Neue Gemeinde in der Martin-Luther-Kirche

Marcus Esser
Im Kirchenraum der einst entwidmeten Martin-Luther-Kirche hat die Evangelisch-Reformierte Freikirche wieder ein Kreuz über dem Altar aufgehängt.
Im Kirchenraum der einst entwidmeten Martin-Luther-Kirche hat die Evangelisch-Reformierte Freikirche wieder ein Kreuz über dem Altar aufgehängt.
Foto: WAZ
  • Evangelisch-Reformierte Freikirche hat sich in Gladbeck neu gegründet
  • Offizieller Eröffnungsgottesdienst wird am Sonntag mit Bürgermeister Roland gefeiert
  • Bislang rund 30 Kirchenmitglieder, die sich auf die Werte der Reformation rückbesinnen

Gladbeck.  In der Martin-Luther-Kirche in Alt-Rentfort wird jetzt wieder jeden Sonntag Gottesdienst gefeiert. Die neu gegründete Evangelisch-Reformierte Freikirche Gladbeck nutzt den Kirchenbau an der Josefstraße, den die Evangelische Landeskirche aufgegeben, entwidmet und an den Unternehmer Martin Schmidt verkauft hatte.

„Wir freuen uns, diesen schönen Raum gegen ein kleines Entgelt zur Verfügung zu haben“, sagt Bernhard Hermes im Gespräch mit der WAZ. Der Presbyter gehört zum zehnköpfigen Gründungsteam der Gemeinde, das alle interessierten Gladbecker herzlich zum offiziellen Eröffnungsgottesdienst diesen Sonntag ab 10.30 Uhr einlädt. Die Teilnahme zugesagt haben bereits Bürgermeister Ulrich Roland und Daniela Städter, Vorsitzende der Evangelischen Allianz in Gladbeck, die beide ein Grußwort sprechen werden.

Zeitgemäß christlichen Glauben leben

„Es ist uns ein Anliegen, in unserer Stadt miteinander zeitgemäß und alltagsrelevant christlichen Glauben zu leben. Wichtig ist uns, ins Gespräch darüber zu kommen, wie Jesus Christus heute real erlebbar werden kann, wenn man sich glaubend auf ihn einlässt. Wir wollen Kirche zum Anfassen sein – nah bei den Menschen und von Gott geprägt“, erklärt Hermes zu den Hintergründen der Kirchengründung. Im Gottesdienst komme es zu einer Verbindung von traditionellen und modernen Formen, so sei nicht die Orgel das vorherrschende Instrument, sondern die E-Gitarre, die modernes Liedgut begleite. Kirchlich-liturgische Elemente wechselten mit freien Ausdrucksformen des Glaubens.

„Unsere theologischen Glaubensprinzipien sind eine bewusste Rückbesinnung auf die Werte der Reformation, die wir versuchen, in die Gegenwart zu bringen“, erklärt Bernhard Hermes. Dies seien im wesentlichen fünf reformatorische Positionen, fußend auf der absoluten Souveränität Gottes: Allein dessen Gnade errettet den Menschen aus Sünde und Verdammnis (sola gratia). Allein der Glaube ist der Weg der Rechtfertigung vor Gott, nicht die Werke des Menschen (sola fide). Allein die Schrift (Bibel) ist die Grundlage des christlichen Glaubens (sola scriptura). Allein Christus ist der Mittler zwischen Gott und Mensch (solus christus) und Gott allein gebührt die Ehre (soli deo gloria).

„Zudem praktiziert die Evangelisch-Reformierte Freikirche aus ihrem Bibelverständnis heraus nicht die Taufe an unmündigen Kleinindern, die selbst dazu nicht ihren Willen ausdrücken können“, erklärt der Presbyter weiter. Als Freikirche sehe man zudem ein hohes Gut in einer staatsunabhängigen Gemeindeverfassung. „Deshalb erhalten wir auch keine Kirchensteuer oder öffentliche Zuschüsse, sondern finanzieren uns über Spenden.“