sondern zukunftsweisend!“ Die Bedrohung jüdischen Lebens in Deutschland und auch im Ruhrgebiet nehme wieder zu, ergänzte Neuwald-Tasbach. Dies zeigten konkrete Attacken, etwa auf die Synagoge in Gelsenkirchen. Auch vor diesem Hintergrund sei die Stolperstein-Aktion von überragender Bedeutung und strahle auf die gesamte Gesellschaft aus.

Dann der Höhepunkt des Programms: Erich-Fried-Schule, Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule, Riesener-Gymnasium, Ratsgymnasium, Heisenberg-Gymnasium und Anne-Frank-Realschule stellten ihre Recherche-Arbeiten vor. Die Schüler zeigten dabei auch Urkunden, Fotos und Dokumente aus dem Leben von 27 Menschen aus Gladbeck.

Verfolgte Familien lebten einst mitten in Gladbeck

Die neue Ausstellung „Stolpersteine in Gladbeck“ mit zahlreichen detaillierten Angaben zum Schicksal der 27 verfolgten Gladbecker Bürger ist noch bis zum 12. Dezember in der Zeit von 9 bis 12 Uhr und von 15 bis 17 Uhr im Dietrich-Bonhoeffer-Haus zu sehen.

Verfolgung, Verhaftung, Tod im KZ, manchmal auch das Überleben im Exil oder auf der Flucht - die kommende Stolperstein-Verlegung erinnert wieder an das Schicksal zahlreicher Gladbecker und startet am 16. Dezember um 9 Uhr an der Rentforter Straße 16, wo die Familie Friedmann wohnte, der zum Teil die Flucht nach Palästina bzw. ins spätere Israel gelang.

Um 9.30 Uhr beginnt dann die nächste Verlegung an der Horster Straße 2, wo Rubin und Fanny Mingelgrün lebten.

Um ca. 9.45 Uhr läuft dann eine weitere Stein-Verlegung an der Horster Straße 8, wo einst auch Rosalia Cahn-Bieker aus der bekannten Gladbecker Kaufhaus-Familie Bieker lebte. Sie heiratete einen Mann jüdischen Glaubens, von dem sie später im Jahr 1938 zwangsgeschieden wurde. Vor weiterer Verfolgung hat das die Gladbecker Familie nicht bewahrt.

Um 10 Uhr wird ein Stolperstein an der Horster Straße 19 verlegt, wo Karl-Otto Zielke wohnte. Er wurde damals für das Abhören ausländischer Radiosender und für den „Verkehr mit Juden“ angezeigt. Enkel Manfred Zielke wird am 16. Dezember nach Gladbeck kommen.

Um 10.30 Uhr folgt dann der neue Stolperstein für die Familien Lewin und Seelig an der Uhlandstraße 10. Und um ca. 11.05 Uhr gibt es die Stein-Verlegung an der Horster Straße 229 für die Familie Scheiner. Abschluss der Reihe ist am 16. Dezember um ca. 11.25 Uhr an der Herbertstraße 32 (Familien Endel und Goldenhar).

 
 

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