Linken-Chef Michalowsky nach Essener Demo in der Kritik

Maria Lüning
Die Demo auf dem Weberplatz in Essen löste eine heftige politische Debatte aus.
Die Demo auf dem Weberplatz in Essen löste eine heftige politische Debatte aus.
Seit einigen Wochen ist Ralf Michalowsky einer von zwei Landesvorsitzenden der Partei Die Linke. Nun sieht sich der Gladbecker heftiger Kritik ausgesetzt, nachdem es im Umfeld einer von der Linksjugend organisierten Demo zu antisemitischer Hetze und Attacken gegen eine proisraelische Kundgebung kam.

Gladbeck.  Der Gladbecker Ralf Michalowsky (64), Landesvorsitzender der Linken in NRW, steht seit der Anti-Israel-Demo in Essen am vergangenen Freitag im Kreuzfeuer der Kritik auch aus der eigenen Partei.

Auf der von der Linksjugend solid NRW organisierten Demo - Motto: „Stoppt die Bombardierung Gazas“ – war Michalowsky einer der Hauptredner. Wie berichtet wurde, war es im Umfeld der Demo zu antisemitischer Hetze und Angriffen gegen Teilnehmer einer pro-israelischen Kundgebung gekommen.

Der Landeschef der Linken in Sachsen-Anhalt hatte daraufhin Michalowsky zum Rücktritt aufgefordert, der Bundesgeschäftsführer der Linken Matthias Höhn erklärte (in der taz), es sei ein Unding, dass nach einer linken Kundgebung antisemitischen Parolen skandiert würden.

Am Donnerstag reagierte auch die linke Bundesspitze, indem sie klarstellte: „Gemeinsames Agieren mit Antisemiten, mit Menschen, die gegen die Juden offen oder unterschwellig agitieren oder die das Existenzrecht Israels in Frage stellen, kommt für uns nicht in Frage“, so Gregor Gysi, Katja Kipping und Bernd Riexinger.

„Das ist eins zu eins meine Meinung“, reagiert Ralf Michalowsky im WAZ-Gespräch auf die Ansage aus Berlin, die er keineswegs als Rüffel an sich oder der NRW-Landespartei interpretiert. Er weist alle Vorwürfe, mit der Essener Kundgebung antisemitische Hetze geschürt und einseitig Partei ergriffen zu haben, empört zurück. „Auf meiner Internetseite kann jeder meine Rede nachlesen. Das ist eine unverschämte Unterstellung. “

„Wir hätten im Vorfeld klarer machen müssen, wo wir stehen“

Tatsächlich hat Michalowsky in seiner Rede die Niederlegung der Waffen und ein Ende des Raketenbeschusses beider Seiten gefordert. Tatsache ist aber auch, dass im Vorfeld der Demo Neonazis und Islamisten ihre Teilnahme im Internet angekündigt hatten. Michalowsky bestätigt, dass Plakate mit Hetzparolen und Fahnen islamistischer Gruppen entfernt worden seien.

Dennoch würde er jederzeit wieder für ein Ende der Kriegshandlungen im Nahen Osten auf die Straße gehen. „Nicht die Rücktrittsforderungen bereiten mir schlaflose Nächte, sondern dass 1000 Menschen sterben.“ Allerdings gesteht er ein, dass „wir im Vorfeld klarer hätten machen müssen, wo wir stehen“, auch die Organisation hätte besser sein können. Die Kritik aus eigenen Reihen nimmt er gelassen. Es gebe viele Solidaritätsbezeugungen, nicht nur von NRW-Linken.

Als Verursacher der Diskussion sieht Michalowsky übrigens die „Ruhrbarone“, ein Ruhrgebietsblog. Die hatten nach der Demo geschrieben: „Michalowsky marschiert gemeinsam mit Neonazis.“