LWL: Hospitalstollen kein Denkmal

Unter der Halde liegt der Stollen mit dem ehemaligen Notkrankenhaus.
Unter der Halde liegt der Stollen mit dem ehemaligen Notkrankenhaus.
Foto: WAZ FotoPool

Gladbeck hat rund 60 Denkmäler – wenn es nach dem Arbeitskreis Stadtbildpflege ginge, könnte mindestens ein weiteres hinzukommen. Gezielt im Blick haben die Stadtbild- und Geschichtspfleger jetzt das Notkrankenhaus aus dem 2. Weltkrieg im Bunker unter der Halde Steinstraße. Zum Ende des Krieges, von 1945 bis 1946, wurden in dem Stollen Patienten behandelt und medizinisch versorgt.

Es gab einen vollständig eingerichteten Operationssaal, eine Kapelle und Pflegeräume. Bis heute ist dieses Notkrankenhaus unter der Halde weitgehend erhalten, hineingehen darf aber niemand mehr. Der Stollen gilt als einsturzgefährdet, seit 2001 dürfen weder der Stollen selbst noch das Gelände, also die Halde darüber, betreten werden.

„Der Arbeitskreis hat das Krankenhaus und die Halde seit längerem als schutzwürdig im Blick“, sagt Dr. Wolfgang Schneider. Eine Anfrage an den Landschaftsverband LWL, der für die Entscheidung über eine Unterschutzstellung maßgeblich ist, richtete der Arbeitskreis jedoch erst nach dem Bürgerentscheid über den Ausbau der B 224. Bei einem Ausbau zur A 52 wäre die Halde abgetragen und wohl auch der darunterliegende Stollen verfüllt worden, um das Gelände nutzen zu können. Bekanntermaßen lehnten die Gladbecker die Pläne am 25. März ab und damit war auch die Zukunft der Halde wieder offen. Der Arbeitskreis schickte wenige Tage nach dem Ratsbürgerentscheid, am 6. April, eine erste Anfrage an den Landschaftsverband zur Denkmalwürdigkeit der Einrichtung. Das Argument: Zum einen sei die Halde ein Relikt aus der bergbaulichen Vergangenheit Gladbecks, ihre Begrünung ein ausgezeichnetes Beispiel für die frühe Entwicklung eines Biotops auf Bergehalden. Zum anderen seien der Bunker und die Nutzung des Stollens als Notkrankenhaus in der Umgebung ohne vergleichbares Beispiel.

Das allerdings sieht der Landschaftsverband anders. Die Fachabteilung hat die Auskunft eines Experten für Bunker, Wilfried Maehler vom „Studienkreis Bochumer Bunder e.V.“ eingeholt. Maehler kennt den Gladbecker Stollen, er hat ihn vor 15 Jahren besichtigt, als es um die Einsturzgefährdung ging. Sein Urteil: „Es handelt sich bei dem Stollen um einen Haldenstollen ohne besondere Bauweise. OP- und /oder Krankenhausstollen gab es zu Kriegszeiten für fast jedes Krankenhaus.“ Eine solche Haldenanlage, ihr Verwendungszweck und Bauart gebe es häufiger, und oft sei sie besser erhalten. Der Stollen stelle wegen ständiger Erosionen eine Gefahr dar, eine Wiederherstellung erscheine unmöglich. Zur Einmaligkeit heißt es: In Kürze werde in Bochum der einst ähnlich genutzte „Franzosenstollen“ mit Not-OP des LWL-Industriemuseums Zeche Hannover eröffnet.

Für die Gladbecker Stadtbildpfleger ist das noch kein endgültiges Urteil. Sie wollen sich selbst beim Studienkreis erkundigen. Dr. Schneider: „Wir bleiben am Ball.

Zur Schutzwürdigkeit der Halde über dem Stollen äußert sich der LWL übrigens nicht.

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