Mussa Msaedi will Arzt werden - der VGW hat ihn gefördert

Mussa Msaedi (19) ist seinem Ziel, später einmal als Arzt arbeiten zu können, schon ein großes Stück näher gekommen.
Mussa Msaedi (19) ist seinem Ziel, später einmal als Arzt arbeiten zu können, schon ein großes Stück näher gekommen.
Foto: Michael Korte
  • Als erster VGW-Stipendiat hat der junge Gladbecker seine Chance genutzt
  • Mit der Abi-Note von 1,6 kann er im kommenden Jahr ein Medizin-Studium beginnen
  • Schon in der Grundschule war Neurochirurg sein Traumberuf

Gladbeck.  Kleine Jungs träumen davon, Lokführer zu werden. Oder Feuerwehrmann. Oder vielleicht Baggerfahrer? Auch Mussa Msaedi (19) hatte in der Grundschule einen Traumberuf. Er musste aber vermutlich öfter erklären, was das überhaupt ist: „Arzt, und zwar Neurochirurg“, wollte der Älteste von fünf Geschwistern schon damals werden. An dem Wunsch hat sich nie etwas geändert. Und jetzt ist Mussa kurz davor, ein Medizinstudium zu beginnen. Das klingt wie eine dieser Erfolgsgeschichten, die sich im Leben mancher Menschen scheinbar von allein schreiben.

Ein gutes Abi hätte nicht gereicht - es musste schon sehr gut sein

So war es aber nicht. Mussa hat hart gearbeitet, um sein Ziel zu erreichen. Und ohne die Hilfe des VGW, des Gladbecker Vereins zur Förderung der Wirtschaft, der ihm mit einem Nachhilfe-Stipendium geholfen hat, wäre er vielleicht nie so weit gekommen.

Spätestens in der Oberstufe an der Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule war Mussa nämlich klar: Es würde nicht ausreichen, nur ein gutes Abi zu machen. Das hätte der Schüler – Leistungskurs und Lieblingsfächer Bio und Deutsch – geschafft. Er musste sehr gut sein. „Um einen Studienplatz in Medizin zu bekommen, brauchte ich einen Schnitt von 1,4 mindestens“, wusste er. „Aber ich wusste nicht, wie ich es anstellen sollte, dahin zu kommen.“

Glücklicher Zufall: Der VGW suchte erstmals Nachhilfe-Stipendiaten

Nachhilfe, klar, wäre eine Möglichkeit. Mussa nahm an einer Schnupperstunde in einem örtlichen Institut teil. Regelmäßige Stunden hätten seine Eltern nicht bezahlen können. „Doch dann klingelte eines Tages das Telefon und Jutta Kleinmanns vom VGW war dran“, erzählt Mussa. Er staunt immer noch über dieses Glück, das er hatte: Der VGW suchte just zu dem Zeitpunkt zum ersten Mal Nachhilfe-Stipendiaten: Schüler, die motiviert sind und eine Förderung brauchen, um ihre Ziele zu erreichen.

Das Nachhilfe-Institut nannte ihnen Mussas Namen, der dort von seinem Wunsch, Medizin studieren zu können, erzählt hatte. Und „alles passte“, weiß VGW-Geschäftsführerin Jutta Kleinmanns noch. Ab Mitte der zwölften Klasse paukte Mussa zweimal in der Woche im Institut. „Eigentlich war es mehr als nur Lernen“, sagt er. Seine „Super-Lehrer“ Michael und Martin hätten seinen Horizont erweitert, ihm mehr beigebracht als den Lehrstoff.

Am Ende stand eine 1,6 auf dem Abiturzeugnis

Das schöne Ende der Geschichte: Eine 1,6 stand unter dem Abizeugnis des Gesamtschülers. Fehlten zwar noch 0,2 Punkte für den direkten Eintritt ins Studium. Zum Wintersemenster 2017 könnte es aber klappen. In den Auswahlverfahren der Universitäten, auf die sich Mussa jetzt vorbereitet, lässt sich noch etwas ‘rausholen. Das erforderliche dreimonatige Krankenpflege-Praktikum hat er auch schon eingestielt.

Bis der in Gladbeck geborene Sohn libanesischer Eltern aber tatsächlich als Neurochirurg arbeiten kann, wird es noch dauern. Sechs Jahre Studium, danach den Facharzt machen – Mussa schreckt das nicht. Je näher er seinem Ziel kommt, umso überzeugter ist er von seiner Berufswahl. „Das Gehirn ist das faszinierendste Organ im Körper, und es gibt da noch so viel zu endecken.“

Schwester und Bruder folgen Mussa nach

In der Familie Msaedi bleibt Mussa nicht der einzige, der zielstrebig seine Pläne verfolgt. Seine Schwester (17) will Lehrerin werden, der Bruder (15) Pilot. Beide sind ebenfalls VGW-Nachhilfe-Stipendiaten.

Der VGW sucht weitere Nachhilfe-Stipendiaten 

Die Förderung des technischen Nachwuchses in der Region ist seit jeher ein Schwerpunkt des VGW, Vereins zur Förderung der Gladbecker Wirtschaft. Seit dem vergangenen Jahr bietet der 100 Mitglieder starke Verein Nachhilfe-Stipendien für Schüler an, die sich insbesondere in naturwissenschaftlichen Fächern verbessern wollen. Dabei kann es darum gehen, die Versetzung zu schaffen, aber auch darum, in einigen Fächern gute Noten noch weiter zu verbessern – wie es bei Mussa der Fall war.

Seit dem vergangenen Jahr haben sieben Schüler die Hilfe in Anspruch genommen. Das Stipendium gilt zunächst für die Dauer eines Schuljahrs, kann verlängert werden, auch bis zum Schulabschluss. Maximal zwei Doppelstunden pro Woche in einem Nachhilfe-Institut werden finanziert. Aktuell sucht der VGW weitere Stipendiaten.

Das wichtigste Kriterium: „Sie müssen wollen.“

Bewerben können sich Schüler der Mittel- und Oberstufe der weiterführenden Schulen, Berufsschüler sind ausgeschlossen. Die Zusage ist unabhängig von der Höhe des Einkommens der Eltern. „Das wichtigste Kriterium ist: Die Schüller müssen sich verbessern wollen“, sagt VGW-Geschäftsführerin Jutta Kleinmanns. Natürlich ist die Förderung an Bedingungen geknüpft: Die Schüler dürfen die Nachhilfe nicht schwänzen, müssen aktiv mitarbeiten und ihr Interesse beweisen. Der Fortschritt wird regelmäßig überprüft.

Der VGW finanziert die Nachhilfe-Stipendien aus den Mitgliedsbeiträgen. Zum Start hatte die Sparkasse mit einer 3000-Euro-Spende das Projekt mit angeschoben.

 
 

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