Mozartstraße trifft sich zum Grünkohlessen

Nachbarn beim Grünkohlessen. vl: Siggi Reichmann, Rolf Fülling, Andreas Richtarsky und Timo Effert.
Nachbarn beim Grünkohlessen. vl: Siggi Reichmann, Rolf Fülling, Andreas Richtarsky und Timo Effert.
Foto: WAZ
„Auf Mozart“ treffen sich die Nachbarn zum gemeinsamen Grünkohlessen in der Garage. Hobbyköchin Rita Neuß kocht das deftige Gemüse mit original „Pinkel“ nach eigenem Geheimrezept. Beim Essen wird die gute Nachbarschaft gepflegt.

Gladbeck..  Es gibt sie noch, die klassische Nachbarschaft. „Auf Mozart“ nennt sich diese Zweckeler Schicksalsgemeinschaft, die Freud und Leid miteinander teilt. Ob es das Anheizen des Kohleofens der Oma von nebenan ist oder die Beaufsichtigung von Kindern: Die Nachbarschaft auf der Mozartstraße funktioniert und knüpft an die Tradition des Kameradschafts-Gedinge der Bergleute an.

Zweimal im Jahr wird richtig toll gefeiert. „Im Sommer ist ein buntes Sommerfest an der Reihe und im Winter, da gibt es Grünkohl“, sagt Rita Neuß, die seit Jahren für diese Spezialität an den Herd geht und die Nachbarschaft mit dem Ergebnis stundenlangen Kochens begeistert. Grünkohl oder Brassica oleracea sabellica wie der Lateiner sagt, ist das klassische Wintergemüse. In Gladbeck-Zweckel ist dieses deftige Gericht quasi der Mörtel für die funktionierende Nachbarschaft: Am letzten Samstag traf man sich wie schon seit Jahren in der nett dekorierten Garage der Familie Neuß und verspeiste mit hohem Genuss den Kohl, der in jeder Region Deutschlands zwar einen anderen Namen hat, Braunkohl, Hochkohl, Winterkohl, Strunkkohl, Krauskohl . . . aber immer eine wichtige Form der natürlichen Veredelung erfährt: Die Pflanze muss Frost haben.

„Da kann man auch nachhelfen“, weiß die Gladbecker Expertin und verweist auf die Tiefkühltruhe. Die „Friesische Palme“ braucht die Kälte, um Stärke in Aroma zu verwandeln. „Aber die Bitterstoffe sind schon gut ‘rausgezüchtet, da ist das mit dem Frost nicht mehr so wichtig“, sagt Rita Neuß, die bereitwillig das Geheimnis ihres schmackhaften Grünkohls lüftet. „Ich habe Beziehungen ins Oldenburgische. Von dort bekomme ich originale Pinkelwurst. Diese Würste sind direkt auf die „Friesische Palme“ mit einer Gewürzmischung und einem Grützeanteil abgestimmt. Das schmeckt so lecker“, verrät die Köchin aus Leidenschaft.

Nur bedingt diätisch

Drei Kilo Bauchfleisch, ein Kilo Speck und 30 westfälische Mettwürstchen runden das Gericht ab, das in dieser Form sicher nur bedingt als diätisch bezeichnet werden kann. „Wir hatten sogar schon einmal Gäste aus der Schweiz. Die kannten so etwas nicht, waren aber begeistert“, so Rita Neuß.

Für die Kids gibt es Limo zum Gericht, die Erwachsenen trinken klassisch ein Pils und zur besseren Verdauung auch schon ‘mal ein Körnchen. Alles in Maßen und in der gemütlichen Garage. „Wir haben damit angefangen als vor rund zehn Jahren die Privatisierung der Häuser hier auf Mozart anfing. Wir wollten das Gemütliche bewahren, das ist uns gelungen“, sagt Rita Neuß.

Im Internet werden die Geschehnisse rund um die Mozartstraße dokumentiert

Dabei geht sie mit der Zeit: Die Geschehnisse rund um die Mozartstraße sind auf der Internet-Seite www.aufmozart.de dokumentiert. Karl Neuß erledigt diesen Job mit großer Hingabe und hat so viele Anekdoten und Fakten aus der Bergbaugeschichte der Wohnsiedlung ans Tageslicht befördert.Der Grünkohl ist dabei eine wichtige Komponente. Und die schmeckt so lekker, datt glaubse nich!

 

EURE FAVORITEN